Tränen vor der Schule

Nach der Einschulung gehen wir oft davon aus, dass Kinder die neue Lebensphase ohne weitere Eingewöhnung meistern. Das ist aber keineswegs bei jedem Kind selbstverständlich, und das ist aus Kindersicht auch zu verstehen.
Der Schulstart ist eine große Veränderung. Unsere Kinder gehen aus einer behüteten und übersichtlichen Kitawelt einen großen Schritt weiter. In der Schule gelten auf einmal andere Regeln. Die bisher vertrauten Personen sind nicht mehr da, dafür aber neue Erwachsene, an die sie sich erst gewöhnen müssen. Die Kinder kennen sich manchmal untereinander noch nicht, und es werden plötzlich eine Menge neuer Anforderungen gestellt. Während wir Eltern die Kindergartenzeit zudem sehr eng begleitet haben, müssen wir mit der Einschulung noch einen Schritt weiter zurücktreten. Das ist ungewohnt für alle – und so erklärt sich meistens auch der kindliche Trennungsschmerz.

Freunde helfen beim Loslösen
Zunächst ist es wichtig zu unterscheiden, ob es Ihrem Kind tatsächlich nur in dieser morgendlichen Situation schwer fällt, sich zu lösen oder ob es in der Schule ein grundsätzliches Problem gibt. Hierzu ist es wichtig, gut zuzuhören und auf Ihr Kind zu schauen und aufmerksam für Dinge zu sein, die es ihm vielleicht schwer machen.
Wenn es tatsächlich um den Abschied geht, können folgende Dinge helfen: Wenn Ihr Kind schon Freunde gefunden hat, kann es das morgendliche Loslösen erleichtern, wenn sie ein anderes Kind auf dem Schulweg treffen könnte und die beiden dann zusammen in Richtung Klasse verschwinden.
Im Kindergarten hilft den Kindern oft das vertraute Kuscheltier, wenn sie sich anfangs eingewöhnen. In der Schule laufen sie natürlich nicht mehr mit dem Teddy im Arm rum – aber ein kleines Kuscheltier oder ein anderer vertrauter Gegenstand im Schulranzen können Trost und Sicherheit spenden.

Fällt es Ihnen auch schwer?
Daneben ist es gut, wenn Sie sich hinterfragen: Wie geht es Ihnen mit dem Schulstart? Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kind dort gut aufgehoben ist? Gehen Sie optimistisch in diese neue Lebensphase Ihres Kindes? Oder sind auch Sie etwas unsicher? Falls dem so ist, ist es gut, mit anderen Erwachsenen darüber zu reden und sich mit eigenen Sorgen und Ängsten auseinanderzusetzen. Sollte sich herausstellen, dass Ihnen das Loslassen am Morgen tatsächlich auch schwerfällt, sollten Sie überlegen, ob Ihre Tochter von einer anderen Bindungsperson zur Schule gebracht werden kann.
Letztlich bleibt es jedoch eine Übergangssituation, die man manchmal einfach nur zusammen mit dem Kind aushalten kann. Oft möchten wir den Schmerz wegnehmen oder zumindest erleichtern. Doch oft ist nicht das Vermeiden, sondern das Aushalten und Begleiten von Schmerz unsere Aufgabe als Eltern.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern- und Familienberaterin (familienberatung-albert.de) und lebt mit ihrer Familie in Kaufungen.

 

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Die Entwicklung von Kindern in Corona-Zeiten

Wie werden unsere Kinder eigentlich zu selbstbewussten, cleveren und kreativen Erwachsenen? Was prägt sie? Die wichtigste Prägung findet natürlich in und durch die Familie statt. Hinzu kommt der Kindergarten und später die Schule. Diese zwei Institutionen gehören in unserem Bildungsdenken schon so zur Normalität, dass wir manchmal vergessen, dass Schule und Kindergarten vor einigen hundert Jahren noch gar nicht für jedes Kind zugänglich waren. Wenn wir einen Blick in die Geschichte werfen, können wir dankbar sein für den pädagogischen Anspruch an „Kinderaufbewahrungsanstalten”, der sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Luft nach oben gibt es immer, das ist klar. Doch die Rückschau lässt auch dankbar werden.

Keine Angebote mehr

Unter pandemiebedingten Einschränkungen läuft da nur leider aktuell nicht mehr so viel. Die Lust auf graue Arbeitsblätter in der Schule ist unseren Kindern schon lange vergangen, aber etwas anderes scheint vielerorts nicht im Angebot zu sein. Auch der Kindergarten ist in vielen Regionen mal geöffnet, mal geschlossen. Nur wenige Kirchen können Kindergottesdienste anbieten. Turngruppen, Musikgruppen, Sportvereine – viele Termine sind ausgefallen und fallen noch aus. Aber wem erzähle ich das?!

Was allerdings nicht ausfällt, ist die Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder. Da steppt der Bär. Doch wohin steppt der Bär? Welchen Weg werden die Kleinen gerade geführt? Wovon nährt sich ihre Entwicklung?

Da müssen wir Mamas und Papas ordentlich ran. Wenn wir uns bewusst werden, dass fast alle Förderungs-Pfeile auf uns zeigen, kann das als Last empfunden werden. Aber auch als Chance. Ich glaube, es ist beides.

Kreativ-Zeiten im Alltag

Lassen Sie uns immer wieder bewusst Alltagsroutinen und Stress abschütteln, um kreative Zeiten für die Kleinen zu schaffen. Ich bin sicher, da ist Ihnen im letzten Jahr schon eine ganze Menge eingefallen und vermutlich haben Sie auch schon viel gemeinsam erlebt. Wäre es nicht schön, wenn wir unsere Ideen miteinander teilen?

Auf unserer Kreativ-Liste stehen:

  • Abenteuerspaziergänge
  • Holzstücke mit Hammer und Nagel zu einem Kunstwerk klopfen
  • Kuchen backen
  • einen eigenen kleinen Garten anlegen
  • zusammen Musik machen
  • malen oder basteln mit unbekanntem Material
  • große Pappkartons im Garten in kleine Hütten verzaubern
  • ein Schnecken-Forschungslabor anlegen
  • mit Kreideherzen die Stadt verschönern

Was haben Sie in den letzten Monaten gemeinsam erlebt?

 

Viel Spaß beim Kreativsein,

mit lieben Grüßen

Johanna Walter

 

 

„Unser Kind reißt sich die Haare aus! Was können wir tun?“

Ihre Verzweiflung und Sorgen um Ihr Kind sind sehr verständlich – gut, dass Sie sich hierbei nun Rat und Unterstützung holen! Das Verhalten zeigt sich bereits eine Weile und deutet auf ein gefestigtes Muster hin, das sich trotz Ihrer Bemühungen nicht auflöst.
Möglicherweise handelt es sich um Trichotillomanie, das zwanghafte Ausreißen von Haaren. Es kann sich bei Erwachsenen und auch bereits im Kindesalter entwickeln und chronifizieren. Betroffene können dem Impuls des Haarereißens nicht widerstehen. Häufig besteht ein Zusammenhang zu Anspannung und innerer Unruhe. Dem Haarereißen folgt ein Gefühl von Spannungsabbau. Es wird als lustvoll und entspannend erlebt und führt zu kurzfristiger Beruhigung, bis es bei erneuter Anspannung zu einem wiederholten Impuls kommt.

Ursachen ergründen
Bei Babys und Kleinkindern ist das Motiv für ihr Verhalten schwerer zu ergründen, da wir sie nicht fragen können. Was vielleicht anfangs als beruhigende Geste (wie Daumenlutschen) begann, kann sich zu einer festen Strategie entwickelt haben, die allein nur schwer zu durchbrechen ist. Vielleicht hilft sie unbewusst im Umgang mit besonderen Herausforderungen (Stress, Veränderungen, Konflikte). Sie kann für den Moment zwar ihren individuellen Zweck erfüllen, jedoch langfristig zu einem erheblichen Leidensdruck führen.
Wir Erwachsenen werden dadurch für diese Herausforderungen sensibilisiert, und es bietet sich die Chance, darauf zu reagieren. Wertvoll kann dann die Überlegung sein: Was könnte mein Kind mir sagen wollen? Spürt es etwas und bringt es zum Ausdruck, was ich noch nicht bemerkt habe? Diese Fragen sind manchmal unangenehm bis schmerzhaft, sollten uns aber nicht vergessen lassen: Konflikte oder Probleme finden immer ihre Wege. Es hilft, bewusst mit ihnen umzugehen und ihre Wege mitzugestalten.

Die gesamte Familie im Blick
In Ihrem Fall bedarf es einer sorgfältigen medizinischen und psychologischen Abklärung durch Spezialisten für das jeweilige Kindesalter. Wenden Sie sich offen an ihren Kinderarzt hinsichtlich kindertherapeutischer Unterstützung. Tauschen Sie sich mit anderen Eltern bezüglich Ihrer Sorgen aus. Diese haben eventuell ähnliche Erfahrungen und können Empfehlungen aussprechen.
Beobachten Sie wertschätzend, was die Situation mit Ihnen selbst macht und was Sie daraus lernen können. Richten Sie den Fokus auch auf das Familiensystem und die aktuelle Lebenssituation: Gibt es Zusammenhänge mit anderen Familienmitgliedern? Gab es in der Familienhistorie schon eine ähnliche Thematik? Wie hoch ist das Stresslevel in der Familie? Sind ausreichende Entspannungszeiten für alle Mitglieder vorhanden? Und wichtig, neben der Unterstützung von außen: Vertrauen Sie bei all den Herausforderungen in Ihre Kompetenz als Eltern für Ihre Tochter, auf Ihr Gespür für die Zeichen und Bedürfnisse Ihres Kindes!

Mara Pelt ist Psychologin M.Sc., Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapeutin i.A., Systemische Beraterin und Familientherapeutin und lebt mit ihrer Familie in Hamburg, www.mara-pelt.com.

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Spiele mit Straßenkreide

Straßen-Dart

Zuerst wird ein großer Kreis auf den Boden gemalt. In diesen Kreis malt ihr noch weitere kleinere Kreise – wie bei einer Zielscheibe. In die einzelnen Felder könnt ihr Punkte schreiben. Einige Meter entfernt wird eine Linie auf die Straße gemalt, von der aus geworfen wird. Jeder Mitspieler darf nun drei kleine Steinchen werfen. Wer die höchste Punktzahl erreicht, gewinnt! Aber seid vorsichtig, dass niemand einen Stein an den Kopf bekommt.

Wenn es warm ist, könnt ihr das Spiel auch mit Wasserbomben statt Steinchen spielen – Erfrischung garantiert!

Hindernislauf

Wer kommt am schnellsten durch den Hindernis-Parcours? Malt mit Straßenkreide eine lange Schlange auf den Boden, die ihr in einzelne Felder unterteilt. Die Felder müssen groß genug sein, sodass ihr hineinspringen könnt. Nun wird für jedes Feld eine Aktion festgelegt, die ihr in das Feld malt. Das kann zum Beispiel ein Fuß sein – das bedeutet: „Berühre fünfmal deine Zehen!“ Ein Pfeil nach unten heißt: „Springe ein Feld zurück!“ Ein Frosch bedeutet: „Hüpfe dreimal wie ein Frosch!“ Ein Stein bedeutet: „Suche vier Steine!“ Hast du noch mehr Ideen? Die Mitspieler durchlaufen nacheinander den Parcours und jemand stoppt die Zeit.

Kreide-Straße

Malt ein komplettes Straßensystem mit Straßenkreide auf die Straße. Zebrastreifen, Ampeln, Kreisverkehre, Tankstellen, Brücken, Autobahnen, kurvige Straßen, Einbahnstraßen und was euch sonst noch einfällt. Nun werden Rollen verteilt. Wer ist Polizist? Wer ist LKW-Fahrer? Wer fährt Motorrad und wer fährt Auto? Schnappt euch Bobby-Cars, Laufräder, Roller oder Fahrräder und los geht’s!

 

Mit Kindern Gefühle reflektieren

Gemeinsam mit Kindern Gefühle zu erkennen und zu benennen sind wichtige Werkzeuge für eine gesunde Entwicklung. Kinder erleben jeden Tag viel, beobachten, begegnen und durchleben eine Achterbahn an Gefühlen. Ein abendliches Ritual, um tägliche Erlebnisse einzuordnen, kann helfen, alles richtig zu verarbeiten. Dabei lernen Kinder, dass es ganz normal ist, über Gefühle zu sprechen. Gefühle sind wichtig und alle Gefühle sind erst einmal gut. Welche Gefühle gibt es denn so? Was verrät mir mein Gefühl über mich und den Andern?

Mit meinen Kindern habe ich in den letzten Monaten das Gefühlstagebuch entdeckt. Es gibt verschiedene Tagebüchern für Kinder, die sie spielerisch und kreativ an Themen wie Achtsamkeit und Selbstliebe heranführen. Meinen Kindern macht es Freude und für mich als Mutter sind es ganz kostbare Momente, wenn meine Kinder mich teilhaben lassen, an den „Gefühlen des Tages”. Da wäre mir sonst manches durch die Lappen gegangen.

Das letzte Jahr war für alle Familien eine besondere und gefühlsintensive Zeit. Der kreative Ausfüllbogen „Meine Corona-Zeit” (zum Ausdrucken zu finden unter „Downloads“) kann eine Anregung sein, mit Ihrem Kind über diese Zeit zu reden. Es darf ein Anstoß sein, auch das Gute dieser Zeit zu benennen und immer wieder eine Haltung der Dankbarkeit einzunehmen. Eine Haltung der Dankbarkeit ist ein guter Schutz gegen Niedergeschlagenheit und Kraftlosigkeit. Ich habe den leisen Verdacht, dass positives Denken den Kindern sogar leichter fällt als den Großen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Reflektieren,
Ihre
Johanna Walter

www.johannawalter.de

„Nicht mit Fremden mitgehen!“

Eltern möchten, dass ihre Kinder ab einem bestimmten Alter verstehen, dass nicht alle Menschen nett sind und man bei Fremden vorsichtig sein sollte. Gleichzeitig möchte man seinen Kindern aber auch keine Angst machen oder ihr Vertrauen in andere Menschen zerstören. Ab wann und wie kann man sie aufklären?
Vorweg sei gesagt: Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihrem Kind auf diese Art Leid zugefügt wird, ist sehr gering, doch durch die Präsenz solcher Themen in den Medien haben wir einen anderen Eindruck.
Dennoch ist es richtig, das Augenmerk auch auf Fremde und von ihnen ausgehende Gefahren zu legen. Wichtig ist, nicht von „bösen Menschen“ zu sprechen, da Kindesentführer meistens ziemlich nett und freundlich sind und Kinder zum Beispiel mit netten Versprechungen locken. Sprechen Sie von Menschen, die etwas Böses tun wollen.

Beginnen Sie im Vorschulalter!

Wenn Ihr Kind ist noch sehr jung ist, vermute ich, dass es sich noch nicht wirklich weit von Erwachsenen entfernt, die ihm vertraut sind. Ein solches Gespräch könnte es dann noch mehr verstören, als es hilft. Das ändert sich etwa im Vorschulalter. Dann ist es gut, Ihr Kind langsam damit zu konfrontieren, dass es draußen in der Welt auch Gefahren gibt. Sie können Bilderbücher zu diesem Thema vorlesen und anregen, dass es auch im Kindergarten besprochen wird.
Wenn Sie mit Ihrem Kind unterwegs sind, können Sie Menschen beobachten und ihm zeigen, wer zwar fremd ist, aber trotzdem angesprochen werden darf. Denn es kann ja für unsere Kinder auch wichtig sein, sich an für sie fremde Erwachsene zu wenden. Meine Kinder wissen, dass sie in jeden Laden, der zwischen ihrer Schule und ihrem Zuhause ist, gehen können, um nach Hilfe zu fragen. Auch die Polizei oder die Feuerwehr sind vertrauenswürdig.

Regeln festlegen
Zusätzlich helfen feste Regeln:
> Nur vorher festgelegte Personen dürfen Ihr Kind abholen. Mit jemandem, auf den das nicht zutrifft, geht es nicht. Auch nicht mit ihm bekannten Menschen.
> Manche Eltern vereinbaren hier ein Codewort mit ihren Kindern, falls es kurzfristig wirklich dazu kommt, dass jemand anderes es abholen muss. Kennt er dieses Wort, darf er das Kind mitnehmen. Wenn nicht, haben ihn nicht die Eltern geschickt.
> Wenn Erwachsene Ihr Kind nach Hilfe fragen, immer andere Erwachsene holen und niemals mitgehen, um selbst zu helfen.
> Fremde immer mit Sie anreden und dabei so laut sprechen, dass Umstehende es hören.
> Wenn das Kind angesprochen wird, immer ans andere Ende des Gehweges gehen, also weit weg vom Auto und niemals einsteigen.
> Egal ob nach der Schule oder dem Besuch bei Freunden – das Kind muss hinterher auf direktem Weg nach Hause kommen. Wenn es noch etwas anderes unternehmen möchte, muss es um Erlaubnis fragen.
Doch genauso wie die festen Regeln helfen, ist es wichtig, dass Ihr Kind daheim liebevoll aufgenommen wird, wenn es einmal nicht geschafft hat, sich daran zu halten. Schließlich wollen Sie ja, dass es zu Ihnen kommt und sich Ihnen anvertraut, falls wirklich mal etwas schiefgelaufen ist. Strafen Sie Ihr Kind in so einem Fall nicht, sondern erinnern Sie noch einmal eindrücklich daran, warum Ihnen diese Punkte wichtig sind.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin, Eltern- und Familienberaterin und lebt mit ihrer Familie bei Kassel (www.eltern-familie.de).

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift www.family.de erschienen.

„Warum fällt es mir schwer, mit meinem Kind zu spielen?“

Ging es dir schon mal so? Dein Kind will dich in das kühnste Playmobil-Abenteuer verwickeln und du weißt nicht mehr, wie das mit dem Spielen geht? Oder gehörst du zu der Sorte Eltern, die sich leidenschaftlich über den Spielteppich rollt und ruft: „Ich bin Papa Wutz und ich liebe Matschepfützen …”? Dann ist ja alles gut.

Wenn dir das Spielen aber eher schwerfällt, hilft dir vielleicht meine kleine Geschichte:
Ich bin mit den Kindern im Garten. Kaffee, Obstteller, Sonnenschein — der Nachmittag könnte nicht schöner sein. Da purzeln drei kleine Löwenbabys, die meinen Kindern verblüffend ähnlich sehen, quer über die Wiese und brüllen nach ihrer Löwenmama. Ich sitze innerlich abwesend auf dem Gartenstuhl und wälze gedanklich tausend Themen hin und her. Das Gedankenkarussell dreht sich schnell, und immer wieder blitzen Szenen von spielenden Kindern vor meinen Augen auf und laden mich ein mitzumachen. Was ist nur los mit mir? Ich entscheide mich für Papier, Stift und meine Gedanken und ein wildes Brain-Storming ergießt sich auf dem geduldigen Zettel.
“Mama, was machst du da?” fragt meine fröhliche Tochter. “Ich schreibe alles auf, was in meinem Kopf ist.”
Da lacht sie und verrät mir das Geheimnis des glücklichen Augenblicks: “Vergiss das alles, und denk daran, dass du deine Kinder liebhast.” Da lässt die Löwenmama ein lautes Brüllen hören und stürzt vom Gartenstuhl mitten ins Gepurzel.

Ist es nicht ein Privileg Kinder zu haben, die einen aus den Tretmühlen der Erwachsenen herausrufen? Ja, das ist es! Es ist nicht nervig. Es ist nicht albern. Es ist keine Zeitverschwendung. Es ist ein Privileg!
Wenn du also das nächste Mal eine Einladung von deinem Kind erhältst, auf einem Drachen zu fliegen oder die Prinzessin zu spielen, dann versuche es. Du kannst dir beim deinem kleinen Spiel-Experten auch Tipps einholen, wie du eine Figur zu spielen hast. Denn deinem kleinen Gegenüber mangelt es sicher nicht an Ideen, nur manchmal an einem Spielpartner.

Viel Spaß wünscht deine
www.johannawalter.de

 

„Gefühle sind wie Popcorn!“ – Über den Umgang mit negativen Gefühlen

Gefühle. Sie sind leider nicht wie Teller, die man ordentlich aufeinander im Schrank stapelt und bei Bedarf rausholt. Gefühle sind eher wie Popcorn. Je nach Hitzezufuhr brauchen sie länger, bis sie „aufpoppen“ oder explodieren sehr plötzlich.

Ich bin in den letzten Jahren zum wahren Popcorn-Crack mutiert. Ich serviere den Kindern das perfekt karamellisierte Kino-Popcorn. Bis ich den Dreh raushatte, habe ich einiges an Biomüll produziert. So viele Tipps zur Herstellung ich mir im Vorfeld auch durchgelesen hatte, brauchte es doch Übung, bis ich den „Pop” raushatte. Ich wünschte nur, ich wäre ebenso kompetent im Umgang mit meinen Gefühlen. Da „poppt“ es manchmal recht unkontrolliert.

Wenn ich zum Beispiel morgens mit schlechter Laune aufstehe und mich fühle, als hätte ich ein Recht darauf, dass mich alle in Ruhe lassen, muss ich diese Gefühle mit der Stimme der Vernunft entmachten: „Ihr versalzt mir und meiner Familie jetzt nicht den Morgen. Ich möchte freundlich sein und meinen Job hier machen.” Das hilft. Manchmal leiden wir einfach unter diffusen negativen Gefühlen. Es kann jedoch auch Sinn machen, hinzuschauen, woher diese schlechte Laune kommt.

Der schlechten Laune auf den Grund gehen

Umgang mit den eigenen negativen Gefühlen zu erlernen, ist von Bedeutung für die ganze Familie. Bin ich hemmungslos schlecht gelaunt oder dauerbetrübt, verbreite ich eine spannungsgeladene Atmosphäre, die stinkt wie angebranntes Popcorn. Darin müssen sich meine Kinder und mein Mann dann bewegen. Das produziert wiederum schlecht gelaunte Kinder und Streitereien sowie einen Mann, der zwischen wohlwollendem Verständnis und Fluchtinstinkt schwankt.

Darum möchte ich meine Gefühle führen. Sonst führen sie mich. Erste Hilfe leisten mir persönlich oft Singen und Kaffee. Für ernstzunehmende Gefühls-Eskapaden helfen Stift und Papier, gute Freunde und Zeit mit Gott.

„Du darfst auch mal schlecht gelaunt sein!“

Ich sehe auch bei meinen Kindern, dass sie lernen müssen, mit ihren negativen Gefühlen umzugehen. Mal kommen sie schlecht gelaunt nach Hause, oder die Aufforderung zum Zähneputzen sorgt für Eskalation. Wichtig ist dann, ihnen zuzugestehen, dass sie schlecht gelaunt sein dürfen und auch mal Verständnis zeigen für keine-Lust-Attacken.

Bevor wir die Kinder herausfordern einen guten Umgang zu finden, dürfen wir sie erst einmal annehmen. Das Angebot einer Umarmung hat schon so manchen Widerstand aufgelöst.

Wenn ich den Eindruck habe, mein Kind ist gerade wie gefangen in seinen negativen Gefühlen, provoziert seine Geschwister und ist nicht zugänglich, dann versuche ich zum Beispiel folgendes:

“Ich merke, dir geht es gerade nicht so gut. Wenn du hier so rummotzt, fühlen wir uns alle nicht wohl. Bitte geh in dein Zimmer. Wenn du wieder freundlich mit uns zusammen sein möchtest, kannst du jederzeit wiederkommen. Wir freuen uns. Wenn du mich brauchst, bin ich für dich da.”

Wir bleiben Lernende

Es ist nicht nur für mich eine Herausforderung, gut damit umzugehen, sondern auch für das Kind. Doch wie wichtig ist es zu lernen, dass wir mit unseren negativen Gefühlen nicht unsere Umwelt vergiften. Dass wir lernen uns zu sortieren.

Meine neunjährige Tochter stürzt in so einer Situation gerne polternd in ihr Zimmer und kurze Zeit später höre ich sie Gitarre spielen. Meinen Sohn finde ich oft vertieft in ein Buch wieder. Wenn die Kinder ihre Wege finden, sich innerlich abzukühlen, dann ist anschließend auch ein konstruktives Gespräch möglich. “Willst du erzählen, was vorhin los war?”

Bei allem Umgang lernen brauchen wir viel Gnade mit uns selbst und unseren Kindern. Wir bleiben Lernende. Im Entwickeln der emotionalen Kompetenz sowie in der Kunst des Popcornmachens.

Viel Erfolg und alles Liebe,

Ihre Johanna Walter

Johanna Walter liebt ihren Mann und ihre drei Kinder. Sie ist Sozial- & Religionspädagogin, Musikerin und Autorin. www.johannawalter.de

 

 

 

Wie gehe ich in diesem Winter mit Infekten der Kinder um?

Der Winter, so scheint es vielen Eltern, ist eine einzige Aneinanderreihung von Infekten. „Das ist ganz normal“, sagt der Gießener Kinderarzt Dr. Frank Wagner und gibt Eltern Tipps, was sie bei einer Erkältung machen und wie sie weiteren Infekten vorbeugen können.

Was ist eigentlich eine Erkältung?
Eine Erkältung ist eine virale Erkrankung, die bei Kindern mit Schnupfen, Husten, Hals- oder Ohrenschmerzen einhergeht. Sie fühlen sich unwohl, sind vielleicht knatschig und haben erhöhte Temperatur, also bis 38,5 Grad. Wenn sie kleiner und zum ersten Mal erkältet sind, kann sie auch höher sein. Wir Pädiater gehen davon aus, dass ein Kind bis zu zehn Infekte im ersten Kita-Winter durchlebt. Bis zum Schulalter sind es also 30 bis 40 Infekte. Das klingt viel, ist aber normal und deutet nicht zwangsläufig auf eine Immunschwäche hin.

Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn das Allgemeinbefinden des Kindes sich verschlechtert, das Fieber nicht sinkt oder sogar steigt, der Husten stärker wird, Kurzatmigkeit und Pfeifen beim Atmen einsetzt, Flüssigkeit aus dem Ohr läuft und Symptome auftreten, die sich die Eltern nicht erklären und trotz aller Maßnahmen nicht eindämmen können.

Wie differenzieren Sie in Zeiten von Corona?
Es ist schwierig, und es wird uns noch lange beschäftigen, wie wir entscheiden sollen, ob ein Risiko für eine Covid-19-Erkrankung vorliegt, zumal die Überprüfung durch den Mund-Nase-Abstrich schmerzhaft ist. Der Riech- und Geschmacksverlust tritt bei infizierten Kindern nicht auf, dafür aber in 30 bis 40 Prozent der Fälle trockener Husten, Fieber und manchmal eine Magen-Darm-Symptomatik. Allerdings ist das bei manchen anderen Viruserkrankungen genauso.

Gehen wir davon aus, mein Kind hat „nur“ eine Erkältung. Was kann ich tun, um es gesund zu pflegen?
Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt. Gönnen Sie ihm viel Ruhe und vermeiden Sie Stress! Lassen Sie Ihr Kind zu Hause – lieber einen Tag länger als zu kurz. Aber bleiben Sie mit ihm nicht nur im Haus, sondern gehen Sie, wenn es kein Fieber (mehr) hat, an der frischen Luft spazieren. Natürlich sollte es nicht rennen und auch nicht auf dem Spielplatz toben.

Wann sollte man Fiebermedikamente verabreichen?
Wenn das Kind bei 38,8 Grad ganz normal spielt, ist es zunächst nicht notwendig, ihm ein Fiebermedikament zu geben. Wenn es aber schlapp wirkt, Schmerzen oder diese Temperatur abends vor dem Schlafengehen hat, sollten Sie ihm unbedingt etwas geben, weil das Fieber in der Nacht steigt und die erhöhte Temperatur zu einem Flüssigkeitsverlust führt. Dadurch können wiederum die Schleimhäute austrocknen und sogar geschädigt werden, wodurch das Kind ansteckbarer für weitere Infektionen ist.

Wie kann ich mein Kind vor einer Erkältung schützen?
Befeuchten Sie die Nase des Kindes regelmäßig mit reiner Kochsalz- oder Meersalzlösung und achten Sie auf das Raumklima. Die Devise lautet: Heizung runter und Luftfeuchtigkeit hoch! Im Schlafzimmer sollte es nicht wärmer als 16 bis 18 Grad und in den Wohnräumen 21 Grad sein – auch dann, wenn das Kind krank ist. Geben Sie Ihrem Kind vitaminreiches und ballaststoffreiches Essen wie Obst und Gemüse, Vollkornbrot und Müsli, viel Flüssigkeit in Form von Wasser und ungesüßtem Tee.

Interview: Ruth Korte

 

Dieses Interview ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

 

„Unsere Kinder wollen immer Süßigkeiten!“

Dass Kinder Süßes lieben, ist völlig normal. Entwicklungsgeschichtlich sind wir Menschen auf süß gepolt! Die Muttermilch schmeckt bereits, durch den enthaltenen Milchzucker, leicht süß und sogar das Fruchtwasser im Mutterleib hat einen süßlichen Geschmack und wird gern von den Babys getrunken.

Zuckerfreie Ernährung schützt vor Krankheit

Leider haben Süßigkeiten und die darin enthaltenen Zucker „Suchtpotenzial“. Wir gewöhnen uns sehr schnell an den Süßgeschmack und brauchen immer mehr davon, um es als angenehm zu empfinden. Zucker ist in unendlich vielen Lebensmitteln enthalten. Schaut man auf die Zutatenliste verschiedener Süßwaren und süßer Getränke, dann verbergen sich oft eine große Anzahl verschiedener Zucker darin, mit so wohlklingenden Namen wie Saccharose, Maltose oder Dextrose. Alle gehören der Gruppe der so genannten „niedermolekularen Kohlenhydrate“ an, die dem Körper sehr schnell als Energiequelle zur Verfügung stehen, die aber leider nichts anderes als „leere Kalorien“ enthalten.
Bei Süßigkeiten kommt neben Zucker auch häufig ein hoher Fettanteil dazu, wie in Chips oder Erdnussflips. „Kalorienbomben“ pur! Wer viel Zucker isst, ist häufiger von Zahnkaries, Übergewicht und daraus entstehenden Zivilisationskrankheiten wie Diabetes betroffen. Manche Kindergartenkinder leiden heute schon unter dem früher als „Alterszucker“ bezeichneten „Typ-II-Diabetes“. Deshalb ist es sinnvoll und gut, Kinder möglichst lange zuckerfrei oder zuckerarm zu ernähren.

Generelle Verbote vermeiden!

Der Umgang mit Süßigkeiten und Snacks will gelernt sein. Dazu ein paar Tipps:
> Erklären Sie Ihren Kindern, warum sie Süßes in Maßen essen sollten.
> Vermeiden Sie generelle Verbote im Umgang mit Süßigkeiten.
> Legen Sie gemeinsam eine „süße Wochenration“ fest.
> Süßigkeiten eignen sich sehr gut als Abschluss einer Mahlzeit (anschließend die Zähne putzen!).
> Planen Sie bewusst Nachtische oder auch mal eine süße Zwischenmahlzeit am Nachmittag ein wie ein Stück Kuchen oder Kekse.
> Feste Naschzeiten erhöhen den Genuss, denn Vorfreude ist die schönste Freude.
> Regelmäßige Mahlzeiten beugen Heißhunger auf Süßes vor.
> Achten Sie auf bewusstes Genießen wie nur im Sitzen naschen. Das trägt auch zur besseren Kontrolle bei.
> Seien Sie Vorbild.
> Bieten Sie süße Getränke wie Säfte und Limonaden nur zu besonderen Anlässen an.
> Bevorraten Sie Süßes nur in kleinen Mengen.
> Sagen Sie Verwandten und Freunden, dass Sie keine Süßigkeiten als Geschenke oder Mitbringsel für Ihre Kinder möchten.
> Bieten Sie attraktive Alternativen an: Studentenfutter, Reiswaffeln, selbstgemachtes Popcorn, Salzstangen, Obstspieße, Rohkoststicks …
> Eine Portion extra wie etwa eine Handvoll Gummibärchen (30 g) und eine Handvoll Chips (25 g) ist Genuss und etwas Besonderes!

Elke Decher ist Diplom-Ernährungswissenschaftlerin und unterrichtet Ernährung, Hauswirtschaft und Gesundheits- und Naturwissenschaften an einem Berufskolleg.

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.