„Unsere Kinder wollen immer Süßigkeiten!“

Dass Kinder Süßes lieben, ist völlig normal. Entwicklungsgeschichtlich sind wir Menschen auf süß gepolt! Die Muttermilch schmeckt bereits, durch den enthaltenen Milchzucker, leicht süß und sogar das Fruchtwasser im Mutterleib hat einen süßlichen Geschmack und wird gern von den Babys getrunken.

Zuckerfreie Ernährung schützt vor Krankheit

Leider haben Süßigkeiten und die darin enthaltenen Zucker „Suchtpotenzial“. Wir gewöhnen uns sehr schnell an den Süßgeschmack und brauchen immer mehr davon, um es als angenehm zu empfinden. Zucker ist in unendlich vielen Lebensmitteln enthalten. Schaut man auf die Zutatenliste verschiedener Süßwaren und süßer Getränke, dann verbergen sich oft eine große Anzahl verschiedener Zucker darin, mit so wohlklingenden Namen wie Saccharose, Maltose oder Dextrose. Alle gehören der Gruppe der so genannten „niedermolekularen Kohlenhydrate“ an, die dem Körper sehr schnell als Energiequelle zur Verfügung stehen, die aber leider nichts anderes als „leere Kalorien“ enthalten.
Bei Süßigkeiten kommt neben Zucker auch häufig ein hoher Fettanteil dazu, wie in Chips oder Erdnussflips. „Kalorienbomben“ pur! Wer viel Zucker isst, ist häufiger von Zahnkaries, Übergewicht und daraus entstehenden Zivilisationskrankheiten wie Diabetes betroffen. Manche Kindergartenkinder leiden heute schon unter dem früher als „Alterszucker“ bezeichneten „Typ-II-Diabetes“. Deshalb ist es sinnvoll und gut, Kinder möglichst lange zuckerfrei oder zuckerarm zu ernähren.

Generelle Verbote vermeiden!

Der Umgang mit Süßigkeiten und Snacks will gelernt sein. Dazu ein paar Tipps:
> Erklären Sie Ihren Kindern, warum sie Süßes in Maßen essen sollten.
> Vermeiden Sie generelle Verbote im Umgang mit Süßigkeiten.
> Legen Sie gemeinsam eine „süße Wochenration“ fest.
> Süßigkeiten eignen sich sehr gut als Abschluss einer Mahlzeit (anschließend die Zähne putzen!).
> Planen Sie bewusst Nachtische oder auch mal eine süße Zwischenmahlzeit am Nachmittag ein wie ein Stück Kuchen oder Kekse.
> Feste Naschzeiten erhöhen den Genuss, denn Vorfreude ist die schönste Freude.
> Regelmäßige Mahlzeiten beugen Heißhunger auf Süßes vor.
> Achten Sie auf bewusstes Genießen wie nur im Sitzen naschen. Das trägt auch zur besseren Kontrolle bei.
> Seien Sie Vorbild.
> Bieten Sie süße Getränke wie Säfte und Limonaden nur zu besonderen Anlässen an.
> Bevorraten Sie Süßes nur in kleinen Mengen.
> Sagen Sie Verwandten und Freunden, dass Sie keine Süßigkeiten als Geschenke oder Mitbringsel für Ihre Kinder möchten.
> Bieten Sie attraktive Alternativen an: Studentenfutter, Reiswaffeln, selbstgemachtes Popcorn, Salzstangen, Obstspieße, Rohkoststicks …
> Eine Portion extra wie etwa eine Handvoll Gummibärchen (30 g) und eine Handvoll Chips (25 g) ist Genuss und etwas Besonderes!

Elke Decher ist Diplom-Ernährungswissenschaftlerin und unterrichtet Ernährung, Hauswirtschaft und Gesundheits- und Naturwissenschaften an einem Berufskolleg.

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Kinder und Medienkonsum – das gesunde Maß

Sollten Kinder so lange wie möglich von Fernsehen und Streamingsdiensten ferngehalten werden? Medienpädagogin Nadine Kloos sagt: nicht zwangsläufig.

Darf ich mein Kindergartenkind auch mal Fernsehen gucken lassen?
Na klar! Kinder lieben Geschichten. Sie sind wichtig für ihre Entwicklung: Sie vermitteln Orientierung, Wissen und machen Spaß! Gute Geschichten gibt es nicht nur in Büchern, sondern auch in Serien und Filmen. Solange Kinder kein Interesse daran zeigen: umso besser! Freies Spielen und Interaktion mit anderen haben Vorrang, denn sie sind die Grundlage für eine gesunde Entwicklung. Zeigen Kinder Interesse, dann häufig, weil es in der Familie präsent ist. Wenn Dauer und Regelmäßigkeit der Bewegtbildnutzung die anderen Tätigkeiten nicht überwiegen, können Kinder ab drei Jahren Bewegtbilder nutzen. Diese müssen natürlich alters- und kindgerecht sein!

Welche Inhalte sind denn für Kleine geeignet?
Ab drei Jahren können die Kinder einfachen Bewegtbildgeschichten folgen. Bei den Medienanfängern ist es besonders wichtig, dass es nur dosiert und in Begleitung von Bezugspersonen stattfindet. Die Geschichten müssen kurz und einfach aufgebaut sein, wenige Figuren haben, nicht mit Rückblenden und dergleichen arbeiten. Themen, die Kinder aus ihrem Alltag kennen, machen ihnen besonders Spaß. Fernsehanfänger sollten nicht länger als etwa 15 Minuten am Stück schauen, ältere Kindergartenkinder pro Tag maximal 30 Minuten, egal auf welchem Gerät. Am meisten profitieren Kinder, wenn sie sich aktiv mit dem Gesehenen auseinandersetzen können, über das Gesehene sprechen, Bilder dazu malen, Geschichten nachspielen oder basteln. Auf jeden Fall sollte das Anschauen von Filmen oder Sendungen in den Familienalltag eingebettet sein und ihn nicht dominieren!

Während der Corona-Pandemie durften viele Kinder öfter und mehr schauen. Wie können Familien wieder zu einem „normalen“ Fernsehkonsum finden?
Ich denke, die Mediennutzung wird sich mit weiteren Lockerungen von allein einpendeln und normalisieren: Wenn Kindergarten, Vereinssport und das Treffen mit anderen wieder erlaubt ist, wird auch die Lust auf menschliche Nähe, Kontakt, Austausch zunehmen und Antrieb sein. Wichtig ist gerade jetzt, regelmäßig medienfreie Zeiten einzulegen und für ausreichend Pausen und Frischluft zu sorgen. Machen Sie aus Medienzeiten gemeinsame Medienerlebnisse: Es macht Spaß, sich auf die Medienwelten von Kindern einzulassen! Man erfährt, was sie denken, erleben und was sie bewegt. Und weil immer nur von Konsum geredet wird: Medien können mehr als nur Abspielgerät sein! Kinder können zum Beispiel auch eigene Videos drehen. Das fördert die Medienkompetenz und regt gleichzeitig die Fantasie an.

Welche guten Alternativen gibt es für die Kleinen?
Alters- und kindangemessene Bücher und Hörangebote sind immer gut. Sie haben den Vorteil, dass jüngere Kinder sie zum Teil auch selbst steuern können: die CD anhalten, weil eine Stelle nochmal gehört werden will, das Buch zurückblättern, weil etwas übersehen wurde. Vor und zurück, so lange, bis etwas verstanden oder verarbeitet wurde. Das Tempo liegt sozusagen in der Hand der Kinder.

Nadine Kloos ist Medienpädagogin beim Elternratgeber „Flimmo“, der Angebote im TV, auf YouTube und bei Streamingdiensten einordnet und bewertet.

Interview: Ruth Korte

Das Interview ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

„Lügt mein Kind?“ Wenn Kinder Dinge sagen, die nicht stimmen

Wie groß ist die Freude bei Eltern über das erste Wort, die ersten Sätze und die ersten Geschichten, die ihr Kind erzählt. Doch wenn es irgendwann anfängt, an unwahren Erzählungen festzuhalten, sind Eltern irritiert, wenn nicht sogar erschrocken. Schnell fallen ihnen dann Sprüche wie „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, „Lügen habe kurze Beine“ oder das biblische Gebot „Du sollst nicht lügen“ ein. Doch sind die Fantasie-Erzählungen der Kinder wirklich Lügen, die man dem Kind ausreden, verbieten oder die man gar bestrafen sollte?

Nicht jede „Lüge“ ist eine Lüge

Lügen bedeutet, bewusst und vorsätzlich die Unwahrheit zu sagen, um daraus einen Vorteil zu ziehen. Was Kinder im Alter bis etwa sieben Jahre als verfälschte Realität äußern, ist jedoch selten wirklich eine Lüge. Bis etwa zur Einschulung befinden sie sich auf der Entwicklungsstufe des „magischen Denkens“. In dieser Stufe wird oft Traum und Wirklichkeit, Fantasie und Wahrheit vertauscht. Kinder können noch schwer unterscheiden zwischen dem, was sie in der Wirklichkeit sehen und hören, und dem, was sie sich darunter vorstellen und sich dazu ausdenken.
Sie erfinden Geschichten und erleben Tagträume als echt. Figuren in Bilderbüchern und Filmen existieren für sie in der Wirklichkeit, und so manche Geschichte wird in der Kinderfantasie noch weiter ausgeschmückt und in die Realität geholt. Das zeigt übrigens auch, welch große Verantwortung Eltern gerade in dieser Zeit für die Medienauswahl ihrer Kinder haben. Auch das Zeitgefühl ist in diesem Alter noch nicht ausgeprägt, sodass Kinder Erlebnisse durcheinanderbringen oder ausschmücken.
Mit zunehmendem Alter fangen Kinder an, realitätsbezogen und sachlich logisch zu denken und sich auch dementsprechend zu äußern. Ungefähr ab dem achten Lebensjahr wird Ihr Kind zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Vorstellung und Wahrnehmung unterscheiden können. Dann braucht es durchaus Hinweise und Ermahnungen, wenn es die Unwahrheit erzählt. Um sich mit seiner Umwelt erfolgreich auseinanderzusetzen, muss ein Kind mit der Zeit also lernen, diese so wahrzunehmen, wie sie in Wirklichkeit ist, und nicht so, wie es sie für sich haben möchte.

Atmosphäre der Ehrlichkeit

Die wichtigste Lernhilfe sind dabei die Eltern. Von klein auf orientieren sich Kinder an ihrem Vorbild. Deshalb versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können. Seien Sie ehrlich und offen zu ihrem Kind und anderen Familienmitgliedern. Beantworten Sie Fragen Ihres Kindes wahrheitsgemäß. Spielen sie eigene Notlügen nicht herunter. Entschuldigen Sie sich im Beisein des Kindes für Lügen. Sprechen Sie mit dem Kind über die negativen Auswirkungen von Lügen. Greifen Sie ein, wenn Ihr Kind vorsätzlich um des eigenen Vorteils willen lügt.
Wenn Ihr Kind in einer Atmosphäre der Offenheit und Ehrlichkeit aufwächst, wird es auch nach der Phase des magischen Denkens offen und ehrlich sein und lernen, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden.

Margrit Dietze ist Erzieherin und Autorin für pädagogische Bücher und Artikel, Kinderlieder und Musicals.

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Musik-Playliste für ein ruhiges Kinder-Herz

„Schä nä pahl pa fronsä, aber bidde red weida …!“ So tönt es leidenschaftlich aus dem Mund meines Sohnes, als wir Hand in Hand vom Kindergarten nach Hause laufen. Ich liebe sein Kinderstimmchen. Und auch das Lied macht gute Laune. Ob er eine Ahnung hat, worüber Namika da singt?

Musik ist wie ein Weg nach innen. Wenn mich Musik nach innen führt, spüre ich, ob da Wut im Bauch ist oder doch nur Schmetterlinge. Ich spüre, ob mir die Angst den Magen zuschnürt. Oder ist es die Aufregung vor dem nächsten Tag? Musik ist aber auch wie ein Weg nach außen. Sie öffnet eine Tür für meine Gefühle und hilft mir mich auszudrücken.

Wie geht es dir mit Musik? Was hörst du gern? Und welche Musik hört dein Kind?

Positiver Effekt

Da gibt es die „Atemlos“-Fraktion, die alles aufschnappt, was bei Oma so im Radio läuft. Dann gibt es die Lobpreiser, die sonntags nicht nah genug vor der Bühne sitzen können. Kinder hören, was wir ihnen anbieten. Vielleicht ist dir das schon lange bewusst und Mozart hat bereits deinen Uterus beschallt?!

Es gibt einen positiven inneren Effekt, den Musik bei Kindern bewirken kann. Mein Sohn ist zum Beispiel ein sensibler Gedanken-Spaziergänger, vorzüglich wenn er abends im Bett liegt. Am Abend werden die Eindrücke des Tages noch einmal sortiert und der morgige Tag wirft seine emotionalen Schatten voraus. Manchmal habe ich den Eindruck, mein Kind verläuft sich regelrecht in seinen Gedanken, wie in einem Irrgarten. Als seine Mama kann ich seine Gedankenspaziergänge positiv beeinflussen, indem ich meinem Sohn Musik anbiete, die seine Gedanken an die Hand nimmt und sie zu Gott bringt.

Aktuelle Lieblingslieder

Ich habe immer eine Einschlaf-Playliste mit den aktuellen Lieblingsliedern auf dem Handy. Es sind Lieder, die sich bei uns als positiv bewährt haben. Die Lieder wechseln im Laufe der Zeit. Vor einiger Zeit spielten wir zum Beispiel „Das war mein Tag, der war so toll“ von Rolf Zuckowski und seine Freunde und „Spar dir deine Sorgen und mach dir keinen Kopf“ von Mike Müllerbauer.

Aktuell sind die Lieder „Großes Herz“ von Ilka Mix und „Der mein Herz regiert“ von Urban Life Worship hoch im Kurs.

Namika hat es zwar auch mal in die Top-Playlist geschafft, wurde dann aber von Veronika Lohmer und Markus Fackler verdrängt.

Ich empfinde die Musik, die ich meinem Kind anbiete, als eine wunderbare Möglichkeit, Gutes in ihm zu bestärken und sein Herz für die Gegenwart Gottes zu sensibilisieren. Ja, Jesus ist hier im Kinderzimmer. Und ich spüre, wie auch meine abendlichen Gedankenspaziergänge dankbar den Weg von Mike Müllerbauer einschlagen, wenn er singt:

„Spar dir deine Sorgen und mach dir keinen Kopf,

zack zack, pack sie rein in einen Topf.

Dann lauf damit zu Jesus, er wartet schon auf dich:

Gib mir deinen Sorgentopf, ich lass dich nicht im Stich.“

Ich wünsche dir und einen Kindern viele kostbare Musik-Entdeckungen. Schaut euch um, das Angebot wird immer größer und vielseitiger. Ein Genuss.

Mit lieben Grüßen,

Johanna Walter

Johanna Walter liebt ihren Mann und ihre drei Kinder. Sie ist Sozial- & Religionspädagogin, Musikerin und Autorin. www.johannawalter.de

 

Hier findest du die im Text erwähnten und weitere Künstler, die kindgerechte Musik machen:

Mike Müllerbauer: www.muellerbauer.de/

Daniel Kallauch: www.danielkallauch.de

Uwe Lal: www.uwelal.de

Rolf Zuckowski: www.musik-fuer-dich.de

Ilka Mix: www.ilkamix.de

Urban Life Worship: www.urbanlifechurch.de

Veronika Lohmer: www.veronikalohmer.de

 

Corona – wie prägen wir unsere Kinder?

Ich erinnere mich noch an den Kinderfastnachtsumzug im Februar – eine Zeit, in der das Corona-Virus vermeintlich noch auf einem anderen Kontinent dominierte. Die Klasse meiner Töchter sollte einheitlich beim Umzug mitlaufen und ich war mittendrin, einen Kinderwagen voller Süßigkeiten durch die Gassen schiebend. Während ich mich unter der pinken Perücke kratzte, bekam ich auf einem Ohr mit, wie ein Mädchen, acht 8 Jahre alt, plötzlich rief: „Vorsicht, ein Chinese! Corona!“ Leichte Verunsicherung der Kinder um sie herum. Doch da schob sie sich schon lachend das nächste Bonbon in den Mund. Den anderen Kindern war Corona noch kein Begriff und mit vor Zuckermasse verklebten Zähnen, konnten sie auch keine vernehmlichen Rückfragen stellen. Interessant, dachte ich bei mir. Dieses Mädchen übernahm in den kommenden Wochen vermutlich die Aufklärung der gesamten Grundschule. Auf eine recht dramatisch-emotionale und weniger sachliche Art und Weise. Man rekonstruiert gedanklich natürlich sofort die familiäre Kommunikation, die das Mädchen prägt.

Prägende Zeit

Wie möchte ich meine Kinder prägen in dieser Zeit, die stark beeinflusst wird von den drastischen Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung einer Ansteckung mit dem Corona-Virus? Eine Zeit, in der man Angst hat verpfiffen zu werden, wenn man auf der Straße Freunde trifft und überglücklich ein paar Worte wechselt. Eine Zeit, in der man als Familie angepöbelt wird, dass man nur zu zweit unterwegs sein darf. Ich bin sicher, jeder hat seine eigenen kuriosen Corona-Geschichten. Schreibt sie auf, für eure Enkel.

Meine Pandemie-Angst-Phase hatte ich bereits Ende Februar, daher war der Lockdown im April emotional kein großer Schuh für mich. Ich hatte mich innerlich schon überwiegend eingependelt auf „Gottvertrauen“ und „Dankbar-weiter-leben“. Und so war für mich schnell klar: Für meine Kinder möchte ich das Beste aus dieser Zeit rausholen. Meine Kinder lernen jetzt hautnah an meinem Vorbild, wie ich mit einem angstbesetzen Thema wie Corona umgehe. Eine tolle Chance! Sie sollen sich insgesamt an eine gute „Corona-Zeit“ erinnern.

Also haben wir erstmal unseren Eis-Vorrat aufgestockt, die Zimmer nach Lust und Laune umgestellt, Balkon-Konzerte veranstaltet, Postkarten geschrieben, unzählige Abenteuer-Ausflüge in die Natur unternommen, neue Spiele besorgt und Kino-Abende veranstaltet. Wir haben den Corona-Live-Ticker blockiert und in den gesetzten Grenzen gefeiert — nach dem Motto: Kreativität gegen Bore-Out. Dankbar für jeden gesunden Tag.

Muttersein gehört fett unterstrichen

Wobei ja der Begriff Bore-Out (Gegenteil von Burn-Out) bei Eltern – und insbesondere bei Müttern — nur für ein müdes Lächeln sorgen kann. Ich denke vor allem an meine Freundinnen, die berufstätig sind und aktuell die völlig wahnsinnige Aufgabe haben, Home-Office und Home-Schooling unter einen Hut zu bringen. Es klingt ja eigentlich wie das perfekte Paar. Ich denke an meine Freundinnen, die um ihren Job fürchten müssen. An Freundinnen mit einem Einzelkind, dem die Spielpartner gesetzlich gestrichen wurden. Für manche Familien ist es schwerer, Gutes aus dieser Corona-Zeit zu schaffen.

Und, by the way, „Home“ klingt auch nicht mehr nach dem, was es mal war, wenn man plötzlich Mutter, Spielpartnerin, Lehrerin zugleich ist, während die Zoom-Konferenz auf mute mitläuft. Kochen, putzen, waschen, wischen, einkaufen on top. Ich finde Muttersein gehört mal wieder fett unterstrichen und durchbuchstabiert. Ohne Mutti läuft der Laden nicht!

Wenn du zu den glücklichen Familien gehörst, bei denen der Laden läuft, kannst du vielleicht mit deinen Spuren zu guten Erinnerungen an diese Zeit beitragen. Gerade in dieser Zeit. Gerade im Leben von Kindern, denen maximale Hygiene-Standards eingeprägt werden, soziale Distanz, Abstands-Regeln, Vorsicht, Unsicherheit. Lasst uns Räume öffnen, in denen Kinder Kinder sein dürfen. Ist es nicht so, dass wir mit Bewunderung auf Menschen in der Geschichte schauen, deren Menschlichkeit sich nicht hinter Angst versteckt hat. Wo liegen unsere Möglichkeiten? Was ist unser höchstes Gut?

Machen wir das Beste draus.

Ich wünsche euch noch eine gute Mischung an Lebensfreude, Geduld und kreativen Lösungen für Krisenzeiten.

Johanna Walter

Johanna Walter liebt ihren Mann und ihre drei Kinder. Sie ist Sozial- & Religionspädagogin, Musikerin und Autorin. www.johannawalter.de

„Unsere Bekannten schlagen ihre Kinder! Was kann ich tun?“

Zunächst einmal möchte ich Sie in Ihrer Aufmerksamkeit für Ihr Umfeld bestärken. Kinder und Jugendliche sind darauf angewiesen, dass die Gesellschaft genau hinschaut, wenn ihnen Gewalt angetan wird. Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Es ist verboten, Kinder zu schlagen.* Dazu gehören übrigens auch der berühmte „Klaps auf den Hintern“ oder die „Backpfeife“. Dabei handelt es sich nicht um harmlose Erziehungsmaßnahmen, sondern um Gewalt.

Eltern müssen aufgeklärt werden

Dass Eltern ihren Kindern Gewalt antun, hat mannigfaltige Ursachen. Manch einer weiß gar nicht, dass er Unrecht begeht, wenn ihm „die Hand ausrutscht“. Hier ist Aufklärung notwendig!

Gleichzeitig entsteht Gewalt zumeist dann, wenn Eltern sich nicht anders zu helfen wissen. Kinder können in manchen Entwicklungsphasen sehr fordernd, für manche überfordernd sein. Wer Stress und Sorgen im Job hat, verliert nach einem langen Arbeitstag vielleicht schnell die Geduld, wenn das Kind zu Hause nicht das tut, was es soll. Auch Konflikte in der Partnerschaft können belasten. Ich bin sicher: Niemand schlägt sein Kind mit reinem Gewissen.

Was Sie tun können

Suchen Sie bei einer guten Gelegenheit das Gespräch mit den Bekannten. Machen Sie deutlich, dass Schläge inakzeptabel sind und das Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und ihren Kindern zerstören. Vielleicht ergründen Sie, warum die Kinder gewaltvoll gezwungen werden, zu „gehorchen“. Bieten Sie Ihre Hilfe an oder machen Sie auf Hilfsangebote aufmerksam. Bei den Elternkursen des Kinderschutzbundes „Starke Eltern – Starke Kinder“ beispielsweise lernen Eltern, mit konfliktbehafteten Situationen anders umzugehen als mit Gewalt. Und sie lernen, dass in der Erziehung das „Gehorchen“ der Kinder nicht an allererster Stelle stehen sollte.

Sind die Eltern nicht zugänglich und reagieren abweisend, informieren Sie das Jugendamt. Das ist auch anonym möglich. Und immer gilt: Sollten Sie das Gefühl haben, dass die Kinder sich in akuter Gefahr befinden, verständigen Sie die Polizei. In so einer Situation können Sie nichts falsch machen – außer, gar nicht zu handeln.

Cordula Lasner-Tietze ist Bundesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes. Sie hat selbst Elternkurse im Rahmen von „Starke Eltern – Starke Kinder“ geleitet und Trainer*innen ausgebildet.

* In Deutschland und Österreich ist das Recht der Kinder auf gewaltfreie Erziehung gesetzlich festgelegt, das Schlagen von Kindern somit strafbar. In der Schweiz fehlt (noch) ein klare gesetzliche Regelung.

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Ideen für Kinder in Corona-Zeiten

Liebe Eltern, wir haben für euch Ideen gesammelt, wie ihr in den nächsten Wochen mit euren Kindern Kinder-Gottesdienst feiern könnt, neue Lieder üben könnt, oder eure Kids einfach sinnvoll beschäftigen könnt.

Schaut doch mal auf der Website vom Bund Freier evangelischer Gemeinden auf www.kinder.feg.de vorbei (direkt auf der Startseite nach unten scrollen). Dort gibt es zum Beispiel Vorschläge für Mini-Oster-Familiengottesdienste zu Hause.

Unsere Autorin Anke Kallauch und ihr Mann Daniel stellen unter anderem ein Kapitel aus ihrem Buch „Wenn Familien beten“ zum Download zur Verfügung. Damit kann man auch Gottesdienst zu Hause feiern. Weitere Gottesdienstentwürfe und digitale Angebote für Kinder findet ihr auf www.kindergottesdienst.nordkirche.de und kindergottesdienst-westfalen.ekvw.de. Und auf Youtube gibt es nun jeden Sonntag einen Online Kindergottesdienst von ein paar Karlsruher Kirchengemeinden sowie Godly-Play-Videos der Ev.-Luth. Michaelis-Friedenskirchgemeinde Leipzig.

Statt Kinderkonzerten können Kinder nun jeden Tag mit Uwe Lal ein neues Lied lernen. Dazu gibt es jeden Tag ein Video von Ihm auf Youtube

Außerdem ist nun die BLB-othek online, das digitale Angebot des Bibellesebundes. Hier gibt es u.a. E-Books oder Hörbücher für Kinder und einen Kurzfilm vom „Schlunz“.

Und falls ihr sonst einfach tolle Ideen für die Quarantäne-Zeit sucht, schaut mal bei Quarantäne Kids vorbei. Da gibt´s jeden Tag tolle Spiel- und Bastel-Ideen. Auf der Webseite von Ravensburger gibt es ebenfalls Ideen, um die Familienzeit zu Hause kreativ zu gestalten.

Herzliche Grüße aus der Family FIPS-Redaktion!

 

Mein Sohn trägt pink!

„Mein mittlerer Sohn (4) wünschst sich rosafarbene und glitzernde Playmobilfiguren aus dem ‚Feenwald‘ und eine pinke Winterjacke. Sollten wir das als Eltern unterstützen oder setzen wir ihn damit Mobbing aus?“

Wenn Jungs sich für Dinge interessieren, die in unserer Gesellschaft eher mit Mädchen in Verbindung gebracht werden, machen Eltern sich schnell Sorgen. Während Mädchen in solchen Fragen ein breiterer Rahmen zugestanden wird und beispielsweise kurze Haare, Interesse an Fußball oder Autos akzeptiert werden, sind die Grenzen für Jungs eng gesteckt. Meistens handelt es sich bei gesteigertem Interesse an Sachen, die eher das andere Geschlecht mag, jedoch nur um eine Phase. Nur in sehr seltenen Fällen ist das in diesem Alter schon ein Hinweis auf eine Transidentität, also eine Abweichung der Identität vom sichtbaren Geschlecht.

Es ist nur eine Farbe

Wichtig ist, dass Sie die Wünsche Ihres Kindes ernst nehmen und Ihren Sohn unterstützen. Im Grunde sind pink und rosa nichts anderes als Farben. Der Unterschied ist nur, dass diese Farben und die von Ihnen angesprochenen Spielsachen bei uns hauptsächlich Mädchen mögen. Das macht sie aber nicht automatisch zu Mädchenspielzeug oder -farben. Rosa zum Beispiel galt in einigen Epochen als Farbe für Jungs. Es war nämlich das kleine Rot, Farbe des Blutes und des Kampfes und stand für heranwachsende Männlichkeit.

Die Vorlieben für Farben und Spielsachen haben also viel mit der Gesellschaft zu tun, in der Kinder aufwachsen. Deshalb können Sie auch davon ausgehen, dass die Vorlieben Ihres Sohnes sich in den nächsten Jahren von allein verändern werden. Er kommt gerade in eine Entwicklungsphase, in der er sich mehr und mehr als Junge wahrnehmen wird und zu Gruppen dazugehören möchte. Das wird sich irgendwann auch in seiner Kleiderwahl und seinen Vorlieben beim Spielen bemerkbar machen.

Rückhalt geben

Bis dahin stehen Sie ihm zur Seite. Es kann sein, dass er im Kindergarten aufgrund seiner Vorlieben geärgert wird. Wichtig ist, dass Sie ihm dann nicht das Gefühl geben, an seiner Lage selbst schuld zu sein. Sätze wie: „Zieh halt eine andere Jacke an, dann lassen sie dich in Ruhe“ ändern nichts an seinen Vorlieben, sondern geben ihm das Gefühl, nicht richtig zu sein. Bestärken sie ihn in dem Gedanken, dass Farben und Spielsachen für alle da sind und er rosa tragen darf. Falls Sie dafür offen sind, kann es helfen, wenn der Papa mal mit einem pinken Hemd oder einem rosafarbenen Schal zur Kita kommt und so zeigt, dass auch erwachsene Männer solche Farben tragen. Holen Sie auch das Kitapersonal mit ins Boot, sodass solche Themen auch in der Gruppe oder beim Elternabend besprochen werden können, falls Probleme auftreten.

Gerade beim Thema Mobbing ist es zudem leider so, dass Sie Ihr Kind nicht umfassend schützen können. Heute ist es vielleicht das glitzernde Einhorn, es könnte aber genauso etwas anderes sein. Es ist gut, wenn Kinder in solchen Fällen schon früh merken, dass sie unseren bedingungslosen Rückhalt haben. Ein liebevolles Zuhause, in dem Kinder gesehen und angenommen werden, bietet das beste Rüstzeug. Nur Mut!

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern- und Familienberaterin. Sie bloggt unter www.eltern-familie.de

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Wie Kinder trauern. Oder auch nicht.

Trauer kommt in Wellen. Bei Kindern und Erwachsenen. Sie überrollt einen ganz überraschend. Wenn es Gerüche, Geräusche, Bilder oder Musik gibt, die einen erinnern. An den Menschen, den man geliebt hat, und der jetzt tot ist. Diese Erinnerungen lösen Gefühle aus. Nicht nur Traurigkeit. Auch Wut. Weil der geliebte Mensch nicht mehr da ist. Ungläubigkeit. Weil diese Lücke so unbegreiflich ist. Eine Mischung aus all dem. Es schmeißt uns um, und wir erkennen uns selbst oft nicht wieder, in dieser Welle. Wir versuchen, Orientierung zu erlangen, wieder neuen Boden unter den Füßen zu bekommen.

Kindern geht es genauso. Aber ihre Wellen sind kleiner und schneller. Eher wie Pfützen. Sie springen in die Trauer hinein. Fühlen. Fragen. Und springen gleich wieder heraus. Deshalb sprechen sie oft ohne Vorwarnung über den Tod. Was Erwachsene oft überrumpelt. Und kaum hat man sich innerlich auf das Thema eingestellt, ist das Kind schon wieder raus gehüpft aus der Trauer.

Trauern dürfen im eigenen Stil

Wie ein Kind trauert, ist auch von der Persönlichkeit abhängig. Ein introvertiertes Kind macht mehr mit sich selbst aus und sucht seine Ausdrucksmöglichkeit in leisen Aktionen wie Malen oder Musik. Ein extrovertiertes Kind erzählt es jedem, egal, ob man es hören will. Zumindest wenn man es lässt. Das wiederum hängt mit der Familienstruktur zusammen. Jede Familie hat eigene unausgesprochene Regeln und Werte. Und die prägen auch die Trauer.

Genauso wie bei Erwachsenen gibt es keine Norm, wie ein Kind trauert. Es gibt kein gut oder schlecht. Wichtig ist nur, dass ein Kind überhaupt die Möglichkeit hat, seiner Trauer Ausdruck zu verleihen.

Scheinbar unsichtbare Trauer

Andererseits können Erwachsene keine Tränenausbrüche von Kindern erwarten. Trauer ist auch immer bindungsabhängig. Ich hatte etwa zu einer Oma eine enge Beziehung. Als sie gestorben ist, war ich erschüttert. Nachdem meine andere Oma starb, war ich zwar traurig, aber längst nicht so betroffen. Weil wir nicht so stark miteinander verbunden waren. Wie tief der Tod ein Kind trifft, hängt immer damit zusammen, wie nahe es der Person stand.

„Warum weinst du denn gar nicht? Dein Papa ist doch gestorben!“, hätte man meine Tochter vor fast zwei Jahren fragen können. Denn sie hat kaum eine Träne vergossen, nachdem ihr Vater Suizid begangen hat. Das lag allerdings nicht an der fehlenden Bindung zu ihm, sondern an ihrem Alter. Sie war erst drei. Nach dem Tod ihres Vaters hat sie weiter gespielt wie immer. Aber sie hat schlecht geschlafen. Und ihr tat der Fuß weh. Weil Kinder in diesem Alter ihre Gefühle noch nicht gut benennen können, drücken sie diese anders aus. Durch den Körper. Oder durch Malen.

Heute, als Fünfjährige, fragt sie gezielt, was ein Suizid eigentlich ist. Je nach Alter und Entwicklungsstand wird immer wieder neu getrauert und dem Tod ein anderes Gesicht gegeben. Heute kann sie sagen, dass ihr bei der Bestattung ihres Papas innerlich so kalt war. Dass sie in ihrer Seele gefroren hat. Heute, nachdem ihr Opa gestorben ist, kann sie sagen: „Ich bin traurig, dass Opa nicht mehr da ist. Aber auch wütend. Der hätte mal besser nicht so viel geraucht!“

Aktiv trauern

Damit Kinder sich trauen zu trauern, müssen auch wir Erwachsene unseren Weg mit der Trauer finden. Es ist nicht immer einfach, sowohl den eigenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und die des Kindes zu respektieren. Ich habe meine Trauer um meinen Mann meiner Tochter gegenüber nicht versteckt. Aber ich habe ihr auch nicht alles zugemutet. Wenn ich gespürt habe, da kommt jetzt nicht nur eine Trauerwelle, sondern ein ganzer Tsunami, habe ich sie mit etwas beschäftigt oder einer sicheren Person anvertraut. Nach so einem Trauer-Tsunami fühlt man sich wie erschlagen. Wenn dann meine Tochter ausgerechnet noch einen Brief an ihren toten Papa schreiben möchte, geht das ganz schön an die Substanz. Doch es lohnt sich. Weil wir mit jeder Welle dem Festland näher kommen.

Wir können auch mit der Welle surfen. Trauer aktiv gestalten. Meine Tochter hat die Urne für die Seebestattung ihres Papas verziert. Als jetzt ihr Opa gestorben ist, war es ihre Idee, drei Blumen für seine Waldbestattung auszusuchen: „Eine rote für die Liebe, eine weiße für die Seele und eine gelbe für die Sonne.“ Kreativität hilft beim Verarbeiten. Und die schönen Erinnerungen zu bewahren und zu feiern. Wir haben zum Beispiel einen Koffer mit Gegenständen und Fotos von ihrem Vater, den sie jederzeit ansehen und neu füllen kann.

Einen neuen Platz finden

Nicht nur in unserem Leben verändert sich etwas, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Auch der Verstorbene braucht einen neuen Platz. Einen Ort, wo wir ihn gut aufgehoben wissen. Der christliche Glaube bietet uns die Möglichkeit, ihm eine himmlische Heimat zu geben. Zu wissen, dass geliebte Menschen nun nicht mehr leiden und es ihnen in der unmittelbaren Nähe Gottes gutgeht, hilft beim Loslassen und der Neuausrichtung des eigenen Lebens.

Kinder haben vom Himmel oft eine ganz eigene Vorstellung. Meine Tochter hatte je nach Alter unterschiedliche Ansichten, wo Papa Markus jetzt ist. Mal war es eine Wolke, dann hat er das rote Auto mitgenommen in den Himmel, aktuell feiert er mit Opa und anderen Verstorbenen eine Party, bei der sie essen und trinken können, ohne dass sie davon krank werden. Ihr aus theologischen Überlegungen diese Vorstellung zu rauben oder sie zu korrigieren, würde sie sehr verunsichern. Wer weiß schließlich auch, wie es wirklich im Himmel ist?

Nicole Schenderlein ist Journalistin und Projektleiterin von „Blattwenden“ – ein Angebot für Suizidhinterbliebene: www.green-woman.de

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Buchtipps:

Martina Baumbach und Verena Körting: Nie mehr Wolkengucken mit Opa? (Gabriel) – ein Bilderbuch für kleinere Kinder mit Tipps für Eltern im Anhang

 

Gabriele Schmidt-Klering: Mit Kindern gemeinsam trauern (Reinhardt) – ein kompakter und gut verständlicher Ratgeber für Erwachsene

 

Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe (Kunstmann) – kleines Bilderbuch für Kinder und Erwachsene, das die Angst vor dem Tod nimmt

 

„Mir ist langweilig!“ – Wie Kinder ihre Gefühle ausdrücken

„Mir ist langweilig – ich will sterben.“ Mit diesen Worten überraschte mich mein fünfjähriger Sohn. Ich wusste nicht, ob ich lachen, schimpfen oder heulen wollte. Also habe ich erst einmal weitergeatmet und bin der Situation näher auf den Grund gegangen.

Natürlich wundere ich mich als Mama, wenn mein Sohn in seinem liebevoll gestalteten Zimmer mit diversen Spiel-Optionen sitzt und von Langeweile spricht. Was bedeutet Langeweile? Kinder gebrauchen zwar Worte aus unserem Wortschatz, füllen sie jedoch manchmal mit einem ganz anderen Inhalt. Denn für manche Empfindungen fehlen ihnen noch die passenden Worte. So bedienen sie sich der Ausdrücke, die sie bereits kennen.

Zu wenig Entertainment?

Wir kennen Langeweile als ein Gefühl der Eintönigkeit und als einen Mangel an Anregung. Natürlich kann ein Kind diese Langeweile empfinden. Es sitzt da und weiß nichts mit sich anzufangen. Keine Geschwister, Großeltern oder Medien sind zum Entertainment da. Das ist super! Kinderpsychologen finden, die Kinder sollten sich viel mehr langweilen dürfen, denn daraus schöpfen sie die kreativsten Spielideen. Eltern mögen ihren Kindern Zeiten der langen Weile gönnen, sodass Kinder eigene Spiele, eigene Kreativität entwickeln. Wer immer nur von außen bespielt, beschult, und berieselt wird, der hat keine Zeit, das Fenster zur eigenen inneren Welt zu öffnen.

Langeweile oder Überforderung?

Die Langweile, die mein Sohn zum Ausdruck brachte, war jedoch anderer Natur. Als wir uns über die schreckliche Langeweile seines kleinen Lebens unterhielten, merkte ich, dass mein Sohn überfordert war. Scheinbar beschäftigten ihn allerlei Eindrücke aus dem Kindergarten. Ängste und Sorgen hatten sich zu einem Gewitter im Kinderkopf zusammengebraut und überreizten die Nerven. „Langeweile“ war zu einem Synonym für „Überforderung“ geworden. Der Nachsatz „Ich will sterben“ war in dieser Überforderung der Hilferuf: „Ich komm gerade mit mir selbst nicht zurecht. Ich kriege mich nicht sortiert und kann nicht beschreiben, was ich fühle. Ich möchte aus der Situation raustreten und weg sein.“

Da sind die Erste-Hilfe-Maßnahmen: Kuscheln, Zeit nehmen und reden, reden, reden. Wie gut, wenn wir unseren Kindern helfen können, sich selbst zu sortieren. Wie dumm wäre es von mir gewesen zu antworten: „Stell dich nicht so an. Dein Zimmer ist voller Kram zum Spielen. Andere Kinder haben gar keine Spielsachen. Es kommt alles in den Keller.“ Das wäre definitiv keine Hilfe gewesen, war aber mein erster Gedanke.

Als Eltern sind wir immer wieder herausgefordert genau hinzuhören und unseren Kindern Zeit zu schenken. Vielleicht kann man sich auch mal zusammen langweilen, die Fenster zur inneren Welt öffnen und staunen was passiert.

Ihre Johanna Walter

Johanna Walter liebt ihren Mann und ihre drei Kinder. Sie ist Sozial- & Religionspädagogin, Musikerin und Autorin. www.johannawalter.de