Kreativ in der Osterzeit: Das Freundschaft-Erinnerungsfest

Freundschafts-Erinnerungs-Fest: Hintergrund
Wenn ich meine Jüngste zum Kindergarten gebracht habe, bot mir nicht selten dieses Bild: Zeitgleich kam ihre beste Freundin die Straße entlang, beide rannten los und flogen sich in die Arme. Wie gut würde es uns heute – auch als Große – tun, auf Freunde zuzurennen und einander zu umarmen.
Auch in den Ereignissen rund um Ostern geht es um Freundschaft – es ist auch die Geschichte von Petrus und seinem Freund Jesus. Petrus hatte viel mit Jesus erlebt und immer wieder versichert, dass nichts und niemand ihre Freundschaft zerstören könne.
Und dann wird Jesus verhaftet und Petrus behauptet drei Mal, er würde Jesus nicht kennen und sie wären nie Freunde gewesen. Was er daraufhin hört, ist ein krähender Hahn. Dieses Hahnenkrähen hatte Jesus ihm schon vorausgesagt. Doch Jesus verzeiht später seinem Freund den Verrat. Ostern ist für mich also auch ein Fest der Freundschaft!

Freundschafts-Erinnerungs-Fest: Blumenschmuck
Auf jeden Fall eignen sich gelb leuchtende Osterglocken und Tulpen als Blumenschmuck im Haus. Und eine Bodenvase mit Zweigen. Wenn ich an meine Kindheit denke, dann sehe ich sattgelbe Forsythienzweige und zartrosafarbene Kirschblüten. Nach den tristen und grauen Farben der Wintermonate sind das für mich richtige Frühlingshoffnungsboten, die bunt und fröhlich sind.

Freundschafts-Erinnerungs-Fest: Festtafel-Dekoration
Für die festliche Tafel kleben wir einen Hahnenserviettenhalter aus Toilettenpapierrollen. Dafür wird eine Rolle halbiert die eine Hälfte eingeschnitten, um einen kleineren Kopf auf den dickeren Bauch setzen zu können. Aus Pappe kleben wir noch einen kleinen Schnabel auf, malen dem Hahn Augen und kleben aus Federn einen fantasievollen Hahnenkamm auf den Kopf. Serviette rein – und fertig. Wir gingen mit den Serviettenhaltern direkt in Serie, um kleine Geschenke für unsere Freunde zu kleben.

Freundschafts-Erinnerungs-Fest: Süße Hähne
Das Rezept bekam ich im ersten Kindergarten meiner Tochter und ich backe es noch heute gerne. Sie benötigen dafür:
250 g Magerquark
9 EL Öl
9 EL Milch
120 g Zucker
1½ Päckchen Vanillezucker
1½ Päckchen Backpulver
450 g Mehl
Zuerst werden Quark, Öl, Milch, Zucker und Vanillezucker verrührt Anschließend werden portionsweise Mehl und Backpulver untergeknetet. Den Teig nicht zu dünn ausrollen, Hähne ausstechen und im vorgeheizten Ofen bei 175 Grad 15 Minuten backen.

Ich wünsche Ihnen für diese Osterzeit ein hoffnungsvolles und kreatives Freundschafts-Erinnerungs-Fest!

Katrin Grieco ist Sozialpädagogin und Kinderbuchautorin für bunte Geschichten mit rotem Faden. Sie liebt es, biblische Geschichten für Kinder lebendig werden zu lassen, wie in ihrem Buch „Wenn Frösche Feste feiern“.

„Das schaffst du doch mit links!“ Linke Hand – rechte Hand

Ein Interview mit der Psychotherapeutin Dr. Johanna Barbara Sattler zu der Frage, ob Kinder, die mit der linken Hand malen, essen und basteln, dies genauso geschickt können wie ihre rechtshändigen Freundinnen und Freunde.

Ab welchem Alter können Eltern erkennen, ob ihr Kind Rechts- oder Linkshänder ist?

Bei manchen Kindern sieht man es schon sehr früh. Bei den meisten klärt es sich bis zum Alter von drei bis vier Jahren. Wenn es bei einem Vierjährigen noch nicht klar ist, sollte man mit dem Kinderarzt sprechen, was die Gründe dafür sein könnten. Bei diesen Kindern gibt es manchmal auch motorische Probleme oder Auffälligkeiten. Dann ist es sinnvoll, therapeutisch einzugreifen.

Manche Eltern, deren Kind häufig die linke Hand benutzt, hoffen, „dass sich das noch gibt“. Ist diese Hoffnung berechtigt?

Bei Linkshändern ist die gegenüberliegende, also die rechte Gehirnhälfte motorisch dominant, sie gibt die stärkeren Signale. Eltern sollten nicht versuchen, das Kind zur Benutzung der rechten Hand anzuregen oder es gar umzuschulen. Denn wenn ein Kind in die falsche Händigkeit kommt, kann das negative Auswirkungen haben wie Konzentrationsstörungen oder Lernschwierigkeiten. Deshalb sollten Eltern nicht versuchen, das Kind zu beeinflussen. Wenn die Händigkeit unklar ist, sollten sie zum Beispiel das Besteck mittig in den Teller legen und dem Kind die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, welche Hand es nimmt.

Und wenn Eltern sicher sind, dass das Kind ein Linkshänder ist?

Dann sollten sie das Glas oder Besteck auf die linke Seite legen oder stellen. Damit verhindern sie, dass das Glas umfällt oder dass der Ärmel immer durch die Suppe geht. Außerdem sollten sie rechtzeitig auf eine lockere Mal- und Schreibhaltung bei ihrem Kind achten. So helfen sie dem Kind, dass es später nicht über das gerade Geschriebene wischt und dass es den Text gut lesen kann und nicht mit der Hand verdeckt. Dazu gibt es für linkshändige Kinder auch vorbereitende Kindergruppen, die seit der Coronapandemie auch online angeboten werden.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Linkshänder und Linksfüßer?

Was wir mit den Händen und was wir mit den Füßen tun, ist grundlegend unterschiedlich. Füße brauchen Gleichgewicht. Um mit einem Bein zu schießen, muss man auf dem anderen Bein gut stehen können. Deshalb kommt es oft vor, dass ein Kind, das eigentlich linkshändig ist, mit dem rechten Fuß schießt – und umgekehrt.

Sollten Eltern die ErzieherInnen im Kindergarten auf die Linkshändigkeit hinweisen?

Ich würde nachfragen, wie sie mit Linkshändern umgehen und ob sie Linkshänder-Scheren haben. Es ist auch wichtig, dass das Kind beim Essen und Basteln nicht rechts von einem Rechtshänder sitzt, sonst kommen sich die beiden in die Quere.

Interview: Bettina Wendland

Dr. Johanna Barbara Sattler leitet die erste deutsche Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder.

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Medientipps
www.linkshaender-beratung.de
Mein Linkshänder-Starterset (Auer Verlag): Die Box enthält Anspitzer, Schere, Stifte-Grips, Schreibtischvorlage und Elefantenrüssel als Abstandhalter für das Schreibenlernen in der Kita sowie ein Heft mit Infos zur Linkshändigkeit.
J. B. Sattler: Schreibvorübungen für Linkshänder mit Jobasa (Auer Verlag): Das Buch hilft linkshändigen Vorschulkindern, eine lockere Schreibhaltung zu entwickeln.

Warum Langeweile für unsere Kinder wichtig ist

Alle Eltern haben ihn schon einmal gehört. Den Satz, der wie zu lange gekautes, zähes Kaugummi klingt: „Mir ist laaangweilig.“ Was kann ich tun, wenn mein Kind mir immer wieder an den Beinen hängt und scheinbar nichts mit sich anfangen kann?
Warum sich quälen? Langweile ist doch eigentlich wunderbar, oder? Als Eltern würden wir uns diesen Zustand manchmal herbeiwünschen. Doch das Kind empfindet eine unangenehme innere Unruhe. Dieser innere Zustand kann auch als ein Austarieren zwischen Konsumieren von externen Reizen und dem eigenen kreativen Ideenreichtum betrachtet werden.

Anregung von Außen

Wenn Kinder es gewohnt sind, im Kindergarten, von älteren Geschwistern oder den Eltern beschäftigt zu werden, dann fehlt ihnen im Zustand der Langeweile genau diese externe Anregung. Doch wie wichtig für die kindliche Entwicklung sind Zeiten ohne Input von Außen, in denen das Kind eigene Ideen entwickeln kann. Gönnen wir unserem Kind diese Zeiten, wo es Gebrauch machen kann vom eigenen schlauen Köpfchen und zu selbstwert-stärkenden Erlebnissen kommen kann. Wie gut fühlt es sich an zu sagen: „Das habe ich allein gemacht!“

Schweigend dazusetzen

Halten wir Momente der Langeweile einfach einmal aus, ohne unser Kind mit unseren Ideenkatalogen einzuwickeln. Schließlich wollen wir keine Konsumenten heranziehen, die sich durch ihre eigene Langweiligkeit langweilen. Vielmehr wünschen wir uns Kinder mit kreativen Köpfen, die lernen zu agieren – anstatt immer nur zu reagieren. Halten wir die Momente aus, setzen uns schweigend dazu und schauen, was die kleinen Leute für sich entdecken.
Langweilen wir uns mal gemeinsam. Dabei kann es auch passieren, dass wir plötzlich über Dinge sprechen und uns gegenseitig erzählen, die nur auftauchen, wenn der Unterhaltungsmodus eben mal ausgeschaltet ist und die innere Unruhe überwunden.

Ihre Johanna Walter

 

 

Geschwister – zusammen in einem Zimmer?

Das Baby ist aus der Stillzeit raus und die große Schwester möchte, dass der kleine Bruder mit im Zimmer schläft.  Halten sich die beiden aber nicht gegenseitig vom Schlafen ab? Was sollte man bei der Zusammenlegung beachten?

Das Wichtigste, was Kinder zum guten Leben brauchen, ist das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, Wärme, Nähe und Vertrauen. Dieses urmenschliche Grundbedürfnis endet gerade nicht mit dem Sonnenuntergang und auch nicht mit der Stillzeit. Wenn es Abend wird und die Nacht heranbricht, dann meldet es sich in besonderer Weise, denn seit Anbeginn der Zeit suchen wir Schutz vor der Dunkelheit.
Auch wenn dieses Bedürfnis in erster Linie von den Eltern gestillt wird, so spielen doch auch Geschwister eine ganz maßgebliche Rolle. Das gemeinsame Schlafen kann dabei ein wichtiger Baustein sein, der meiner Erfahrung nach für alle nur Vorteile mit sich bringt! Die Nächte werden ruhiger. Die Gegenwart des anderen, sein Atmen und das Rascheln der Bettdecke teilen mit, was ein kleiner Mensch besonders nachts dringend wissen muss: Ich bin nicht allein, ich bin Teil dieser Herde. Ich rieche den Duft, der mir vertraut ist, das Dunkle kann mir nichts anhaben, und ich kann getrost schlafen. Selbst im Krankheitsfall hat dieses Zusammenspiel eine außerordentlich beruhigende und entlastende Wirkung.

Bemerkenswert tiefer Schlaf
Natürlich wird am Abend noch ein wenig geflüstert, werden kleine Geheimnisse geteilt, Geschichten erzählt und Ängste besprochen, von denen Eltern gar nichts wissen müssen. Kaum etwas stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl mehr, kaum etwas lässt Geschwister einander näherkommen. Schlafrhythmen passen sich einander an, und recht schnell gehen Zusammenschläfer gemeinsam zu Bett und stehen auch gemeinsam wieder auf. Die Chancen für Eltern, am Wochenende ein Stündchen länger unbehelligt zu bleiben, steigen sprunghaft an, denn man kann sich durchaus ein Weilchen miteinander beschäftigen, ein Hörspiel hören und etwas spielen.
Davon abgesehen sehen auch Vierjährige schon ein, warum es nicht klug wäre, das schlafende Geschwisterkind zu wecken. Gemeinsam kann man Vereinbarungen treffen, was in solchen Fällen zu tun ist, zum Beispiel ruhig den Raum verlassen und anderweitig auf Suche nach Unterhaltung gehen. Umgekehrt haben Kinder, wenn sie denn einmal eingeschlafen sind, einen bemerkenswert tiefen Schlaf. Ein weinendes Baby oder Kleinkind kann aus dem Bettchen genommen werden, ohne dass das Geschwisterkind davon gestört würde.

Private Schatzkiste
So viele Vorteile das Zusammenschlafen von Geschwistern auch bietet, so wichtig sind klare Regeln für das gemeinsame Leben. Bei uns haben sich zum Beispiel Schatzkisten bewährt, in denen persönlichste Besitztümer aufgehoben werden und an die Mitbewohner keinesfalls drangehen dürfen. Es braucht Rückzugsmöglichkeiten und Räume des Privaten. Das Bedürfnis nach Privatsphäre und einem eigenen Raum wächst mit den Jahren und steigenden Alltagsherausforderungen. Mit Eintritt in die weiterführende Schule und dem Anklopfen der Pubertät braucht es nach Möglichkeit ein eigenes Zimmer, sei es noch so klein, und eine Tür, die man fest hinter sich zu machen kann.

Sandra Geissler lebt mit ihrer Familie in Nierstein und bloggt unter 7geisslein.wordpress.com.

Mein Kind (3 Jahre) hört nicht auf Nein!

Mit drei Jahren ist Ihr Kind noch klein. Oft erwarten wir von Kindern in diesem Alter zu viel Kooperation. Besonders das „Hören“ auf Zuruf funktioniert in dieser Phase oft noch nicht. Wenn Kinder sich ein Ziel gesetzt haben (zum Beispiel auf das höchste Klettergerüst auf dem Spielplatz kommen), dann ist der kindliche Fokus genau dort und nicht bei dem, was Sie sagen.
Auch die Gründe für Ihre Verbote kann es selbst noch nicht abschätzen, sodass es ihm noch schwerer fällt, seine Aktivität zu stoppen. Das, was Ihr Kind tut, ist in diesem Moment sehr wichtig für es und es fällt ihm schwer, umzudenken.

Ruhig und sanft
Was Ihr Kind in solchen Momenten wirklich braucht, ist Ihre Begleitung. Wenn Sie beobachten, dass es etwas tut, was es nicht soll, dann gehen Sie zu ihm. Erklären Sie in ruhigen und wenigen Worten, dass das nicht geht. Und wenn Ihr Kind es trotzdem tun möchte, nehmen Sie es sanft aus der Situation. Es ist völlig in Ordnung, ein kleines Kind wegzutragen oder festzuhalten, wenn es dabei ist, sich in Gefahr zu bringen oder andere Dinge zu tun, die nicht gewollt sind.
Es kann sein, dass Ihr Kind dann mit Wut oder Trauer reagiert. Hier ist es wichtig, dass Sie diese Gefühle begleiten und sie ihm nicht übelnehmen. Wenn er jetzt schreit, weint, sich auf den Boden wirft, sie beschimpft oder vielleicht sogar hauen will, dann liegt das daran, dass er in diesem Moment sehr frustriert und sein kleines Nervensystem überfordert ist.

Härte bringt nichts!
Genau deshalb würde auch „mehr Härte“ nichts bringen. Ihr Kind würde den Zusammenhang zwischen einer Strafe und seinem Verhalten gar nicht verstehen, sondern nur mitnehmen, dass Sie etwas für Ihr Kind Unangenehmes tun. Zudem schaden Strafen Ihrer Beziehung zueinander, und Konfliktsituationen verschärfen sie mittelfristig eher, als dass sie sich dadurch lösen lassen.
Ein Gedanke zum Schluss: Die Entwicklungsphase, in der Ihr Kind sich befindet, ist sowohl schön, als auch herausfordernd. Gerade wenn es sehr unternehmungsfreudig und willensstark ist, kann es in dieser Zeit auch anstrengend werden. Das Letzte, was Sie in schwierigen Situationen brauchen, sind Menschen, die Ihnen durch „Ratschläge“ noch mehr Druck aufbürden. Ich möchte Sie ermutigen, solche Sätze zukünftig zu ignorieren und mit Ihrer Aufmerksamkeit ganz bei sich und Ihrem Kind zu bleiben.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern- und Familienberaterin (familienberatung-albert.de). Sie lebt mit Ihrem Mann und Ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel und bloggt unter www.eltern-familie.de

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Exklusiv-Zeiten mit Kind

Der Alltag mit Kindern ist zum Staunen schön, immer wieder herausfordernd und durch ständige Wiederholungen auch mal langweilig und frustrierend. Dabei denke ich an Haushaltstätigkeiten, die zwar eine wichtige Basis für einen guten Alltag legen, jedoch niemals abgeschlossen und recht gleichförmig sind. Ihr wisst schon – Wäsche, Krümel und Co.
Doch diese unaufgeregte Regelmäßigkeit im Alltag tut Kindern gut. Sie vermittelt Sicherheit durch bekannte Abläufe und eine Verlässlichkeit des Kosmos, in dem das Kind sich bewegt.
Denken wir als Eltern an unsere Kindheit zurück, ist es allerdings weniger diese wohltuende Gleichförmigkeit, sondern da sind es eher die besonderen Momente, die im Gedächtnis bleiben. Dieser eine Urlaub, Kindergeburtstage, Weihnachten, etc. Es sind Ereignisse, die sich von der Form des Gewohnten abheben.
Aus diesem Grund haben mein Mann und ich uns entschieden, dass wir mit den Kindern immer mal wieder kleine oder größere Highlights erleben möchten. Das Leben miteinander feiern, sich etwas gönnen und dabei zumindest etwas aus dem Rahmen fallen.
Gerne gehe ich mit nur einem der Kinder mal ins Café, einen heißen Kakao trinken. Oder eine Fahrradtour zu zweit, mit Picknick im Gepäck. Am nächsten Tag verbringt dann mein Mann mit dem nächsten Kind eine exklusive Zeit. Denn eins ist klar, fängt man damit an, kommen alle dran.
Zum zehnten Geburtstag unserer Zwillinge haben wir jedem einen eigenen Urlaub geschenkt. Sie durften im Voraus bereits wählen: Mama oder Papa und was sie erleben möchten.
So kam es, dass mein Mann mit einer Tochter einen Abenteuerurlaub mit Campen und Kajak fahren unternommen hat und ich mit der anderen Tochter einen Wellness-Urlaub in einem Hotel mit Pool. Der Pool war ihr sehr wichtig. Ja, ich habe es sehr genossen. Die Zweisamkeit mit meiner Tochter, diese Freiheit auf ihre Wünsche einzugehen, ohne nach den Anderen zu sehen, ohne mich um alltägliche Wiederholungen zu bemühen. So sind wir zum Beispiel morgens um sieben, nach dem Aufwachen, erst einmal in den Pool gesprungen und anschließend zum Frühstück. Dieses Kind hat durchgehend aus allen Knopflöchern gestrahlt und diese exklusive Zeit in vollen Zügen genossen.

Zeit, die Verbundenheit zu spüren, ungestört zu genießen und sie zu stärken. Exklusiv. Herznachhaltig. Für Kind und Elternteil.
Gerne mache ich Ihnen Mut, sich solche Zeiten regelrecht zu gönnen. Gerade für Kinder mit mehreren Geschwistern können solche Exklusiv-Zeiten sehr wertvoll sein. Diese Zeiten vermitteln: „Ich bin es wert, dass meine Mama, mein Papa das ganz alleine mit mir macht.”
Zuhause haben wir unsere Koffer ausgeräumt, von unseren Erlebnissen erzählt und uns wieder in den Alltag und die Familie eingegroovt. Mit einem dankbaren Grinsen im Gesicht.

Eure Johanna Walter

www.johannawalter.de

„Mein Kind hat Angst vor dem Zahnarzt!“

Wenn Ihr Kind sich zweimal am Tag die Zähne gut putzt, ist die wichtigste Basis für die Zahngesundheit gelegt. Sicherlich wäre es gut, wenn der Zahnarzt die Zähne dennoch kontrollieren könnte.
Ich empfehle, sehr geduldig und behutsam den Zahnarztbesuch vorzubereiten und nicht mit Druck oder Zwang zu arbeiten. Folgende Schritte könnten helfen:

> Spielen Sie zu Hause in einem Rollenspiel „Zahnarzt“. Besorgen Sie dazu einen kleinen Mundspiegel, um das Spiel realistischer gestalten zu können, gern auch eine Maske und vielleicht eine OP-Haube. Lassen Sie Ihre Tochter zuerst selbst Arzt spielen, Sie sind die Patientin. Versuchen Sie dann beim nächsten Mal, einen Rollentausch vorzuschlagen. Natürlich sollte bei diesen Spielen alles gut und schmerzfrei ablaufen.

> Lesen Sie Kinderbücher zum Thema vor (z. B. „Conni geht zum Zahnarzt“) und zeigen Sie diese Geschichte als Video (online zu finden).

> Eine langsame Gewöhnung durch ein bis zwei Besuche, bei denen keine Kontrolle bei Ihrem Kind geplant ist, sondern es nur die Räume kennenlernt und beobachtet, kann helfen – vielleicht auch bei einem Termin von Ihnen oder eines anderen Kindes, das es kennt.

> Manchmal wirkt Ablenkung Wunder, etwa wenn das Kind während des Zahnarztbesuchs auf dem Handy einen Clip ansehen darf.

> Kindern fällt es noch schwer, langfristig zu denken und dafür kurzfristig Unangenehmes in Kauf zu nehmen. Da ist es hilfreich, ihnen kleine Motivationsanreize zu schaffen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, warum der Zahnarztbesuch so wichtig ist und überlegen Sie mit ihr, welche kleine Belohnung ihm helfen würde, seinen Mut zusammenzunehmen.

> Vielleicht kann die Oma, der Onkel oder eine andere vertraute Person, die Ihr Kind noch nie zum Zahnarzt begleitet hat, viel unbefangener mit der Situation umgehen und dadurch mehr Gelassenheit ausstrahlen, weil sie noch nicht selbst erlebt hat, wie schwierig die letzten Besuche waren. Auch Kinder reagieren oft je nach Bezugsperson unterschiedlich. Besprechen Sie aber vorher, wie viel „Ermutigen“ okay ist und wann der Versuch angebrochen werden soll.

> Sollte das alles nicht helfen, könnte auch ein Wechsel des Zahnarztes helfen – vielleicht zu einer Praxis, die auf Angstpatienten spezialisiert ist? Auch hier können die veränderten Bedingungen dem Kind helfen, festgefahrene Muster loszulassen.

Melanie Schüer ist Erziehungswissenschaftlerin, verheiratet, Mutter von zwei Kindern und als freie Autorin und Elternberaterin tätig (www.elternleben.de).

„Heute mal bildschirmfrei!“

Sie sind bei Freunden zu Besuch, sitzen mit den Eltern gemütlich am Tisch, trinken guten Kaffee und die Kinder beschäftigen sich selbst. Die Geräuschkulisse liegt leicht über dem Normbereich, ab und an schreit einer, knallt etwas.
Doch irgendwann fällt Ihnen auf, dass es ungewöhnlich leise geworden ist. Zu leise. Sie stehen auf, um einmal nachzusehen. Im Wohnzimmer läuft der Fernseher! Die eben noch wuseligen Kinder sitzen still da, unverwandt auf den Bildschirm starrend, von farbigen Bewegungen und Klängen in den Bann gezogen. Sie sind verärgert, dass im Fernsehen ein Film läuft, den Ihr Kind eigentlich noch gar nicht sehen darf. Ihre Freunde sehen da gar kein Problem und finden, dass Sie übertreiben. Es sei wichtig, dass Kinder einen Umgang mit den Medien lernen.

Faszination Bildschirm

Ist es nicht erstaunlich, welche Faszination Bildschirme auf Kinder haben?
Wir leben in einer Zeit, die zunehmend digitaler wird. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, wie ich finde. Was wir brauchen, ist ein mündiger Umgang damit. Doch das Thema Bildschirmzeit führt in vielen Familien immer wieder zu Auseinandersetzungen. Was tut meinem Kind gut, was schadet ihm? Wichtig ist auch, die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Kinder im Blick zu haben. Sehr sensible Kinder sind beispielsweise deutlich schneller von Reizen überflutet, sodass eine besondere Achtsamkeit bei der Film-Auswahl guttut. Und viele Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder auch ohne Bildschirm spannende Zeiten erleben und genießen können.

Praxisnaher Ratgeber

In dem wissenschaftlichen Ratgeber „Heute mal bildschirmfrei. Das Alternativprogramm für ein entspanntes Familienleben” von Prof. Dr. Paula Bleckmann und Ingo Leipner finden Sie viele Ideen dazu. Die Autoren begegnen den Lesern in dem leicht zu lesenden Büchlein nicht dogmatisch, sondern mit viel Verständnis für die Herausforderungen des Alltags mit Kindern in einer medial geprägten Welt. An über hundert alltäglichen Beispielen aus der Praxis werden jede Menge kleine und größere Ideen zum Umgang mit Medien geliefert. Beginnend mit der Frage, ob digitale Betthupferl für Babys sinnvoll sind, über den Barbie-Laptop von Oma als Geschenk zum vierten Geburtstag, Fernsehen als Belohnung bis hin zu Smartphone- und Social-Media-Nutzung bei Teenagern.

Matschepfützen selbst erleben

Der Umgang mit Medien bleibt ein allgegenwärtiges Thema in unserer heutigen Zeit und begleitet uns und unserer Kinder immer mehr. Die gute Nachricht ist: wir können den Umgang damit selbst gestalten.
Lassen wir die Kinder doch erst einmal selbst mit kleinen knallbunten Gummistiefeln in Pfützen herumhüpfen, und spüren, wie nass dreckig alles wird, bevor sie Peppa Wutz in Matschepfützen plantschen sehen. Lassen wir sie mit Pinsel und Stift die Wände vollkritzeln, Teig kneten, mit dem Hammer Nägel in Holzblöcken versenken, bevor sie auf dem Tablet herumwischen.
Für die gesunde Entwicklung von Kleinkindern sind haptische und sinnliche Erfahrungen, die in der Bewegung und im Spiel stattfinden, wichtig. Sie sind entscheidend für die Entwicklung des Gehirns, für die Herausbildung des Raum-Zeit-Gedächtnisses und grundlegend für Denken, Lernen, Handeln und Intelligenz.
Schenken wir unseren Kindern viele Möglichkeiten die Welt mit allen Sinnen zu erleben. Viel Spaß dabei.

Herzliche Grüße,
Ihre Johanna Walter

 


Prof. Dr. Paula Bleckmann, Ingo Leipner: Heute mal Bildschirmfrei – Das Alternativprogramm für ein entspanntes Familienleben (Knaur Verlag)

Web-Tipp für Eltern: www.schau-hin.info

 

 

 

 

 

„Meine Tochter hängt an mir!“

Es gibt Kinder, die folgen ihren Eltern auf Schritt und Tritt. Ist es zu viel von einer Dreijährigen verlangt, auch mal allein zu spielen?

Grundsätzlich können sich die meisten Dreijährigen entwicklungsbedingt gut allein beschäftigen, in der Gewissheit, dass eine vertraute Person in ihrer Nähe ist. In einem normalen Alltag lernen sie das „nebenbei“. Wenn Ihr Kind immer noch auf Schritt und Tritt in Ihrer Nähe bleibt, hat es dafür vermutlich seine „guten Gründe“.

Besondere Herausforderungen
Um das besser zu verstehen, ist es hilfreich, die Lebensgeschichte Ihres Kindes näher anzuschauen: Waren oder sind Sie und Ihr Kind mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, wie etwa dem Verlust einer nahestehenden Person durch Trennung oder Tod, Krankheit, traumatische Geburt, Klinikaufenthalte oder unangemessene Eingewöhnung? Solche und andere „stressende“ Erfahrungen können dazu beitragen, dass Kinder mehr Zeit und elterliche Zuwendung brauchen, um (wieder) die nötige Sicherheit und Vertrauen ins Leben zu gewinnen und ihre Selbstständigkeit zu entfalten.
Es ist gut, dass Sie als wichtigste Bezugsperson – soweit möglich – ganz für Ihr Kind da waren, um das Urvertrauen (wieder) zu festigen, sich mit ihm beschäftigen, wenn keine anderen Kinder da sind, und sie in Ihren Alltag einbinden. Genauso richtig und wichtig ist es aber auch, dass Sie Ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, wie zum Beispiel etwas für sich allein machen oder sich ausruhen wollen. Indem Sie dies ausdrücken und umsetzen, erfährt Ihr Kind: „Andere Menschen haben auch Bedürfnisse, die beachtet werden müssen“ – eine wichtige Voraussetzung für soziales Verhalten.

Freiraum gewinnen
Um mehr Freiraum für Sie als Mutter zu schaffen und gleichzeitig die Entwicklung kindlicher Selbstständigkeit zu fördern, können regelmäßige Zeiten mit anderen Bezugspersonen wie Papa, Oma oder anderen Kindern sehr hilfreich sein. Wenn Sie und Ihr Kind alleine sind, könnten Sie zum Beispiel mit einer Sanduhr oder Uhr (mit Zeiger) kleine Auszeiten einführen: Nachdem Sie zusammen eine gute Zeit hatten, erklären Sie Ihrer Tochter klar und kurz: „Ich gehe jetzt…(Ort) und mache …(Handlung). Du kannst so lange… (Spielvorschlag). Wenn die Zeit um ist (siehe Uhr), komme ich wieder.“ Wichtig: Handeln Sie genauso wie angekündigt.

Aufgrund der vorangehenden Erfahrungen: „Mama ist immer für mich da, so wie ich es möchte“ wäre es verständlich, wenn Ihre Tochter erstmal „protestiert“. Das darf sie! Und Mama darf sich trotzdem um ihre eigene Angelegenheit kümmern. Sie ist ja in der Nähe (wenn auch im anderen Raum) und kommt zurück, wie versprochen. Danach geht es wieder gemeinsam weiter. Sie als Mama fühlen sich freier und Ihr Kind hat gelernt: Auf Mama ist Verlass! Und wir bleiben verbunden in einer guten Balance von Zeiten der Gemeinsamkeit und des „Für-sich-Seins“.

Beate Döbel ist systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin (www.therapiepraxis-doebel.de).

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Kreativ-Ideen für den Sommer

Endlich Sommer! Ich liebe diese herrliche Jahreszeit, in der die Natur zum Wohnzimmer wird. Wir können zwischen drinnen und draußen wechseln ohne Jacke und ohne Schuhe, lediglich mit Sonnencreme und Wassermelone unterm Arm. Für Kinder ist es eine Zeit, in der sie draußen viele sinnliche und haptische Erfahrungen sammeln können. Diese Erfahrungen sind neben dem Spaß-Faktor sogar richtige Booster für die kindliche Gehirnentwicklung. Eltern können ihre Kinder ganz leicht fördern – mithilfe der Natur: Erfahrungen mit Wiese, Wald und Wasser. Matschküche, barfuß laufen, im Regen tanzen, über Steine klettern.

Hier sind zwei Ideen aus unserem Sommer-Kreativ-Gepäck:

1. Die kreative Kiste
Wenn wir einen längeren Ausflug in Feld-Wald-Wiese planen, nehme ich gerne unsere kreative Kiste mit ins Gepäck. Die Natur lässt erfinderisch werden und eigentlich braucht es zum Spielen auch keine weiteren Zutaten. Doch hin und wieder ist diese Kiste eine dankbare Ergänzung zum Werkeln und Kreativwerden. In unserer Kreativkiste befinden sich:
– Schnitzmesser
– kleiner Hammer und Nägel
– Kordel
– dünner Draht
– bunte Perlen
– Stoffreste
– Zange
– Edding
– …

Damit sind kleine Naturkünstler herrlich angeregt und beschäftigt. Sie können zum Beispiel aus Holzfünden unterschiedliche Boote bauen und sie im Bach schippern lassen. Oder mit Ästen, Stoff und Perlen bunte Windspiele zaubern, um sie im Garten aufzuhängen.

2. Die Spülschwamm-Schlacht
Wer in den heißen Tagen keinen Pool im Garten hat und keine Nerven oder Tickets mehr fürs Freibad bekommen hat, dem sei diese Art der Abkühlung geraten. Man braucht dafür ein paar Päckchen Spülschwämme, zwei Eimer mit kaltem Wasser und Kinder. Der Rest ist selbsterklärend. Wasserbombenschlacht mal nachhaltig, ohne erst mühselig die kleinen Luftballons am Wasserhahn zu füllen und nachher die Plastikfetzen einsammeln zu müssen. Auf die Schwämme, fertig, los!

Ich wünsche Ihnen einen kreativen Sommer mit angenehmen Erfrischungen.

Ihre Johanna Walter