Sternstunde – ein besondere Mutter-Kind-Erfahrung

Wir sind mit unserer dreijährigen Tochter im Urlaub am Meer. Es ist Herbst und die Tage sind kurz. An einem Abend machen wir einen Spaziergang durch die Natur. Im Dunkeln ist unsere Tochter nicht so oft draußen, deshalb ist das Ganze ein bisschen aufregend. Dann bleibt sie stehen: „Was ist DAS denn?“, fragt sie und zeigt nach oben. Ich schaue hin und sehe einen wolkenfreien Himmel und unzählig viele Sterne. Das war mir bis dahin nicht aufgefallen. „Das sind Sterne.“ – „Und woher kommen die Sterne?“ – „Die hat Gott gemacht.“ – „Warum hat Gott die Sterne gemacht?“ Tja, warum hat Gott die Sterne gemacht? Gute Frage … „Mmh, vielleicht einfach, weil sie wunderschön aussehen und weil er uns eine Freude machen möchte?!“, ist mein Vorschlag. „Und dann liegt Gott jetzt da oben in seinem Bett und guckt die Sterne an und freut sich?!“ Ja, bestimmt … Dann stehen wir noch eine ganze Weile mit nach oben gereckten Köpfen da, bis uns die Hälse wehtun.

Sprachlos

Sie sagt nichts mehr. Meinem Kind, das ansonsten ununterbrochen plappert, hat es die Sprache verschlagen. Es staunt nur noch. Ich genieße den Moment und staune einfach mit. Und ich freue mich sehr. Darüber, dass meine Tochter ein bisschen mehr von Gottes wunderbarer Schöpfung entdeckt hat. Darüber, dass sie fasziniert ist und sich von diesen alltäglichen Dingen ganz einnehmen lässt, die für große Leute oft so selbstverständlich sind. Und darüber, dass sie mich zum Staunen „gezwungen“ hat.

Ich frage mich, warum ich (und wohl die meisten Erwachsenen) aufgehört habe, einfach mal stehenzubleiben und zu staunen. Wohl kein Mensch würde behaupten, er fände einen Sternenhimmel (und das gigantische Konstrukt des Weltalls) doof – aber wer, bitteschön, bleibt denn einfach mitten auf dem Gehweg stehen, um den Himmel anzuschauen? Dafür sind wir viel zu erwachsen. Schade, denke ich. Und nehme mir vor, mal wieder öfter zu staunen und innezuhalten. Ist natürlich praktisch, wenn man ein Kind als Alibi dabei hat.

Zeit zum Staunen

Aber ich will mir wirklich Zeit nehmen, mich von den Sternen, Wäldern, Tieren und Menschen faszinieren zu lassen – weil mich die Natur jedes Mal beeindruckt, sprachlos, ehrfürchtig und dankbar macht. Wie unglaublich gut alles zusammenpasst! Da gibt es die Bäume, die im Frühling sprießen und an heißen Sommertagen Schatten spenden, bevor im Herbst die Blätter in beeindruckenden Farben leuchten, um dann runterzufallen und für die Tiere auf dem Boden zum Schutz vor der Kälte zu werden und schließlich dort wieder zu Erde und Nährboden für ebendiesen Baum werden. Wie schlau, dass Schnee weiß ist und damit trübe Tage etwas heller erscheinen lässt. Und überhaupt, jeder Mensch in seiner ganzen Einzigartigkeit, wie er lernt und sich entwickelt, liebt und geliebt werden muss …

In den Tagen nach unserem Spaziergang malt mein Kind fast nur Sterne – dieses Erlebnis scheint sie wirklich tief beeindruckt zu haben. Und ich wünsche mir, dass auch meine „erstaunten“ Eindrücke nachhaltig sind.

Von Natascha Ahlers

Dieser Text ist zuerst in der Zeitschrift „Kleine Leute – Großer Gott“ erschienen. „Kleine Leute – Großer Gott“ ist ein Materialheft für Mitarbeitende im Kindergottesdienst.

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