Unser Kind ist schon 3 – wie werden wir den Schnuller los?

Der Schnuller gehört zum Alltag vieler Kinder. Ein Baby hat das Bedürfnis zu saugen, das man ruhig unterstützen kann, denn das Saugen – an der Brust oder an einem Schnuller – trainiert nicht nur Muskelfunktion, Kiefer und Gebiss, sondern beruhigt das Baby auch. Mit den ersten Milchzähnen löst der Kaureflex den Saugreflex ab. Bereits am Ende des ersten Lebensjahres wäre also ein guter Zeitpunkt, dem Kind den Schnuller abzugewöhnen.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind!

Ihr Kind trägt den Schnuller nun schon viel länger – und das wahrscheinlich aus gutem Grund. Oft ist der Schnuller auch für die Eltern ein Instrument, das „in Not“ hilft, von Unruhe befreit. Es ist die „kleine Sicherheit“. Wenn Eltern den Schnuller ungern weglassen, spürt das Kind es. Wie soll es sich vom Schnuller verabschieden, wenn es in Ihnen die Angst vor dem Loslassen fühlt? Umso wichtiger ist es, dass erst einmal Sie Entschlossenheit und Natürlichkeit zu diesem Thema finden. Lösen Sie sich zunächst selbst von der Schnuller-Zeit. Inkonsequenz und Unsicherheit ziehen die Abgewöhnungsphase unnötig in die Länge und verunsichern das Kind.

Wenn Sie so weit sind, suchen Sie einen Zeitraum für die Abgewöhnungsphase von etwa drei Wochen. Sprechen Sie auch mit ihrem Kind über das Thema. Manchmal wirkt es so, als würden Kinder nicht verstehen oder abblocken, weil sie woanders hinsehen oder etwas antworten, das nicht zum Thema passt. Wenn Ihr Kind jedoch beiläufig beginnt, Fragen zu stellen, im Spiel darüber redet, merken Sie, wie Sie Vorarbeit leisten. Hilfreich kann auch die neutrale gemeinsame Beobachtung von erwachsenen Vorbildern oder Alltagshelden der Kinder sein, wie die Polizistin oder der Müllmann, und die Feststellung, dass sie keine Schnuller tragen.

Schnuller nicht einfach wegwerfen

Unterschätzen Sie nicht die emotionale Bindung, die Ihr Kind bereits zum Schnuller hat. Er gehört zur Wirklichkeit des Kindes, der Gewohnheitsfaktor ist entsprechend hoch, aber auch die Sicherheit und Verbundenheit zu ihm. Es ist deshalb nicht ratsam, den Schnuller achtlos wegzuschmeißen. Schmieden Sie einen Plan, der zu ihnen als Familie passt. Stärken Sie den eigenen Willen des Kindes, sich auf die Neuerung einzulassen und unterstützen Sie so die Loslösung. Neben der Schnullerfee, dem Vergraben des Schnullers im Garten, um zu sehen, ob ein Schnullerbaum wächst oder dem Verschenken des Schnullers an fiktive oder echte andere Babys gibt es viele Ideen, die Kindern und Erwachsenen dabei helfen, den Weg in die Schnuller-Freiheit zu finden.

Kinder, die der Logik sehr verbunden sind, kann es aber auch helfen, wenn sie den Schnuller zu einem selbstgewählten Zeitpunkt allein mit einer Schere zerschneiden. Sie werfen ihn selbst weg und wissen genau, dass der Schnuller nun kaputt und von der Müllabfuhr mitgenommen wird, weil er nicht mehr gebraucht wird. Bleiben Sie in jedem Fall wohlwollend und liebevoll. So werden Sie Ihr Kind gut in die Schnuller-Freiheit führen.

Irina Kostic ist Kinderkrankenschwester, Autorin und Schulsozialarbeiterin. www.irinakostic.de

Weihnachtliche Glitzerpost

Plätzchen knabbernd und tuschelnd sitzen meine Zwillinge am Wohnzimmertisch. Am Adventskranz flackern schon drei Kerzen. „Die Lea sagt, an Weihnachten klingelt immer das Christkind, verschwindet und lässt Geschenke da“, sagt die Eine und ergänzt mit betont kindlicher Lässigkeit, „aber sie hat genau gesehen, wie ihr Papa geklingelt hat.“

Ich muss mir ein lautes Lachen verkneifen, um mich nicht als ungebetene Zuhörerin zu outen. Weihnachten. Mit Kindern im Haus kehrt ein gewisser Zauber wieder ein. Und wir sind herausgefordert unseren Kindern etwas zu erzählen – über Weihnachten. Überall im Angebot: Märchen, Christkind, Weihnachtsmann. Echt jetzt?

Kinder wollen es wissen. Wirklich wissen. Das ist eure Chance, ein Wunder in ihre Herzen zu legen. Für diese wunderliche Weihnachtsgeschichte von Jesu Geburt brauchen wir definitiv etwas von unserer gottgegebenen Fantasie. Denn diese Geschichte ist geheimnisvoll. Rätselhaft. Genau wie dieser Brief. Der glitzernde, goldene Briefumschlag in unserem Briefkasten. Die Kinder haben ihn am Weihnachtsmorgen herausgefischt und kamen mit blinkenden Augen ins Wohnzimmer gestürzt. Himmelspost! Handgeschrieben! Wir machen es uns gemütlich und ich lese:

Liebe Anna, liebe Jule und lieber Niklas* (Namen geändert)

Ich bin´s, Jesus, das Geburtstagskind! Habt ihr euch auch schon so auf Weihnachten gefreut?

Mit eurem Fest heute, erinnert ihr euch daran, wie ich vor vielen Jahren in einem Stall geboren wurde. Wisst ihr, wie der Ort heißt? Kennt ihr den Namen von meiner Mama und meinem Papa?

Ich habe damals mein Zuhause bei meinem Papa im Himmel verlassen und bin als Baby auf die Erde gekommen – wie du. Ich wollte es genauso machen wie du, um dir zu begegnen. Heute bin ich kein Baby mehr, das in einer Futterkrippe liegt. Heute will ich in deinem Herzen wohnen. Auch wenn du mich nicht sehen kannst, ich bin immer bei dir. Ich hab dich lieb.

Ich freue mich, dass du an mich denkst und heute meinen Geburtstag feierst.

Fröhliche Weihnachten, dein Jesus.

Ich liebe fantastische Geschichten, wenn sie mit ihrer Bildhaftigkeit die komplizierten Dinge so einfach und spürbar mitten in unser Herz katapultieren. Kinder zwischen vier und sieben Jahren erleben eine regelrecht magisch-fantastische Phase. Wunderbar, um die Weihnachtsgeschichte lebendig werden zu lassen. Glitzerpost. Unsere kleine Weihnachts-Tradition. Ein fantasievoller Rahmen für die schönste aller Wahrheiten: „Jesus kommt zu uns!“

Einige Jahre später. Weihnachten. Glitzerpost. Plötzlich tauchen in den Kinderköpfen neue Fragen auf: „Hat Jesus den wirklich mit der Hand geschrieben und hier eingeworfen?“ Ich versuche noch mit einem geheimnisvollen Grinsen und Achselzucken auszuweichen – um nicht zu lügen. Aber keine Chance. Ich schüttle etwas Glitzer ab und entzaubere die fantasievolle Rahmengeschichte. Denn wenn Kinder aus der „Fantasiewelt“ aussteigen wollen, dann brauchen sie ehrliche Antworten von uns. „Kinder, die Idee für den Brief kam von Jesus. Er hat mir seine Gedanken über euch gezeigt und alles was in dem Brief steht, findet ihr auch in eurer Bibel. Der Inhalt des Briefes ist wahr.“ Ich halte inne und das Kind in mir schaut sehnsüchtig zum Himmel und will ihn endlich sehen.

Wunderbare Weihnachten wünsche ich Ihnen.

Ihre Johanna Walter

www.johannawalter.de

Neues aus dem Nachbarbüro

Für Teenager in Ihrem Umfeld, die großen Cousins und Cousinen, gibt’s jetzt die Zeitschrift Teensmag im neuen Look. Teensmag kommt aus demselben Haus wie Family FIPS. Wir haben beim Teensmag-Redakteur Tobias Hambuch nachgefragt.

Warum brauchen Jugendliche Teensmag?

Für Jugendliche in der Phase zwischen Kindsein und Erwachsenwerden scheinen Glaube und Alltag schnell unvereinbar. Hier setzt Teensmag an – mit Artikeln, die mitten ins Leben sprechen und Herausforderungen, die anspornen, den nächsten Schritt zu gehen. Der Fokus liegt dabei auf Tiefgang-Themen wie Sinn, Identität, Selbstwert, Beziehungen, Berufung, Bibel und Gebet. Unsere Autoren weiten die Perspektive und geben Orientierung bei den großen Lebensfragen.

Teensmag gibt es bereits seit 25 Jahren. Was bleibt weiterhin euer Anliegen?

Teensmag will Jugendliche befähigen, ihr Potenzial zu entdecken, sie herausfordern, sich auszuprobieren und ihre Talente einzubringen. Dabei setzen wir bei den Wurzeln an, stärken in der Identität und führen den Jugendlichen vor Augen, dass sie bedingungslos geliebt sind. So begeistern wir sie für einen echten, authentischen Glauben. Die Teensmag macht dabei auch einfach Spaß – dank kniffliger Rätsel und inspirierender Reportagen, genialen DIY-Ideen und Fotostories, die vom Leben erzählen.

Was wird 2020 neu?

In unserer neuen #dailylife-Rubrik werden Teens aus ihrem normal-verrückten Alltag berichten und erzählen, wo sie dort Gott entdecken. In der „Girlz&Boyz“-Rubrik werden ab jetzt typische Fragen von Mädchen und Jungs auf ermutigende Art beantwortet. Und: Eine extra Doppelseite bietet von nun an Kleingruppen-Material, um mit der Jugendgruppe oder dem Hauskreis einen coolen Abend mit Tiefgang zu verbringen. Das alles gibt´s in neuem klaren Design.

Vielen Dank für das Gespräch, Tobias!

Mehr Infos: www.teensmag.net

Kinder brauchen Zutrauen!

Meine Kinderkonzerte stehen unter dem Motto „Mitmach- und Mutmach-Konzerte“. Gerade das „Mutmachen“ ist mir besonders wichtig. Ganz fest soll sich die Botschaft bei meinen kleinen Zuhörern verankern: Du bist etwas Besonderes, ein wertvolles Geschöpf Gottes. Du kannst schon so viel, hast viele Fähigkeiten, auf die du stolz sein kannst. Du wirst noch viele Fähigkeiten in dir entdecken. Und was du jetzt noch nicht kannst, schaffst du vielleicht in ein paar Jahren.

Prägende Jahre

In den ersten Jahren unseres Lebens prägt sich unsere Grundhaltung zu uns selbst und zum Leben. Ich bin davon überzeugt, dass der Grundstock dafür, ob ich ein ängstlicher, unsicherer Erwachsener oder aber ein selbstbewusster, neugieriger, kreativer und positiver Mensch werde, schon in den ersten Lebensjahren gelegt wird. Wenn ich immer wieder hören musste: „Das schaffst du ja doch nicht, lass mich das für dich machen“, dann schleppe ich diese vielen „Neins“ wie Ballast durch mein ganzes Leben. Wenn ich aber erlebt habe, dass meine Mitmenschen und vor allem meine Familie an mich glauben, mir etwas zutrauen und mich bei Schwierigkeiten ermutigen, dann kann ich befreiter und selbstbewusster ins Leben gehen.

Lernen, mit Grenzen umzugehen

Die Kindergartenjahre sind dabei besonders wichtig. Im Kindergarten gibt es noch keinen Leistungsdruck. Ich kann mich ausprobieren, neue Fähigkeiten entdecken. Wenn erst die Schule beginnt, dann steigt damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich an meine Grenzen komme, dass ich erkennen muss, ich kann eben doch nicht alles. Diese Hürden zu überwinden und auch mit unseren Grenzen umgehen zu lernen fällt uns viel leichter, wenn wir schon in frühen Jahren ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln konnten.

Geduld statt schneller Hilfe

Auch wenn das in der Theorie gut klingt, ist es in der Praxis oft nicht einfach. Ein Beispiel? Die Eltern holen ihr Kind aus dem Kindergarten ab. Das Kind versucht, sich die Straßenschuhe anzuziehen und selbst eine Schleife zu binden, was sie in der Gruppe gerade geübt haben. Aber es dauert. Da kommt der Kommentar der Eltern: „Nächstes Mal kaufen wir wieder Schuhe mit Klettverschluss, das geht schneller“. Oder „Lass mich das schnell machen!“ Natürlich meinen wir das nicht böse. Wir wollen unserem Kind helfen, aber es sind trotzdem entmutigende „Neins“. Etwas liebevolle Geduld und einige aufmunternde Worte von uns könnten Wunder bewirken.

Unser Sohn hat eine leichte Spastik, die ihn motorisch einschränkt. Wie oft habe ich meinem damals 10-jährigen Sohn das Nutellabrot geschmiert, weil ich die Sauerei vermeiden wollte, die bei seinen eigenen Versuchen entstand. Aber auch wenn er da seine Schwierigkeiten hatte, kann ich ihm ja nicht sein Leben lang Brote schmieren. Ich musste mich stattdessen bemühen, dass er auch allein gut zurechtkommt. Ermutigende Worte, Geduld und vielleicht ein „griffigeres“ Messer hätten meinem Sohn sicher mehr geholfen als mein Versuch, ihm die Schwierigkeiten abzunehmen.

Uwe Lal ist mit seinen Mitmach- und Mutmachkonzerten auf Tour. Passend zum Beitrag finden Sie seinen Titel „Sag bitte nicht, das kann ich nicht“ unter www.uwelal.de/produkt/wir-kindergartenkinder/

„Das Kind meiner Freundin haut – und sie greift nicht ein!“

Das ist eine heikle Situation. Auf der einen Seite verhält sich das Kind Ihrer Freundin so, dass Sie eingreifen möchten, auf der anderen Seite ist es nicht einfach, in den Verantwortungsbereich einer anderen Mutter einzudringen. Aber Ihr Gefühl, dass man nicht einfach darüber hinwegsehen darf, ist absolut gerechtfertigt.

Das Hauen hat einen Grund

Die Frage, die sich mir als Erstes stellt, ist, warum das Kind andere Kinder schlägt. In der Regel kann man davon ausgehen, dass dieses Hauen nicht einfach nur frech ist, sondern dass ein ungesehenes Bedürfnis oder eine Not dahintersteckt. Vielleicht fühlt sich das Kind mit anderen Kindern gestresst oder ungerecht behandelt? Oder es fühlt sich in einer bestimmten Situation übersehen und erhofft sich mehr Aufmerksamkeit? Nicht selten hat so ein Verhalten auch damit zu tun, dass Kinder selbstbestimmt leben wollen und ihre Gefühle in diesem Alter noch nicht regulieren können, wenn sie an eine Grenze stoßen. Es kann also viele Gründe für solche Reaktionen geben. Deswegen ist es sinnvoll zu überlegen, was die Ursache sein könnte, und sie vorsichtig mit der Mutter zu thematisieren.

Fragen Sie Ihre Freundin auch, warum sie das so laufen lässt. Auch hier können unterschiedliche Gründe vorliegen. Ist es Unsicherheit, Resignation oder Überforderung, unter der sie leidet? Dann ist Ihre Freundin vielleicht sogar dankbar, wenn sie sich austauschen kann und Unterstützung bekommt. Ist es aber Gleichgültigkeit oder eine bewusste Entscheidung für diesen Erziehungsstil, könnte das Gespräch etwas schwieriger oder sogar kontrovers werden. Aber auch dann dürfen Sie klar und liebevoll Ihre Position vertreten und auf den Missstand aufmerksam machen.

Eigene Grenzen klar formulieren

Natürlich ist es nie leicht, andere mit Kritik zu konfrontieren. Aber wenn Sie vorrangig von ihren Empfindungen und Sorgen sprechen, könnte das Gespräch zu einer Haltungsänderung führen. Wie sehr Sie sich selbst in diesen Konflikt investieren möchten und können, hängt sicherlich auch von der Intensität Ihrer Freundschaft ab. Je enger der Kontakt ist und je häufiger sich die Problematik aufdrängt, desto wichtiger ist es, eine Lösung zu finden. Doch letztlich müssen wir uns bewusst machen, dass wir andere Menschen nicht ändern können, wenn sie keine Einsicht haben.

Erleben Sie eine konkrete Situation, in der Sie selbst geschlagen werden, ist es angebracht zu reagieren, auch auf die Gefahr hin, dass das zu einem Konflikt mit der Freundin führt. Wenn Ihre Freundin über das Hauen ihres Kindes hinweggeht, können Sie trotzdem Ihre Grenze klar formulieren: „Stopp, ich möchte nicht, dass du mich haust.“ Diese Rückmeldung braucht das Kind unbedingt. Genauso wichtig ist es, andere Kinder, die gehauen werden, zu schützen und das Kind ihrer Freundin zu begrenzen und aus der Situation zu nehmen. Auch wenn das eigentlich vorrangig die Aufgabe der Mutter wäre, ist es angemessen, sich hier einzumischen, weil es um andere Kinder geht.

Sonja Brocksieper  ist Diplom-Pädagogin und Mitarbeiterin bei Team.F.

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift family erschienen.

Abenteuer im Alltag erleben

Plötzlich fliegt die Toilettentür auf. Im Türrahmen steht er breitbeinig da, mit angriffslustigem Blick: Der kleine Ritter fuchtelt mit seinem silbernen Schwert vor meiner Nase rum und fackelt nicht lange, als er mir den linken Arm absäbelt. Das Leben einer Mutter ist unberechenbar und gefährlich. Und es braucht viel Fantasie, um all die Tage zu überstehen. Ich hatte mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, was ich tun würde, wenn plötzlich ein Ritter mit Schwert vor mir steht, während ich auf dem Klo sitze. Mein Fehler. Seit dem Tag liegt griffbereit neben der Toilette eine selbstgebastelte Lanze.

Kostbare Zeit

Jeder Tag hält neue aufregende Abenteuer bereit, vorausgesetzt, ich bin nicht zu beschäftigt, um sie zu erleben. Vorausgesetzt, ich bin nicht zu erwachsen, um zu staunen. Ja, vorausgesetzt, ich tauche ein in die wunderbare Welt der Kinder und verbringe dort kostbare Zeit mit ihnen. Ist manchmal schwer (geb ich ja zu). Aber bereut hab ich es nie. Wer liegt schon abends seufzend im Bett und denkt: „Ach, hätte ich doch weniger Zeit mit meinen Kindern verbracht“? Im Gegenteil. Also, liebe Mamas, Papas, liebe Erzieherinnen und Erzieher, Kindergottesdienst-Mitarbeitende, einfach alle, die das Privileg haben, mit Kindern Zeit zu verbringen: Feiert gemeinsame Abenteuer. Lasst euch darauf ein.

Fantasie zulassen

Die Kinder werden Augen machen, wenn ihr euch plötzlich in eine brüllende Löwin verwandelt und durch den Garten jagt oder wenn es für die kleinen Saurierbabys plötzlich rotes (Wassermelonen-)Fleisch zum Fraß gibt und sie es mit ihren kleinen Krallen und spitzen Zähnen zerreißen dürfen. Oder wenn ihr euch in euer Hochzeitskleid quetscht und zusammen durchs Wohnzimmer tanzt. Ein unvergleichliches Geschenk liegt darin, mit einem Kind die Gegenwart auszukosten. Sich selbst anzuhalten. Einfach da zu sein. Zu staunen. Zu lieben. Zu genießen. Zu danken. Nur Mut für das wohl größte Abenteuer.

Von Johanna Walter

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift „Kleine Leute – großer Gott“ erschienen.

Kinder und die Fragen des Lebens

Ein laut brüllendes Energiebündel rennt durch unseren Wohnungsflur. Nach mehrmaligem Ermahnen werde auch ich lauter und rufe unserem Sohn genervt zu, dass er endlich etwas leiser spielen soll. Mit gerade mal vier Jahren baut er sich vor mir auf und schreit: „Ich kann nichts dafür. So hat Gott mich eben gemacht!“ Meine Wut ist verflogen und ich muss lachen. Da scheint der Inhalt unseres aktuellen Abendliedes „Wer lässt die Sterne leuchten? – Unser großer Gott!“ zumindest im Groben in diesem kleinen Kinderhirn angekommen zu sein.

Dornen tun weh

Schade, dass nicht alle Lebensfragen so einfach zu beantworten sind. Dass Gott Sonne, Mond und Sterne strahlen lässt, nimmt mir mein Vierjähriger noch kommentarlos ab und das zu vermitteln erscheint mir leicht. Aber wie erkläre ich Kindern, wie Gott auch noch ist? Was er tut und warum er es tut? Oder warum er es nicht tut? Nicht selten ertappe ich mich dabei, an meinen eigenen Antworten zu zweifeln! „Wieso macht Gott denn bitteschön Dornen an die Büsche, Mama? Was soll das denn jetzt!“, schimpft mein Sohn, als wir uns das erste Mal einen Weg durch unseren heiß ersehnten Schrebergarten bahnen. Es sollte ein großartiges Erlebnis werden für unser Stadtkind, und jetzt schimpft dieser kleine Kerl wie ein Rohrspatz über dieses wuchernde Grünzeug. Sage ich jetzt: „Gott hat alles gut gemacht. Dass er auch Dornen gemacht hat, ist schon richtig so. Auch wenn wir das nicht verstehen, musste das so sein.“? Da mir alles andere als nach solch einer Antwort ist, schimpfe ich: „Ich habe keine Ahnung, ehrlich. Vielleicht haben sie einen Sinn. Aber Dornen tun weh und sehen nicht schön aus und ich finde sie auch doof!“

„Gott kann das!“

Neulich standen wir an einer roten Ampel und beobachteten, wie ein kleiner Junge die Kontrolle über seinen Roller verlor und dieser auf die Straße rollte. Im letzten Moment konnte seine Mutter ihn daran hindern, direkt vor ein Auto zu laufen. Mein Mann nutzte die Gelegenheit, unserem Sohn zu erklären, wie sehr man auf der Straße aufpassen müsse. „Roller kann man reparieren, aber keinen kleinen Jungen, der überfahren wurde.“ „Doch, Gott kann das“, sagte unser Sohn. „Aber auch wenn er es kann, macht er es meistens nicht“, war meine Antwort. Daraufhin mein Sohn: „Dann macht es halt Jesus.“ Als wir auch diese Antwort hinterfragten, meinte er: „Dann muss es eben ein Kollege von Jesus machen!“

Eigene Überzeugungen hinterfragen

Wenn ich einem Kind durch ein Lied wie „Wer lässt die Sterne leuchten“ eine Wahrheit beibringe (und zwar, dass Gott so groß ist, dass er sogar die Erde gemacht hat), dann muss ich damit rechnen, dass Kinder das ernst nehmen. Genau das will ich ja auch. Umso mehr muss ich mich hinterfragen, was ich wirklich vermitteln will und wie überzeugt ich von dem bin, was ich sage. Kinder lieben Geschichten (mit einem Thema sind sie noch überfordert). Am Besten, wir erzählen, wie es früher war, als Jesus gelebt hat, was Jesus getan hat, wie er war, was er gut fand und was nicht. Den Transfer in das eigene Leben kann das Kind am besten selbst herstellen.

Von Maren Seitzinger

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift „Kleine Leute – Großer Gott“ erschienen.

„Meine Tochter will plötzlich nicht mehr in die Kita! Was tun?“

Erst einmal ist es erfreulich, dass Ihre Tochter bisher scheinbar gern in den Kindergarten gegangen ist. Das spricht dafür, dass sie sich dort grundsätzlich wohl fühlt. Nun gilt es herauszufinden, ob es Veränderungen gab, die ihre plötzliche Verweigerung erklären könnten.

Gab es eventuell einen Personalwechsel? Treten Konflikte zwischen Ihrer Tochter und anderen Kindern auf? Gibt es Veränderungen im Tagesablauf oder in der Gruppenzusammensetzung? Am besten sprechen Sie darüber offen mit den Erzieherinnen und mit Ihrer Tochter.

Fragen Sie unauffällig nach

Suchen Sie einen ruhigen Zeitpunkt, an dem Sie es sich mit Ihrer Tochter gemütlich machen und sie behutsam fragen, warum sie auf einmal nicht mehr gern in den Kindergarten gehen mag. Wenn Ihre Tochter nicht antworten möchte oder den Grund selbst nicht benennen kann, kann es helfen, Beispiele zu nennen, etwa: „Manchmal kommt es vor, dass Kinder nicht mehr gern zum Kindergarten gehen, weil jemand sie ärgert, oder weil sich etwas verändert hat, zum Beispiel bei den Erzieherinnen. Kennst du so etwas?“ Sie können auch immer mal wieder unauffällig Fragen stellen wie „Mit wem hast du denn heute gespielt?“ oder „Welche Erzieherinnen waren heute da?“ oder „War alles gut oder gab es heute Streit oder war jemand gemein?“.

Sollten Sie auf diesem Weg nicht weiterkommen, wäre eine weitere Option, mal einen Tag im Kindergarten zu hospitieren. Sprechen Sie das vorher mit dem Kindergarten ab, mit der Begründung, herausfinden zu wollen, wie Sie Ihrer Tochter helfen können, sich wieder wohler zu fühlen. Erklären Sie Ihrer Tochter, dass Sie heute mal ausnahmsweise zu Besuch kommen dürfen, damit Sie nicht erwartet, dass das nun immer so läuft.

Wachsam sein

Obwohl es ein schwieriges Thema ist, sollte man immer wachsam sein in Bezug auf mögliche sexuelle oder aggressive Übergriffe, die auch Grund dafür sein können, dass ein Kind plötzlich nicht mehr in den Kindergarten gehen möchte. Achten Sie sehr genau auf mögliche Verletzungen und fragen Sie vorsichtig: „Manchmal möchten Kinder auch nicht mehr zum Kindergarten, weil dort jemand etwas machen will, das sie nicht wollen. Zum Beispiel irgendwo anfassen, weh tun oder Fotos machen. Hast du das schon mal erlebt?“

Auch Kinderbücher helfen, über dieses Thema ins Gespräch zu kommen und Kinder grundsätzlich zu stärken (Mein Tipp: „Mein Körper gehört mir“ von Dagmar Geisler). Bei Unsicherheiten berät auch unverbindlich und kostenlos der Kinderschutzbund.

Nicht selten entstehen phasenweise Trennungsängste, die den Abschied erschweren. Überlegen Sie, wenn sich kein anderer Grund finden lässt, gemeinsam mit Ihrer Tochter, was ihr helfen könnte – vielleicht ein Kuscheltier-Begleiter oder etwas, das sie an Mama erinnert (zum Beispiel ein Tuch oder ein Mut-Stein)? Tolle Tipps dazu gibt es auch in dem Buch „Fremdeln-Klammern-Trennungsangst“ von Elizabeth Pantley.

Von Melanie Schuer, www.elternleben.de, www.neuewege.me

Kinder brauchen Orientierung

Meine Frau hat in dem Kindergarten, in dem sie als Erzieherin gearbeitet hat, immer wieder eine sonderbare Erfahrung gemacht: Dieselben Kinder, die sich vormittags gerne in das Gruppengeschehen einbringen, verwandeln sich, sobald ihre Eltern sie aus dem Kindergarten abholen wollen, in wahre Furien. Mit Einwortsätzen kommandieren sie ihre Eltern herum: „Schuhe! Jacke!“ Sie verhalten sich ihren Eltern gegenüber völlig respektlos. Wie ist das möglich?

Wichtige Lebenserfahrungen

Ich beobachte, dass im Kindergarten klare Regeln herrschen: wie wir miteinander umgehen, miteinander reden, wie wir gemeinsam essen oder spielen. Auch zu Hause ist es wichtig, dass wir klare Regeln leben. Wir müssen auch lernen, deutlich Nein zu sagen, Grenzen zu setzen. Viel zu oft versuchen wir, mit Kindern im Kindergartenalter zu diskutieren, argumentativ Regeln aufzustellen. Damit sind Kinder in dem Alter überfordert.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich sollen wir unsere Kinder ernst nehmen. Natürlich dürfen wir ihnen auch deutlich signalisieren, dass ihre Meinung uns wichtig ist. Aber wir Eltern haben auch die Aufgabe, Regeln aufzustellen und für das Einhalten dieser Regeln zu sorgen. Oft haben wir Angst, Grenzen zu setzen, weil wir befürchten, uns damit unbeliebt zu machen. Meiner Erfahrung nach ist diese Sorge unbegründet.

Kinder brauchen Orientierung, um sich in dieser Welt zurechtzufinden, und diese Orientierung dürfen sie von uns erhalten. Das beinhaltet auch Grenzen zu benennen. Sicher ist das auch mit Konflikten verbunden, denn Kinder wollen ihre Grenzen austesten und reiben sich an uns. Grenzen gezeigt bekommen, Grenzen austesten, in Frage stellen, sich gegen sie auflehnen, aber auch Grenzen und Begrenztheit akzeptieren lernen, all das sind wichtige Lebenserfahrungen.

Respektvollen Umgang vorleben

Ich habe oft erlebt, dass in kinderreichen Familien der Umgang mit Grenzen anscheinend einfacher ist; jeder spürt da, dass meine grenzenlose Freiheit endet, wo ich die Freiheit anderer verletze. Ich darf nicht nur mein eigenes Wohl sehen, sondern muss auch das Wohl meine Geschwister, Familien, Freunde, meiner Mitmenschen im Blick haben. Dies ist etwas, was wir unseren Kindern vor allem vorleben können. Wenn die Kinder älter werden, darf auch das gemeinsame Aufstellen von Regeln erfolgen. Dieses glaubhafte Vorleben von respektvollem Umgang mit unseren Mitmenschen ist nicht einfach. Wir dürfen gerne im Gebet Gott um seine Hilfe bitte; ihn darum bitten, dass wir unsere Mitmenschen ein wenig mit den liebevollen Augen sehen lernen, mit denen Gott sie ansieht.

Uwe Lal ist Kindermusiker und Pädagoge. Mit seinen Mitmach- und Mutmach-Konzerten tritt er in Kindergärten, Schulen und Kirchengemeinden auf. www.uwelal.de

„Papa, ich glaube, meine Krone ist verrutscht!“

Mir ist es ein Anliegen, meine Kinder morgens, bevor sie aus dem Haus gehen, zu segnen und für sie zu beten. Ich setze den Kindern dabei zur Verdeutlichung des Segens eine imaginäre Krone auf. Ich mache dabei mit meinen Händen einen großen Kreis und drücke die Krone spürbar auf den Kopf, um sie dann durch vorsichtiges Hin- und Herschieben und Drehen richtig auszurichten. So können sie den Segen spüren. Einige Tage nachdem wir dieses Ritual eingeführt haben, startet ein Tag einfach schrecklich: Die Nacht war unruhig, drei Kinder sind mit dem falschen Fuß aufgestanden, Hektik, Tränen und schlechte Laune. Ich habe einen Besucher vor der Tür stehen, meine Frau hat mit den Kindern zu „kämpfen“, weil sie schon viel zu spät dran sind. Unser Großer will nicht in den Kindergarten. Mir kommt der Gedanke, dass doch gerade für solche Tage der Segen helfen könnte.

Also verabschiede ich die Kinder und setze ihnen „die Krone auf“, während sie noch weinen. Am Nachmittag begrüße ich meinen Großen: „Wie war’s heute im Kindergarten?“ Der antwortet strahlend: „Super“! Erstaunt erinnere ich ihn an das Drama am Morgen und frage, warum es denn so gut gewesen sei. Die Antwort schießt aus ihm heraus: „Wegen der Krone!“ Einige Zeit später höre ich im Garten eine laute (und handfeste) Auseinandersetzung meiner Söhne. Ich gehe raus und stelle meinen Sohn zur Rede: „Warum machst du denn so was?“ Mit Tränen in den Augen kommt die Antwort: „Papa, ich glaube, meine Krone ist verrutscht!“ Ich ziehe mich mit ihm zurück, wir sprechen über das Problem und seine Reaktion, bitten um Vergebung beim Bruder und rücken mit einem Gebet die Krone wieder zurecht. Was für eine Sternstunde für einen Papa!

Ja, Christsein und um den Segen Gottes auf seinem Leben zu wissen macht einen Unterschied! Schön, dass mein Sohn es auch spürt! Eine andere Situation: Mein Sohn kommt empört auf mich zugestürmt: „Papa, Felix hat seine Krone weggeschmissen!“ Etwas verdutzt schaue ich ihn an, als er mir erzählt, dass er seinem Kindergartenfreund auch eine Segenskrone aufgesetzt hat. Felix konnte aber weder mit Gott noch mit den Fingern seines Freundes auf dem Kopf etwas anfangen und hat die (imaginäre) Segenskrone weggeschmissen. Nach der ersten Enttäuschung startet mein Sohn einen zweiten Anlauf und versucht, ihm das mit der Krone zu erklären. Dieses Mal macht sich der Freund aber darüber lustig, „zerreißt“ sie und wirft sie weit weg. Das ist der Moment, in dem mein Sohn traurig und empört wegrennt. Ich bin erstaunt über seinen missionarischen Eifer, denn wir haben nicht darüber gesprochen, dass er auch andere Kinder segnen könnte. Wer von Gottes Segen berührt wird, bewegt sich auf den anderen zu, um auch seine Mitmenschen davon profitieren zu lassen – ganz von alleine! Mein Dreijähriger machte kürzlich noch mal in der Eingangstür kehrt, um mich aufzufordern: „Dohne aufsetzten, Papa“. Von Gutturalen, wie dem „K“ oder „G“ am Anfang eines Wortes hält er noch nicht sehr viel, aber auf die Krone besteht er – Gott sei Dank!

Von René Mühe

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift KLGG erschienen.