Kinder brauchen Geschichten

„Die Feldmäuse sind fleißig damit beschäftigt, Vorräte für die langen Wintermonate zu sammeln. Nur einer beteiligt sich nicht daran: Frederik. Er liegt in der Sonne, schaut sich die Wolken an, schnuppert an den Blumen und saugt ihren Duft ein, staunt über die bunten Herbstfarben. Als die anderen Feldmäuse ihn ansprechen, warum er denn keine Vorräte für den Winter sammelt, antwortet Frederik: „Aber das tue ich doch, ich sammle Farben für den Winter“.
Wie wertvoll diese besonderen Vorräte sind, entdecken die anderen Mäuse, als während der langen dunklen Wintermonate Frederik beginnt, Geschichten zu erzählen, und mit ihnen bunte Herbstfarben, warme Sonnenstrahlen und Blütenduft in die dunkle Winterhöhle zaubert.“

Bilder im Kopf

Eine wunderbare Geschichte, die uns daran erinnert, wie wichtig und wertvoll Geschichten sind. Dies gilt besonders für Kinder. Kinder brauchen Geschichten voller Fantasie und Lebensfreude. Geschichten wie die von der Maus Frederik sind wie kostbare Perlen in unserem Leben.
Es macht einen großen Unterschied, ob ich eine Geschichte wie die von Frederik erzählt oder vorgelesen bekomme, oder ob ich zum Beispiel einen Zeichentrickfilm sehe. Es ist zwar dieselbe Geschichte, aber sie fordert mich ganz unterschiedlich. Wenn ich lese oder vorgelesen bekomme, dann male ich mir in meinem Kopf aus, wie alles ausgesehen hat. Vor meinem inneren Auge sehe ich die Mäuse Vorräte sammeln, sehe Frederik an bunten Blumen schnuppern. Hier ist die Fantasie gefragt, und jeder Leser wird die Geschichte anders in seinem Kopf „bebildern“. Wenn ich aber den Film anschaue, brauche ich keine Fantasie, ich sehe ja schon alles vor mir. Alle Zuschauer haben dieselben Bilder vor Augen — die Vielfalt geht verloren.

Konzentration fördern

Neben der Fantasie wird beim Lesen übrigens noch eine zweite sehr wichtige Fähigkeit trainiert. Wenn die Szene mit den Vorräte sammelnden Mäusen und dem Blumenduft schnuppernden Frederik beschrieben wird, dann braucht das vielleicht eine halbe Buchseite. Es ist, als wenn ich ein Bild male, immer neue Bildelemente hinzufüge, bevor endlich das ganze Bild zu sehen ist. Wenn ich eine Geschichte höre, geschieht genau dasselbe. Ich füge Bild um Bild meiner inneren Vorstellung hinzu, bevor endlich das Gesamtbild erscheint. Das fordert und fördert Konzentration. Beim Film ist das Gesamtbild sofort da, ich brauche mich nicht zu konzentrieren, mir nichts merken. Ich sehe ja alles vor mir.

Gehörte Geschichten sind dadurch viel farbiger und langfristiger in unserer Erinnerung verankert; ein Umstand, den wir auch gerade für biblische Geschichten nutzen sollten. Die Evangelien enthalten mündlich überlieferte Geschichten, die erst viel später aufgeschrieben wurden. Wenn wir sie zum Beispiel aus einer Kinderbibel vorlesen oder sogar mit eigenen Worten nacherzählen, dann prägen sie sich unseren Kindern umso lebendiger ein und werden zu einem wertvollen Geschichten-Perlen-Schatz, der unsere Kinder ihr Leben lang begleiten wird.

Uwe Lal ist Pädagoge und Kindermusiker.

„Unsichtbar!“ Von kindlichem Glauben und elterlicher Verantwortung

Große runde Kinderaugen schauen mich an. Wir sind auf dem Weg zum Rhein, wollen mit der Fähre fahren und am anderen Ufer ein Eis essen. Kurz vor der Anlegestelle wird Leopold, unser Fünfjähriger, ganz zappelig und unruhig. Dann bleibt er stehen und will wissen: „Fahren wir wirklich mit der Fähre? Mit einer richtigen Fähre?“ Ich wundere mich. Wieso ist das jetzt so spannend? In unserem letzten Urlaub sind wir fast täglich mit kleinen Booten von Insel zu Insel geschippert. Woher kommt also jetzt diese Aufregung?
„Ja, gleich sind wir da und dann nehmen wir die Fähre, um auf die andere Seite zu kommen.“ „Geht das echt? Cool! Obwohl die Atmosphäre unsichtbar ist? Fahren wir gleich mit einem unsichtbaren Boot, Mama?“ Jetzt verstehe ich, woher die Aufregung kommt. Unser kleiner Raumfahrtexperte muss irgendetwas über die Atmosphäre aufgeschnappt haben, die ja bekanntermaßen unsichtbar ist. Nein, unsere Fähre ist nicht unsichtbar, erkläre ich ihm.

Erstaunlicher Reichtum

Noch Tage später muss ich an diese Situation denken. Dieses kleine Kind hat es für einen kurzen Moment für möglich gehalten, dass wir gleich ein unsichtbares Schiff betreten. Einfach nur, um eben mal ein Eis essen zu gehen. Was für ein Reichtum an Fantasie und Möglichkeiten in so einem Kinderhirn möglich und lebendig ist! Schönes und Wundersames, Verrücktes und Beängstigendes und viel Wahres steckt in diesen Köpfen. „Fahren wir gleich mit einem unsichtbaren Boot?“ „Wenn man das Schwimmbad mit Eiscreme füllen würde, müsste ich dann tausend Jahre essen, bis es leer ist?“ „Wieso sagst du, dass ich keine Angst vor einem Löwenkopf haben muss, der plötzlich durch die Wand kommt? Schließlich erzählst du ja auch, dass Jesus durch Wände gehen konnte.“
Die Welt mit Kinderaugen betrachten zu dürfen, kann auch bereichernd für uns sein und uns in unserer Erzählweise herausfordern und hinterfragen. Die Frage nach dem Unsichtbaren, Übernatürlichen, nach den Engeln, nach Jesu Wundern und auch nach der Art, wie er Dinge tat, stellen wir uns die noch? Wieso bin ich mir so sicher, dass die Atmosphäre unsichtbar ist und wieso glaube ich, dass Jesus zwar durch Wände gehen kann, sonst aber nichts?

Geschenk und Verantwortung

Die Kinder hängen an unseren Lippen, wenn wir ihnen Geschichten erzählen. Darüber kann man so viel vermitteln. In ihren Köpfen ist noch alles möglich. Was für ein Geschenk, diese kleinen Kinder mit Gutem zu füllen. Aber auch was für eine Verantwortung. Die Kinder hören mit Kinderohren. Alles Übernatürliche, alles Neue und Fantastische wird deutlich stärker aufgenommen. Aber auch alles, was ihnen Angst macht, bleibt hängen. Wir können nur hoffen und beten, dass eines am Stärksten in ihren Herzen haften bleibt und sie auch dann noch begleitet, wenn das Leben sie ernüchtert hat: der Eindruck von Gottes liebendem Wesen.

Von Maren Seitzinger

Dieser Text ist zuerst in der Zeitschrift „Kleine Leute – Großer Gott“ erschienen. „Kleine Leute – Großer Gott“ ist ein Materialheft für alle Leiter und Mitarbeiter, die mit Kindern im Kindergarten- und Vorschulalter arbeiten.

Feste Medienzeiten für Kindergarten-Kinder?

Unsere Handys, Tablets und Fernseher üben auch auf die Kleinsten eine große Anziehungskraft aus. Feste Medienzeiten für Kinder im Kindergartenalter machen Sinn, sobald diese ein eigenes Interesse daran entwickeln. Oft geht es in diesem Alter um das Schauen von Filmen oder Kinderserien.

Einen Rahmen schaffen

Wenn Ihr Kind in Ihrer Familie oder außerhalb mit Kinderserien in Kontakt gekommen ist und sich das nun regelmäßig wünscht, ist es sinnvoll, einen Rahmen dafür festzulegen. Wie Sie diesen gestalten, hängt mit Ihrem eigenen Medienverhalten zusammen. Wenn Sie zu Hause klassisch fernsehen, können Sie zusammen mit Ihrem Kind eine altersgerechte Sendung aussuchen, die es jeden Tag schauen darf. Die Sendezeit sollte gut in Ihren Familienalltag passen und nicht direkt vor dem Zu-Bett-Gehen liegen, weil sich TV-Konsum häufig negativ auf den Kinderschlaf auswirkt.
Wenn Sie zu Hause eher Streamingdienste nutzen, können Sie Ihrem Kind darüber ermöglichen, eine Serie zu sehen. Auch hier macht es Sinn, eine feste Zeit am Tag auszusuchen (zum Beispiel vor dem Abendessen). Sie sollten in diesem Fall vorher absprechen, wie lange Ihr Kind seine Serie schauen darf. Oft haben Serien für diese Altersgruppe eine Episodenlänge von ungefähr zwanzig Minuten, was ich persönlich für eine sehr sinnvolle Länge halte. Am Wochenende oder in Ausnahmefällen kann diese Zeit natürlich auch mal überschritten werden.
Egal, ob Ihr Kind klassisch Fernsehen schaut oder eine gestreamte Folge, sollten Sie darauf achten, dass Sie währenddessen in der Nähe sind und mindestens mit einem Ohr mitbekommen, was auf dem Bildschirm passiert. Schaut Ihr Kind eine Serie zum ersten Mal, ist es gut, wenn Sie sich dazu setzen, um sich selbst einen Eindruck von dem zu verschaffen, was gezeigt wird.

Games und Konsolen

Gerade ältere Kindergartenkinder entwickeln auch Interesse an mobilen Games oder Spielekonsolen. Auch hier gibt es wunderbare, für diese Altersgruppe geeignete Apps und Spiele, die Sie nutzen können. Wenn Ihr Kind das möchte, können Sie es als Alternative zum Fernsehen anbieten. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, dass jeden Tag nur eines von beidem stattfinden kann, um die tägliche Bildschirmzeit nicht zu lang werden zu lassen. Achten Sie bei der Auswahl der Spiele darauf, dass keine In-App-Käufe nötig sind, denn sonst wird die Mediennutzung entweder sehr teuer oder für Ihr Kind frustrierend.
Insgesamt möchte ich Sie ermutigen, mit Ihrem Kind zusammen die Welt der Medien zu entdecken und zu nutzen. Wenn Sie Ihre Kinder gut begleiten, kann Medienzeit zu einem weiteren Spaßfaktor im Familienleben werden. Kinder, die selbstverständlich an Medien herangeführt werden, tun sich außerdem später leichter, verantwortungsbewusst mit dem eigenen Medienkonsum umzugehen.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern- und Familienberaterin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel und bloggt unter www.eltern-familie.de.

Kinder brauchen Zuwendung!

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit! Uns Erwachsenen tut es ungeheuer gut, mit einem Menschen zu reden, der uns das Gefühl vermittelt, ganz Ohr zu sein. Wenn unser Gegenüber uns beim Gespräch in die Augen schaut, dann fühlen wir uns ernst genommen. Es fällt uns leicht, zu sagen, was uns wirklich auf der Seele liegt. Wir brauchen solche wohltuenden Gespräche – und unsere Kinder brauchen sie noch viel mehr.

Oasen der Aufmerksamkeit

Kinder neigen dazu, unsere ganze Aufmerksamkeit zu fordern. Sie möchten uns von dem, was sie erlebt haben, erzählen und unsere Aufmerksamkeit ganz für sich haben. Das kann im Alltag manchmal nervig sein, und natürlich müssen Kinder auch lernen, dass sie nicht immer im Mittelpunkt stehen. Umso wichtiger ist es, dass wir nach Gelegenheiten Ausschau halten, in denen wir Kindern Oasen der Aufmerksamkeit einräumen. Zeiten, in denen wir ihnen zeigen, dass wir jetzt ganz Ohr für sie sind, uns ihnen zuwenden und sie wirklich ernst nehmen. Kinder brauchen unsere Zu-Wendung, ganz physisch. Sie brauchen es, dass wir sie anschauen, vielleicht in den Arm nehmen, um ihnen zu zeigen: Jetzt bin ich ganz für dich da, jetzt hast du meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich möchte gerne hören, was du zu sagen hast.

Lassen wir die Gelegenheiten, um Zuwendung zu schenken, nicht verstreichen! Wie oft läuft der Fernseher während der Mahlzeiten und nimmt uns einen Teil unserer Aufmerksamkeit. Wie oft liegt das Handy auf dem Tisch und verlockt dazu, zwischendurch eine Textnachricht zu öffnen.

Staunen lernen

Ich erinnere mich noch gut an die Spaziergänge mit meinen Kindern – hier gab es einen Käfer zu entdecken, da eine Blume zu bestaunen. Ich habe an der Hand meiner Kinder das Staunen über Gottes Schöpfung wieder neu gelernt. Jeder Baum, jede Pflanze, jedes Tier, das wir sehen, kann uns zu einem Gleichnis von Gottes Zuwendung zu uns Menschen werden. An der Hand unserer Kinder können wir das ganz neu erfahren.

Wie ungeheuer groß Gottes Liebe und Zuwendung zu uns Menschen ist, dürfen wir gerade jetzt in der Weihnachtszeit erfahren. Deshalb heißt es auch in einem meiner Weihnachtslieder:

„Gott ist groß, unfassbar groß

und wurde doch so klein.

Als Kind kam er in unsre Welt,

um uns ganz nah zu sein.“

Uwe Lal ist Pädagoge und Kindermusiker. Auf seiner Website www.uwelal.de finden Sie unter „Videos“ ein Weihnachtslied über Gottes Zuwendung zum gemeinsamen Anhören, Anschauen und Lernen.

 

Sternstunde – ein besondere Mutter-Kind-Erfahrung

Wir sind mit unserer dreijährigen Tochter im Urlaub am Meer. Es ist Herbst und die Tage sind kurz. An einem Abend machen wir einen Spaziergang durch die Natur. Im Dunkeln ist unsere Tochter nicht so oft draußen, deshalb ist das Ganze ein bisschen aufregend. Dann bleibt sie stehen: „Was ist DAS denn?“, fragt sie und zeigt nach oben. Ich schaue hin und sehe einen wolkenfreien Himmel und unzählig viele Sterne. Das war mir bis dahin nicht aufgefallen. „Das sind Sterne.“ – „Und woher kommen die Sterne?“ – „Die hat Gott gemacht.“ – „Warum hat Gott die Sterne gemacht?“ Tja, warum hat Gott die Sterne gemacht? Gute Frage … „Mmh, vielleicht einfach, weil sie wunderschön aussehen und weil er uns eine Freude machen möchte?!“, ist mein Vorschlag. „Und dann liegt Gott jetzt da oben in seinem Bett und guckt die Sterne an und freut sich?!“ Ja, bestimmt … Dann stehen wir noch eine ganze Weile mit nach oben gereckten Köpfen da, bis uns die Hälse wehtun.

Sprachlos

Sie sagt nichts mehr. Meinem Kind, das ansonsten ununterbrochen plappert, hat es die Sprache verschlagen. Es staunt nur noch. Ich genieße den Moment und staune einfach mit. Und ich freue mich sehr. Darüber, dass meine Tochter ein bisschen mehr von Gottes wunderbarer Schöpfung entdeckt hat. Darüber, dass sie fasziniert ist und sich von diesen alltäglichen Dingen ganz einnehmen lässt, die für große Leute oft so selbstverständlich sind. Und darüber, dass sie mich zum Staunen „gezwungen“ hat.

Ich frage mich, warum ich (und wohl die meisten Erwachsenen) aufgehört habe, einfach mal stehenzubleiben und zu staunen. Wohl kein Mensch würde behaupten, er fände einen Sternenhimmel (und das gigantische Konstrukt des Weltalls) doof – aber wer, bitteschön, bleibt denn einfach mitten auf dem Gehweg stehen, um den Himmel anzuschauen? Dafür sind wir viel zu erwachsen. Schade, denke ich. Und nehme mir vor, mal wieder öfter zu staunen und innezuhalten. Ist natürlich praktisch, wenn man ein Kind als Alibi dabei hat.

Zeit zum Staunen

Aber ich will mir wirklich Zeit nehmen, mich von den Sternen, Wäldern, Tieren und Menschen faszinieren zu lassen – weil mich die Natur jedes Mal beeindruckt, sprachlos, ehrfürchtig und dankbar macht. Wie unglaublich gut alles zusammenpasst! Da gibt es die Bäume, die im Frühling sprießen und an heißen Sommertagen Schatten spenden, bevor im Herbst die Blätter in beeindruckenden Farben leuchten, um dann runterzufallen und für die Tiere auf dem Boden zum Schutz vor der Kälte zu werden und schließlich dort wieder zu Erde und Nährboden für ebendiesen Baum werden. Wie schlau, dass Schnee weiß ist und damit trübe Tage etwas heller erscheinen lässt. Und überhaupt, jeder Mensch in seiner ganzen Einzigartigkeit, wie er lernt und sich entwickelt, liebt und geliebt werden muss …

In den Tagen nach unserem Spaziergang malt mein Kind fast nur Sterne – dieses Erlebnis scheint sie wirklich tief beeindruckt zu haben. Und ich wünsche mir, dass auch meine „erstaunten“ Eindrücke nachhaltig sind.

Von Natascha Ahlers

Dieser Text ist zuerst in der Zeitschrift „Kleine Leute – Großer Gott“ erschienen. „Kleine Leute – Großer Gott“ ist ein Materialheft für Mitarbeitende im Kindergottesdienst.

Wie kann ich mein Vorschulkind für Zahlen und Buchstaben begeistern?

Am besten funktioniert es spielerisch, indem der „Lernstoff “ an die Interessen der Kinder angepasst wird. Vielleicht starten Sie mit den Helden aus dem TV? Oft gibt es im Merchandising der Serien und Filme einiges an Fördermaterial, wie Spiele, Bilder- oder Malbücher.

Entspannte Stifthaltung

Besonders in der ersten Klasse und im Kindergarten wird noch viel gemalt. Wichtig hierbei ist die entspannte Stifthaltung. Das Kind soll sich nicht verkrampfen, denn dadurch verliert es zum einen die Kraft in den Fingern und zum anderen schnell die Lust, da der Arm oder sogar Kopf und Nacken schmerzen. Durch das Malen am Tisch wird eine von vielen Schulsituationen geübt und darüber hinaus die Fähigkeit zur Konzentration, Genauigkeit, Hand-Auge-Koordination und Ausdauer. Kinder, die nicht gern malen, lassen sich eher motivieren, wenn es um Ihre Helden geht: Suchen sie gemeinsam am PC nach Ausmalbildern. Zu Beginn sollten Sie sich mit Ihrem Kind an den Tisch setzen. Malen Sie beide zusammen das Bild an. Wenn es fertig ist, darf Ihr Kind es aufhängen. Bald schon hat Ihr Kind kein Problem damit, ruhig am Tisch zu sitzen und ein Bild allein auszumalen. Das Gleiche gilt für Arbeitsblätter. Je nach Thema findet man jedoch kaum Vorlagen im Internet – da ist Kreativität gefragt.

Spiel-Ideen:

Heldenmemory: Sie brauchen für das Memory die Zahlen 1-5 (je nach Alter auch der Zahlenraum bis 10) auf einem Stück Pappkarton und kleine Bildchen der Helden Ihres Kindes. Sie basteln jeweils ein Pärchen mit zwei Karten; auf dem einen ist die Zahl zu sehen, auf dem anderen die entsprechende Anzahl an Figuren. Zum Beispiel: Die Zahl 3 und 3 Feuerwehrmänner. Ziel ist es, immer die passenden Paare zu finden.

Heldenlotto: Für das Spiel brauchen Sie Bilder der Helden mit deren Namen und einzelne Buchstabenkärtchen. Die Buchstabenkärtchen werden gemischt und auf dem Tisch ausgebreitet. Nacheinander suchen die Spieler sich die Buchstaben, die zu ihrem Helden passen. Sie können hierfür auch Buchstabenwürfel basteln. Somit muss der Name des Helden erwürfelt werden.

Musik-Stopp-Spiel: Falls Sie einen zusammensetzbaren Schaumstoffteppich zum Thema Zahlen und Buchstaben haben, lösen Sie die Buchstaben/Zahlen heraus und verteilen sie im Raum/im Garten. Die Kinder müssen auf einen Buchstaben springen, wenn die Musik stoppt. Sie können die Buchstaben/Zahlen auch auf ein Blatt Papier schreiben. Zu Beginn suchen die Kinder sich die Buchstaben/Zahlen selbst aus und benennen diese, wenn sie das schon können. Wenn nicht, benennen Sie diese und die Kinder sprechen Ihnen nach. Später geben Sie die Buchstaben/Zahlen vor.

Nachtisch-Spiel: Sie nehmen zu Beginn drei Gummibärchen in die Hand und schließen diese zur Faust. Wenn das Kind bereit ist, öffnen Sie die Hand für ca. 2 Sekunden und schließen sie wieder. Das Kind sagt, wie viele Gummibärchen es gesehen hat. Stimmt die Anzahl, darf es diese essen. Ansonsten darf es nochmal raten. Danach wird gewechselt und Sie müssen genau hinschauen. Später können Sie die Anzahl erhöhen.

Von Anika Sohn, Erzieherin aus Eggenstein (bei Karlsruhe) und Autorin des Buches „Kleine Räume – großer Spaß“. Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift family erschienen.

Rituale in der Familie: „Unsere Abendrunde“

Mein Beruf ist es, mit und für Kinder zu singen. Wenn ich die Kinder während meiner Konzerte beobachte, erwachen in mir Erinnerungen an unsere abendliche „Familienzeit“, die für unsere damals junge Familie mit zwei kleinen Kindern so wertvoll war. Meine Frau und ich waren beide berufstätig, haben uns manchmal die Klinke in die Hand gegeben — aber eine Abend-Oase haben wir uns, wenn es irgendwie ging, nicht nehmen lassen.

Vor dem Zubettbringen der Kinder haben wir vier es uns noch einmal auf dem Sofa gemütlich gemacht. Wir haben alle technischen Geräte, die uns stören könnten, ausgeschaltet und den Tag Revue passieren lassen. Was war heute toll? Was hat besonders viel Spaß gemacht? Wie war es im Kindergarten, in der Schule? Worüber habe ich mich heute geärgert? Es gab viel, was unsere Kinder erzählen wollten.

Kinder-Gebete

Wir haben auch zusammen gebetet. Kein vorformuliertes Gebet, sondern wie uns der Schnabel gewachsen war. Auch die Kinder haben sich rege beteiligt, haben Gott gedankt für all das Gute, was wir erlebt haben, und haben auch ihre Sorgen vor Gott gebracht. Einmal betete unsere Tochter: „Lieber Gott, wenn ich mal wieder einen bösen Traum habe, dann verwandle ihn bitte in einen Luftballon mit vielen bunten Farben, damit er in den Himmel fliegen kann.“ Welche Tiefe steckt in diesen Gedanken. Nicht leugnen, dass wir manchmal böse Träume und Sorgen haben, Schlechtes zulassen und benennen – aber Gott bitten, dass er all das verwandelt in etwas Buntes, Leichtes, das einfach so wegfliegen kann. Mich hat das damals inspiriert zu einem Gute-Nacht-Lied.

Ungeteilte Zuwendung

Zu unserer Abendrunde gehörten neben dem Austausch und dem Gebet auch eine kurze Vorlesegeschichte und zum Abschluss ein gemeinsam gesungenes Abendlied. Diese gemeinsame Zeit war für uns vier sehr wertvoll. Gerade heute, wo die äußeren Ablenkungen durch Fernsehen, Handys und soziale Netzwerke riesengroß sind, brauchen wir als Familie Zeiten, in denen wir uns ganz und ungeteilt einander zuwenden. Gemeinsame Oasen sind ein echter Gewinn für das Familienleben, und auch wir Eltern werden dadurch überreich beschenkt.

Das Gute-Nacht-Lied, das ich damals geschrieben habe, möchte ich allen Family-FIPS-Familien gerne zugänglich machen. Ich habe ein Video gedreht, in dem ich meinen Lieblings-Riesen-Teddy mit diesem Lied in den Schlaf singe. Seien Sie herzlich eingeladen, dies Lied anzuhören und vielleicht in ihre ganz persönliche Abendrunde mit einzubauen.

Uwe Lal ist Pädagoge und Kindermusiker. Auf seiner Website www.uwelal.de finden Sie unter „Videos“ das Gute-Nacht-Lied zum gemeinsamen Anhören und Anschauen. Haben Sie selbst Erfahrungen mit einer Abendrunde in Ihrer Familie? Uwe Lal freut sich auf einen Austausch. Sie erreichen ihn per E-Mail unter uwe@uwelal.de.

„Mein Kind hat einen unsichtbaren Freund!“

Internationale Studien sagen, dass 37 Prozent der Kinder zwischen drei und sieben Jahren eine Weile mit einem imaginären Freund zusammenleben. Ihre Freunde entstehen in der Fantasie, sie sind mal bärenstark und schlau, mal keck und klein, aber immer unsichtbar. Andere Kinder beseelen zusätzlich ihre Stofftiere oder Gegenstände, mit denen sie reden und streiten, die sie ständig begleiten und schützen. Ein Ball im Wasser kann ein Delfin sein, ein Stock ein Pferd. Kommt ein Erwachsener hinzu, ist es sofort wieder der Stoffhase, Stock oder Ball. Das Kind wechselt blitzschnell zwischen seiner Fantasiewelt und der Realität. Insgesamt leben, laut Studien, 67 Prozent der Vorschulkinder in ihrer eigenen Vorstellungswelt.

Fantasievoll und intelligent

Ihr Kind „spinnt“ also nicht, es ist vielmehr eine ganz normale Entwicklung, es zeugt sogar von Intelligenz in diesem Alter zwischen Vorstellung und realer Welt umdenken zu können. Ihr Kind erfindet einen Fantasiefreund, der nicht immer ein Mensch sein muss. Diese Figuren entstehen entweder ganz in der blühenden Einbildungskraft oder werden durch Geschichten angeregt.

Der eingebildete Freund begleitet ihr Kind nun Tag und Nacht, er muss sich nicht an Regeln halten, tut Dinge die man niemals mit Mama oder Papa machen kann (zum Beispiel mit einem Einhorn durch den Wald reiten), er schützt das Kind oder ermutigt es. Gerade Einzelkinder suchen sich häufig einen Freund, der immer bei ihnen ist.

Nehmen Sie Ihr Kind ernst

Wir Erwachsene leben ständig in einer realen Welt, es fällt uns häufig schwer sich auf die „verrückten“ Ideen unserer Kleinen einzulassen. Gehen Sie auf den unsichtbaren Freund ein und lassen Sie ihn erzählen. So können Sie erfahren, was ihr Kind bewegt, wovor es Angst hat, was es sich nicht zutraut oder wie es gerne wäre. Eher schüchterne Kinder werden sich einen starken Freund aussuchen. Großstadtkinder mit wenig Platz zum Toben suchen manchmal in ihre Vorstellungskraft ein freieres Leben. Dieses unsichtbare Wesen begleitet Ihr Kind durch dick und dünn und hilft ihm die Welt, außerhalb des Elternhauses, mit all den Gefahren, Verboten und Geboten zu bewältigen. Manche Kinder entwickeln sogar ihre eigene Fantasiestadt, mit einer eigenen Sprache oder eigenem Geld. In der Kindertherapie werden schüchternen, ängstlichen oder auch auffallend aggressiven Kindern diese Fantasiewesen manchmal auch als Helfer und Beschützer zur Seite gestellt.

Mit Eintritt in die Schule wird ihr Kind immer mehr reale Freunde finden. Meist brauchen Kinder dann keine unsichtbaren Freunde mehr. Die kognitive Weiterentwicklung führt bei Grundschulkindern zu kritischem Denken, sie lernen ihre Gefühle besser auszudrücken und sind motorisch geschickter. Diese erweiterten Fähigkeiten helfen ihrem Kind die reale Welt immer besser zu meistern.

Doris Heueck-Mauß ist Entwicklungspsychologin und Psychotherapeutin und lebt in München.
Dieser Beitrag wurde zuerst in der Zeitschrift family (www.family.de) veröffentlicht.

 

Kinderweisheiten

Ob man sich jemals im Leben wieder so grundsätzliche Gedanken über Gott und die Welt macht wie im Alter von Drei bis Sieben? Ich kann es mir kaum vorstellen. Diese Lebensphase ist einfach traumhaft. Man entdeckt die Welt, versteht Zusammenhänge, erobert sich neue Räume und Fähigkeiten – und mancher trägt in diesen Jahren eine tiefe Weisheit in sich, die ihresgleichen sucht. In der entzückenden Fernsehserie „Eine himmlische Familie“ sitzen einmal die beiden jüngsten Kinder versonnen auf der Treppe. Der Ältere fragt die Kleine: „Sag mal, kannst du dich noch erinnern, wie Gottes Stimme klingt?“ Kann sie nicht. Ist auch schon zu lange her. Aber offensichtlich haben die beiden es sehr verinnerlicht, dass wir von Gott herkommen. Dieser so ganz unmittelbare Gottesbezug ist schön. Vielleicht meinte Jesus auch so etwas, als er seine Jünger aufforderte, wie die Kinder zu werden. Etwas Besseres kann uns doch gar nicht passieren, als dass wir mit so kindlicher Neugier und Selbstverständlichkeit davon ausgehen, dass es Gott gibt und er natürlich etwas mit uns zu tun hat. Mit so einem kindlichen Urvertrauen kann man dann auch die verrücktesten Fragen stellen. Und entweder nachfragen, bis man eine befriedigende Antwort bekommt – oder sogar aushalten, dass es keine gibt. Nach meiner Beobachtung hängt das Vertrauen der Kinder nicht an einleuchtenden Erklärungen. Sie stellen ihre Fragen nach Gott und der Welt – im wahrsten Sinne der Worte. Und sie wollen Antworten, durchaus. Aber manchmal reicht es auch schon, wenn ein Erwachsener da ist und mit ihnen nachdenkt, beantwortet, was er beantworten kann, und den Rest mit aushält. Die bisherige Krönung unserer theologischen Reflexionen fand auf einem Spielplatz statt. Unsere beiden Großen kletterten mit dem Papa um die Wette in einem großen Kletternetz. Am Fuß des Netzes saßen unser Jüngster, damals knapp drei Jahre alt, und ich und schauten ihnen zu. Plötzlich fragte er, während er die Kletternden weiter betrachtete: „Du, Mami, ist Papi Gott?“ Ich antwortete schmunzelnd: „Nein …“ Er überlegte, und man sah seiner Stirn die großen Gedanken geradezu an, die er dahinter bewegte. Dann blickte er mich an und fragte: „Bist du Gott?“ Ich musste mir das Lachen verkneifen und antwortete relativ gefasst: „Nein …!“ Nach einer längeren, nachdenklichen Pause stellte er fest: „Ich bin nicht Gott!“ Für diese Erkenntnis brauchen Erwachsene manchmal deutlich länger …

Von Friederike Meißner