Kinder und die Fragen des Lebens

Ein laut brüllendes Energiebündel rennt durch unseren Wohnungsflur. Nach mehrmaligem Ermahnen werde auch ich lauter und rufe unserem Sohn genervt zu, dass er endlich etwas leiser spielen soll. Mit gerade mal vier Jahren baut er sich vor mir auf und schreit: „Ich kann nichts dafür. So hat Gott mich eben gemacht!“ Meine Wut ist verflogen und ich muss lachen. Da scheint der Inhalt unseres aktuellen Abendliedes „Wer lässt die Sterne leuchten? – Unser großer Gott!“ zumindest im Groben in diesem kleinen Kinderhirn angekommen zu sein.

Dornen tun weh

Schade, dass nicht alle Lebensfragen so einfach zu beantworten sind. Dass Gott Sonne, Mond und Sterne strahlen lässt, nimmt mir mein Vierjähriger noch kommentarlos ab und das zu vermitteln erscheint mir leicht. Aber wie erkläre ich Kindern, wie Gott auch noch ist? Was er tut und warum er es tut? Oder warum er es nicht tut? Nicht selten ertappe ich mich dabei, an meinen eigenen Antworten zu zweifeln! „Wieso macht Gott denn bitteschön Dornen an die Büsche, Mama? Was soll das denn jetzt!“, schimpft mein Sohn, als wir uns das erste Mal einen Weg durch unseren heiß ersehnten Schrebergarten bahnen. Es sollte ein großartiges Erlebnis werden für unser Stadtkind, und jetzt schimpft dieser kleine Kerl wie ein Rohrspatz über dieses wuchernde Grünzeug. Sage ich jetzt: „Gott hat alles gut gemacht. Dass er auch Dornen gemacht hat, ist schon richtig so. Auch wenn wir das nicht verstehen, musste das so sein.“? Da mir alles andere als nach solch einer Antwort ist, schimpfe ich: „Ich habe keine Ahnung, ehrlich. Vielleicht haben sie einen Sinn. Aber Dornen tun weh und sehen nicht schön aus und ich finde sie auch doof!“

„Gott kann das!“

Neulich standen wir an einer roten Ampel und beobachteten, wie ein kleiner Junge die Kontrolle über seinen Roller verlor und dieser auf die Straße rollte. Im letzten Moment konnte seine Mutter ihn daran hindern, direkt vor ein Auto zu laufen. Mein Mann nutzte die Gelegenheit, unserem Sohn zu erklären, wie sehr man auf der Straße aufpassen müsse. „Roller kann man reparieren, aber keinen kleinen Jungen, der überfahren wurde.“ „Doch, Gott kann das“, sagte unser Sohn. „Aber auch wenn er es kann, macht er es meistens nicht“, war meine Antwort. Daraufhin mein Sohn: „Dann macht es halt Jesus.“ Als wir auch diese Antwort hinterfragten, meinte er: „Dann muss es eben ein Kollege von Jesus machen!“

Eigene Überzeugungen hinterfragen

Wenn ich einem Kind durch ein Lied wie „Wer lässt die Sterne leuchten“ eine Wahrheit beibringe (und zwar, dass Gott so groß ist, dass er sogar die Erde gemacht hat), dann muss ich damit rechnen, dass Kinder das ernst nehmen. Genau das will ich ja auch. Umso mehr muss ich mich hinterfragen, was ich wirklich vermitteln will und wie überzeugt ich von dem bin, was ich sage. Kinder lieben Geschichten (mit einem Thema sind sie noch überfordert). Am Besten, wir erzählen, wie es früher war, als Jesus gelebt hat, was Jesus getan hat, wie er war, was er gut fand und was nicht. Den Transfer in das eigene Leben kann das Kind am besten selbst herstellen.

Von Maren Seitzinger

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift „Kleine Leute – Großer Gott“ erschienen.

„Meine Tochter will plötzlich nicht mehr in die Kita! Was tun?“

Erst einmal ist es erfreulich, dass Ihre Tochter bisher scheinbar gern in den Kindergarten gegangen ist. Das spricht dafür, dass sie sich dort grundsätzlich wohl fühlt. Nun gilt es herauszufinden, ob es Veränderungen gab, die ihre plötzliche Verweigerung erklären könnten.

Gab es eventuell einen Personalwechsel? Treten Konflikte zwischen Ihrer Tochter und anderen Kindern auf? Gibt es Veränderungen im Tagesablauf oder in der Gruppenzusammensetzung? Am besten sprechen Sie darüber offen mit den Erzieherinnen und mit Ihrer Tochter.

Fragen Sie unauffällig nach

Suchen Sie einen ruhigen Zeitpunkt, an dem Sie es sich mit Ihrer Tochter gemütlich machen und sie behutsam fragen, warum sie auf einmal nicht mehr gern in den Kindergarten gehen mag. Wenn Ihre Tochter nicht antworten möchte oder den Grund selbst nicht benennen kann, kann es helfen, Beispiele zu nennen, etwa: „Manchmal kommt es vor, dass Kinder nicht mehr gern zum Kindergarten gehen, weil jemand sie ärgert, oder weil sich etwas verändert hat, zum Beispiel bei den Erzieherinnen. Kennst du so etwas?“ Sie können auch immer mal wieder unauffällig Fragen stellen wie „Mit wem hast du denn heute gespielt?“ oder „Welche Erzieherinnen waren heute da?“ oder „War alles gut oder gab es heute Streit oder war jemand gemein?“.

Sollten Sie auf diesem Weg nicht weiterkommen, wäre eine weitere Option, mal einen Tag im Kindergarten zu hospitieren. Sprechen Sie das vorher mit dem Kindergarten ab, mit der Begründung, herausfinden zu wollen, wie Sie Ihrer Tochter helfen können, sich wieder wohler zu fühlen. Erklären Sie Ihrer Tochter, dass Sie heute mal ausnahmsweise zu Besuch kommen dürfen, damit Sie nicht erwartet, dass das nun immer so läuft.

Wachsam sein

Obwohl es ein schwieriges Thema ist, sollte man immer wachsam sein in Bezug auf mögliche sexuelle oder aggressive Übergriffe, die auch Grund dafür sein können, dass ein Kind plötzlich nicht mehr in den Kindergarten gehen möchte. Achten Sie sehr genau auf mögliche Verletzungen und fragen Sie vorsichtig: „Manchmal möchten Kinder auch nicht mehr zum Kindergarten, weil dort jemand etwas machen will, das sie nicht wollen. Zum Beispiel irgendwo anfassen, weh tun oder Fotos machen. Hast du das schon mal erlebt?“

Auch Kinderbücher helfen, über dieses Thema ins Gespräch zu kommen und Kinder grundsätzlich zu stärken (Mein Tipp: „Mein Körper gehört mir“ von Dagmar Geisler). Bei Unsicherheiten berät auch unverbindlich und kostenlos der Kinderschutzbund.

Nicht selten entstehen phasenweise Trennungsängste, die den Abschied erschweren. Überlegen Sie, wenn sich kein anderer Grund finden lässt, gemeinsam mit Ihrer Tochter, was ihr helfen könnte – vielleicht ein Kuscheltier-Begleiter oder etwas, das sie an Mama erinnert (zum Beispiel ein Tuch oder ein Mut-Stein)? Tolle Tipps dazu gibt es auch in dem Buch „Fremdeln-Klammern-Trennungsangst“ von Elizabeth Pantley.

Von Melanie Schuer, www.elternleben.de, www.neuewege.me

Kinder brauchen Orientierung

Meine Frau hat in dem Kindergarten, in dem sie als Erzieherin gearbeitet hat, immer wieder eine sonderbare Erfahrung gemacht: Dieselben Kinder, die sich vormittags gerne in das Gruppengeschehen einbringen, verwandeln sich, sobald ihre Eltern sie aus dem Kindergarten abholen wollen, in wahre Furien. Mit Einwortsätzen kommandieren sie ihre Eltern herum: „Schuhe! Jacke!“ Sie verhalten sich ihren Eltern gegenüber völlig respektlos. Wie ist das möglich?

Wichtige Lebenserfahrungen

Ich beobachte, dass im Kindergarten klare Regeln herrschen: wie wir miteinander umgehen, miteinander reden, wie wir gemeinsam essen oder spielen. Auch zu Hause ist es wichtig, dass wir klare Regeln leben. Wir müssen auch lernen, deutlich Nein zu sagen, Grenzen zu setzen. Viel zu oft versuchen wir, mit Kindern im Kindergartenalter zu diskutieren, argumentativ Regeln aufzustellen. Damit sind Kinder in dem Alter überfordert.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich sollen wir unsere Kinder ernst nehmen. Natürlich dürfen wir ihnen auch deutlich signalisieren, dass ihre Meinung uns wichtig ist. Aber wir Eltern haben auch die Aufgabe, Regeln aufzustellen und für das Einhalten dieser Regeln zu sorgen. Oft haben wir Angst, Grenzen zu setzen, weil wir befürchten, uns damit unbeliebt zu machen. Meiner Erfahrung nach ist diese Sorge unbegründet.

Kinder brauchen Orientierung, um sich in dieser Welt zurechtzufinden, und diese Orientierung dürfen sie von uns erhalten. Das beinhaltet auch Grenzen zu benennen. Sicher ist das auch mit Konflikten verbunden, denn Kinder wollen ihre Grenzen austesten und reiben sich an uns. Grenzen gezeigt bekommen, Grenzen austesten, in Frage stellen, sich gegen sie auflehnen, aber auch Grenzen und Begrenztheit akzeptieren lernen, all das sind wichtige Lebenserfahrungen.

Respektvollen Umgang vorleben

Ich habe oft erlebt, dass in kinderreichen Familien der Umgang mit Grenzen anscheinend einfacher ist; jeder spürt da, dass meine grenzenlose Freiheit endet, wo ich die Freiheit anderer verletze. Ich darf nicht nur mein eigenes Wohl sehen, sondern muss auch das Wohl meine Geschwister, Familien, Freunde, meiner Mitmenschen im Blick haben. Dies ist etwas, was wir unseren Kindern vor allem vorleben können. Wenn die Kinder älter werden, darf auch das gemeinsame Aufstellen von Regeln erfolgen. Dieses glaubhafte Vorleben von respektvollem Umgang mit unseren Mitmenschen ist nicht einfach. Wir dürfen gerne im Gebet Gott um seine Hilfe bitte; ihn darum bitten, dass wir unsere Mitmenschen ein wenig mit den liebevollen Augen sehen lernen, mit denen Gott sie ansieht.

Uwe Lal ist Kindermusiker und Pädagoge. Mit seinen Mitmach- und Mutmach-Konzerten tritt er in Kindergärten, Schulen und Kirchengemeinden auf. www.uwelal.de

„Papa, ich glaube, meine Krone ist verrutscht!“

Mir ist es ein Anliegen, meine Kinder morgens, bevor sie aus dem Haus gehen, zu segnen und für sie zu beten. Ich setze den Kindern dabei zur Verdeutlichung des Segens eine imaginäre Krone auf. Ich mache dabei mit meinen Händen einen großen Kreis und drücke die Krone spürbar auf den Kopf, um sie dann durch vorsichtiges Hin- und Herschieben und Drehen richtig auszurichten. So können sie den Segen spüren. Einige Tage nachdem wir dieses Ritual eingeführt haben, startet ein Tag einfach schrecklich: Die Nacht war unruhig, drei Kinder sind mit dem falschen Fuß aufgestanden, Hektik, Tränen und schlechte Laune. Ich habe einen Besucher vor der Tür stehen, meine Frau hat mit den Kindern zu „kämpfen“, weil sie schon viel zu spät dran sind. Unser Großer will nicht in den Kindergarten. Mir kommt der Gedanke, dass doch gerade für solche Tage der Segen helfen könnte.

Also verabschiede ich die Kinder und setze ihnen „die Krone auf“, während sie noch weinen. Am Nachmittag begrüße ich meinen Großen: „Wie war’s heute im Kindergarten?“ Der antwortet strahlend: „Super“! Erstaunt erinnere ich ihn an das Drama am Morgen und frage, warum es denn so gut gewesen sei. Die Antwort schießt aus ihm heraus: „Wegen der Krone!“ Einige Zeit später höre ich im Garten eine laute (und handfeste) Auseinandersetzung meiner Söhne. Ich gehe raus und stelle meinen Sohn zur Rede: „Warum machst du denn so was?“ Mit Tränen in den Augen kommt die Antwort: „Papa, ich glaube, meine Krone ist verrutscht!“ Ich ziehe mich mit ihm zurück, wir sprechen über das Problem und seine Reaktion, bitten um Vergebung beim Bruder und rücken mit einem Gebet die Krone wieder zurecht. Was für eine Sternstunde für einen Papa!

Ja, Christsein und um den Segen Gottes auf seinem Leben zu wissen macht einen Unterschied! Schön, dass mein Sohn es auch spürt! Eine andere Situation: Mein Sohn kommt empört auf mich zugestürmt: „Papa, Felix hat seine Krone weggeschmissen!“ Etwas verdutzt schaue ich ihn an, als er mir erzählt, dass er seinem Kindergartenfreund auch eine Segenskrone aufgesetzt hat. Felix konnte aber weder mit Gott noch mit den Fingern seines Freundes auf dem Kopf etwas anfangen und hat die (imaginäre) Segenskrone weggeschmissen. Nach der ersten Enttäuschung startet mein Sohn einen zweiten Anlauf und versucht, ihm das mit der Krone zu erklären. Dieses Mal macht sich der Freund aber darüber lustig, „zerreißt“ sie und wirft sie weit weg. Das ist der Moment, in dem mein Sohn traurig und empört wegrennt. Ich bin erstaunt über seinen missionarischen Eifer, denn wir haben nicht darüber gesprochen, dass er auch andere Kinder segnen könnte. Wer von Gottes Segen berührt wird, bewegt sich auf den anderen zu, um auch seine Mitmenschen davon profitieren zu lassen – ganz von alleine! Mein Dreijähriger machte kürzlich noch mal in der Eingangstür kehrt, um mich aufzufordern: „Dohne aufsetzten, Papa“. Von Gutturalen, wie dem „K“ oder „G“ am Anfang eines Wortes hält er noch nicht sehr viel, aber auf die Krone besteht er – Gott sei Dank!

Von René Mühe

Dieser Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift KLGG erschienen.

Wenn Eltern aus der Haut fahren

Wie kann ich meinem Kind auch in Stresssituationen beherrscht begegnen?

„Neulich hat mein Sohn beim Anziehen für den Kindergarten so lange getrödelt und gemeckert, bis ich ihn am Arm gepackt und angeschrien habe…“

Diese Situation kennt jede Mutter. Wir fühlen uns total hilflos, gestresst und überfordert. Wir kommen an unsere Grenzen und schauen dabei in emotionale Abgründe, die wir bei uns nie für möglich gehalten hätten. Das erschreckt uns und wir fühlen uns furchtbar. Verurteilen Sie sich nicht. Überlegen Sie stattdessen, wie Sie es in Zukunft besser machen können.

Diese Situation kennt jede Mutter. Wir fühlen uns total hilflos, gestresst und überfordert. Wir kommen an unsere Grenzen und schauen dabei in emotionale Abgründe, die wir bei uns nie für möglich gehalten hätten. Das erschreckt uns und wir fühlen uns furchtbar. Verurteilen Sie sich nicht. Überlegen Sie stattdessen, wie Sie es in Zukunft besser machen können.

Beobachten Sie, in welchen Situationen Sie aus der Haut fahren. Auf immer gleiche, wiederkehrende Stresssituationen kann man sich vorbereiten! Einige Fragen, die in der beschriebenen Situation helfen könnten, sind: Warum trödelt Ihr Sohn? Möchte er überhaupt in den Kindergarten? Möchte er in dem Moment lieber noch etwas spielen? Haben Sie durch Termine Zeitlimits? Gefällt ihm die Kleidung, die für ihn bereitliegt?

Die Situation entstressen

Sie können ihn zum Beispiel selbst Kleidung aus einer begrenzten Auswahl aussuchen lassen oder ihn auch mal im Schlafanzug in den Kindergarten schicken (dies sollten Sie natürlich vorher mit den Erzieherinnen absprechen). „Ich hab’s geschafft“-Listen können die Situation spielerisch entstressen. Ein weiterer Tipp, den Stress aus der Situation zu nehmen, ist, dass Sie sich und Ihrem Kind mehr Zeit vor dem Kindergarten lassen oder aber die Zeit vorher so begrenzen, dass Ihr Kind vor dem Gehen nicht noch ins Spielen gerät. Umso schwerer fällt es ihm dann natürlich, sich davon zu lösen.

Sie können auch mit Ihrem Kind in einem ruhigen Moment darüber sprechen, dass sein Verhalten Ihnen Stress bereitet und es fragen, wie es besser laufen kann. Manchmal muss man sich auch mal die Frage stellen: Ist an dieser Stelle ein Kampf wirklich sinnvoll und nötig?

 Innerlich bis Zehn zählen

Fragen Sie auch andere Eltern, wie sie in solchen Momenten reagieren, und überlegen Sie vor solchen Eskalationen, wie Sie reagieren möchten. Vielleicht gibt es auch etwas, was Ihr Stresslevel senkt – zum Beispiel ein wenig Entschleunigung im Alltagsstress, eine Haushaltshilfe oder mehr Hilfe aus dem sozialen Umfeld?

Ist die Situation da, versuchen Sie, innerlich einen Schritt zurückzutreten und bis Zehn zu zählen. Ist die Situation eskaliert, seien Sie nicht zu hart zu sich selbst. Wir alle machen Fehler. Haben Sie Geduld: Elternsein ist eine große Herausforderung, aber mit der Zeit verändert sich viel: Ihre Reaktionen und auch Ihr Kind.

Genau so, wie Sie Ihr Kind um Entschuldigung bitten können, dürfen Sie auch Gott um Vergebung bitten. Er erwartet nicht, dass Sie perfekt sind. Die gute Nachricht ist, dass Gott uns trotzdem liebt und uns genau das Kind anvertraut hat, das wir erziehen können! Wenn Gott uns das zutraut, dann hilft er auch.

Von Antje Voß

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift family erschienen.

Kindliche Fantasie fördern

Laut Duden ist Fantasie die „Fähigkeit, Gedächtnisinhalte zu neuen Vorstellungen zu verknüpfen, sich etwas in Gedanken auszumalen“.  Das ist eine ungeheuer wertvolle Fähigkeit. Wir brauchen Menschen, die Fantasie haben, die kreative Lösungsansätze für die Probleme dieser Welt haben. Kinder haben diese Fähigkeit, aber sie geht im Laufe der Zeit immer mehr verloren. Fantasie muss man nämlich trainieren, so, wie man einen Muskel regelmäßig trainieren muss, damit er Kraft behält.

Um die Fantasie unserer Kinder zu trainieren, können wir mit ihnen Geschichten hören oder ein Buch lesen. Dazu gehört aber auch, sich Gedanken darüber zu machen, mit welchen Spielsachen wir unsere Kinder umgeben.

Vor Jahren war ich mit einem Freund zusammen in Kenia, um Entwicklungshilfe-Projekte des CVJM zu besuchen. In einem Slum-Dorf haben Jugendliche uns zu Ehren einen Sketch-Abend veranstaltet. Inmitten all des Elends hörte man herzhaftes Lachen und sah fröhliche Gesichter. Besonders beeindruckt hat mich die Fantasie der Jugendlichen. Kostüme hatten Sie keine, zumindest keine, die man sich kaufen kann. Aber jeder der Schauspieler hatte einen aus altem Draht selbst geformten, zur Rolle passenden Hut auf. Was für Kunstwerke da zu sehen waren! Alles mit Fantasie, selbst aus Abfall gemacht.

In meiner Kindheit haben wir aus Alltäglichem und Gerümpel unsere Spielsachen selbst gemacht. Aus alten Brettern haben wir Flöße gebaut, mit Eicheln und Kastanien Männchen gebastelt, aus Stroh Hütten gebaut.

Heute gibt es Unmengen an Spielzeug, tolle Sachen, perfekt konstruiert. Leider fehlt oft der Raum für Fantasie. Als meine Brüder ihr erstes Lego geschenkt bekamen, waren das nur die Grundsteine. Kurze Zeit später wurden die Lego-Dachziegel erfunden, eine Revolution. Die meisten Figuren haben wir uns selbst ausgedacht. Heutzutage bestehen Lego-Baukästen aus vielen unterschiedlichen Einzelteilen. Die Bausätze sind perfekt, aber auch so kompliziert, dass wir umfangreiche Anleitungen und sehr viele Spezialteile benötigen. Wenn das Raumschiff fertig ist, sind die Spielmöglichkeiten damit begrenzt, da es leicht zerbrechlich ist. Alles nur nach Vorlage zu machen, bietet den Kindern wenige Anregungen.

In vielen Gemeinden gibt es Lego-Bibeltage, bei denen die Kinder aus Lego-Grundsteinen biblische Geschichten nachbauen. Wenn man die Kinder dabei beobachtet, sieht man, dass Fantasie und Kreativität immer noch in ihnen stecken. Wir müssen ihnen nur die Möglichkeit geben, sie auszuleben.

Fantasie ist ein Thema, das auch in meinen Kinderliedern immer wieder aufgegriffen wird. Hören sie doch mal rein in das Lied „Denn ich hab Fantasie“ (CD „Voll cool“) und „Glotze aus“ (CD „Los geht`s“). Beide finden sie auf meiner Seite www.uwelal.de

Uwe Lal

Die Osterbotschaft entdecken – DIY-Osterweg

In der aktuellen Ausgabe von Family FIPS geht es auch um die Vorgänge rund um den Tod und die Auferstehung Jesu. Das ist schon für uns Erwachsene schwer zu verstehen. Umso schwieriger für Kinder im Vorschulalter. Um die biblische Oster-Geschichte für Kinder greifbarer zu machen, berichtet Luisa Seider von ihrem kreativen Oster-Familien-Projekt: 

Ich möchte die Osterwoche mit den Kindern bewusst angehen. Dazu habe ich einen Osterweg vorbereitet, ähnlich einem Ostergarten, um den Kindern die biblische Geschichte über Tod und Auferstehung Jesu greifbarer zu machen.

Zur Vorbereitung habe ich habe ein längliches Tablett mit Folie ausgelegt und Moos darauf verteilt. Aus Steinen habe ich einen Weg gelegt. Für den Hügel Golgatha habe ich ein Stück Steckmoos unter das Moos gesteckt. Am Ende des Weges habe ich aus größeren Steinen ein Grab geformt. Nach Belieben kann man ein kleines Schild „Osterweg“ aus Stofftüte, Stempelbuchstaben und braunem Briefumschlag (dessen Rand ich mit Feuerzeug „abgebrannt“ habe) basteln, auf einen Schaschlik-Spieß kleben und in das Moos stecken.

Nun sind alle Vorbereitungen getroffen. In der Osterwoche werden wir in einzelnen Schritten (zum Beispiel an den einzelnen Tagen) gemeinsam Jesus auf seinem letzten Weg begleiten.

1.) An Palmsonntag zieht Jesus in Jerusalem ein, die Menschen begrüßen ihn mit Palmzweigen und breiten ihre Kleider vor ihm aus. An den Anfang des Weges legen wir „Palmzweige“ (von einer Zimmerpflanze) und „Kleider“ (Stoffstücke oder Reste von Stoffbändern).

2.) Judas verrät Jesus. Wir legen Euro-Münzen als Silberlinge und ein Stück alte Stofftüte als Geldbeutel auf den Weg.

3.) Jesus betet im Garten Gethsemane. Der Zweig einer Tanne und ein großer Stein deuten das an.

4.) Jesus wird verhaftet, verspottet und bekommt eine Dornenkrone. Aus biegsamen Zweigen von jungen Sträuchern lässt sich symbolische eine Dornenkrone binden, welche auf den Weg gelegt wird.

Und so sieht das Ganze bisher aus:

 

 

5.) Petrus verleugnet Jesus. In die „Dornenkrone“ werden Federn gelegt als Symbol für den Hahn.

6.) Jesus stirbt am Kreuz. Ein Kreuz aus zwei Zweigen gebunden wird auf den „Hügel“ gesteckt.

 

7.) Gott weckt Jesus von den Toten auf. Der Stein vor dem „Grab“ wird geöffnet und mit Blüten (Gänseblümchen etc.) und einem Teelicht dekoriert. Osterglöckchen stellen wir als Symbol für Sonne / Licht hinter das Grab.

 

 

 

An das Kreuz kann man die Aufschrift „risen“ aufbringen. Die „Dornenkrone“ wird zum Nest, indem man auf die Federn Wachteleier legt und somit symbolisiert, dass der Tod Jesu (= Symbol Dornenkrone) neues Leben (= Symbol Vogelnest) hervorbringt.

 

 

 

Fertig! Am Ostermontag schmückt der Osterweg unser Wohnzimmer.


Von Luisa Seider

Quelle: Mamaabba.de

Kinder brauchen Eltern, die sich etwas zutrauen

Wenn man Mutter oder Vater wird, beginnt eine aufregende und spannende Zeit. Das Leben wird für eine gewisse Zeit komplett umgekrempelt, und man sieht sich plötzlich ganz neuen Herausforderungen gegenüber. Es gibt kaum etwas Schöneres, als mit heranwachsenden Kindern die Welt neu zu entdecken. Immer wieder stößt man auch an seine Grenzen. Trauen Sie sich etwas zu. Sie können mehr, als Sie denken. Mit Kindern wachsen heißt auch, an sich selbst neue Fähigkeiten zu entdecken. Kinder brauchen Eltern, die sich etwas zutrauen. Eltern, die auch mal Neues ausprobieren.

Werden Sie Geschichten-Erzähler!

Kinder lieben Geschichten. Natürlich können wir ihnen Geschichten vorlesen, und das sollten wir auch tun. Aber viel spannender ist es, sich Geschichten auszudenken. Trauen Sie sich etwas zu. Aller Anfang ist vielleicht schwer und ungewohnt, aber schon bald purzeln die neuen Geschichten nur so aus ihnen heraus. Sie werden staunen, was in Ihnen steckt. Bei unseren Kindern waren besonders ein Spiel beliebt: die „Diese drei Dinge müssen darin vorkommen“-Geschichten. Die Kinder haben uns drei Worte vorgegeben, die in der Geschichte vorkommen müssen, zum Beispiel „Prinzessin“, „Gurke“, „Klopapier“ – und meine Frau und ich durften dann daraus eine Geschichte zusammenstricken.

Schlüpfen Sie in eine neue Rolle!

Gerade Kinder im Kindergartenalter versuchen die Welt im Rollenspiel zu begreifen. Sie schlüpfen in immer neue Rollen, und teilen auch anderen ihre Rollen zu. „Kaufmannsladen“ und „Vater, Mutter, Kind“ sind zwei Rollenspiel-Klassiker. Auch wenn es für Sie als Erwachsene ungewohnt ist: Schlüpfen Sie selbst in eine Rolle. Spielen Sie beim Spiel der Kinder mit. Wenn Sie denken „So etwas liegt mir gar nicht“, dann erinnern Sie sich daran, dass Sie als Kind selbst genau solche Spiele gespielt haben. Astrid Lindgren wurde einmal gefragt: „Muss man selber Kinder haben, um Kinderbücher schreiben zu können?“ Ihre Antwort: „Nein, man muss nur selbst Kind gewesen sein und sich noch daran erinnern“. Es tut uns Erwachsenen gut, das Kind in uns nicht zu vergessen.

Werden Sie Party-Planer!

Oft werde ich nach einem Konzert gefragt: „Machen Sie so etwas auch auf Kindergeburtstagen?“ Nein, tue ich nicht. Und ich bin der Meinung, dass Kinder gerade an ihrem Geburtstag kein professionelles Entertainment brauchen, sondern Eltern, die ihre Liebe zeigen, in dem sie ihren Kindern eine schöne Feier ausrichten. Es ist einfacher als Sie denken! Was haben Sie denn in dem Alter gerne gespielt? Klassiker wie „Topfschlagen“ sind der Renner, und eine kleine Suche im Internet bringt so viele Spiel- und Bastelideen, die wirklich jeder umsetzen kann.

Wir ermutigen unsere Kinder immer wieder, etwas Neues auszuprobieren, sich etwas zuzutrauen, auch von Fehl- und Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Aber auch das müssen wir ihnen vorleben, müssen uns selbst etwas zutrauen und offen sein, neue Fähigkeiten an uns zu entdecken.

Uwe Lal ist Pädagoge und Kindermusiker.

„Mein Kind hat Angst vor Monstern unterm Bett!“

Zuerst einmal ist es wichtig, die Angst ernst zu nehmen, auch wenn Sie sich nicht erklären können, wo sie herkommt. Dann sollte Ursachenforschung betrieben werden, um mit der Angst umzugehen. Fragen Sie Ihr Kind am Tag danach, ob es das Monster beschreiben und vielleicht auch malen kann. So ist die Angst nicht mehr abstrakt. Zeigen Sie ihm aber auf keinen Fall Bilder von Monstern, das schürt die Angst nur unnötig!

Das Monster verjagen

Vielleicht wird hierbei schon klar, woher die Angst kommt. Wenn nicht, fragen sie nach: Wo kommt es her? Was will es von dir? Und die wichtigste aller Fragen: Wie können wir es bekämpfen oder verschwinden lassen? Wovor hat das Monster Angst? Was mag es gar nicht? Wenn sich Ihr Kind damit auseinandersetzt, lernt es Lösungswege kennen, die ihm auch in anderen Situationen helfen können. Wenn das Gespräch Ihr Kind zu sehr aufwühlt, machen Sie eine Pause, lassen es spielen und greifen das Thema später wieder auf. Fragen Sie auch im Kindergarten nach, vielleicht können die Erzieherinnen oder andere Eltern Ihnen beim Forschen helfen.

Besprechen Sie beim Abendessen, was Ihrem Kind helfen kann, die Nacht in seinem Bett zu verbringen. Und was helfen kann, das Monster zu verjagen oder zu verhindern, dass es kommt. Gehen sie auf die Vorschläge ein und setzen Sie diese mit Ihrem Kind zusammen um. Falls es selbst keine Vorschläge bringt, schlagen Sie einiges vor: die Tür öffnen, das Licht anlassen oder eine schützende Höhle bauen. Wenn nichts hilft, geben Sie ihm als letzten Ausweg die Möglichkeit, dass er Sie rufen kann und Sie dann bei ihm im Zimmer schlafen. So wird die Routine, ins Elternbett zu kommen, durchbrochen und Sie zeigen ihm andere Wege auf, mit der Situation umzugehen.

Mehr Nähe?

Wenn Sie einen Lösungsweg besprochen haben, machen Sie daraus ein Ritual für die Bettgehzeit. Führen Sie das neue Ritual jeden Abend für mindestens drei Wochen durch. Wenn Ihr Sohn es dann noch nicht schafft, allein in seinem Bett zu bleiben, oder wenn ständig neue Monster auftauchen, sollten Sie noch einmal das Gespräch mit ihm suchen. Es kann sein, dass er einfach bei Ihnen sein möchte. Vielleicht macht er gerade einen Entwicklungsschritt und braucht dabei mehr Nähe als sonst.

Ihr Bedürfnis nach erholsamen Schlaf dürfen Sie hierbei aber nicht außer Acht lassen! Vielleicht können Sie vereinbaren, dass er an bestimmten Tagen oder erst ab einer gewissen Uhrzeit zu Ihnen ins Bett kommen darf. Eventuell müssen Sie auch darüber nachdenken, wie Sie Ihren Alltag etwas entschleunigen können, um entspannt, konstant und mit voller Aufmerksamkeit Zeit mit Ihrem Kind verbringen zu können.

Anika Sohn ist Erzieherin aus Eggenstein bei Karlsruhe und Autorin des Buches „Kleine Räume – großer Spaß“. Der Beitrag ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Was wir von Kindern übers Trösten lernen können

Es ist Februar. Bei uns im Rheinland herrscht absoluter Ausnahmezustand. Die fünfte Jahreszeit neigt sich nämlich mit dem Straßenkarneval dem Ende entgegen. Mein Mann, unsere Töchter und ich wollen dieses Jahr kräftig mitfeiern, da wir Silvester alle krank waren. Quasi als Ersatz. Außerdem sind wir Rheinländer, da kommen wir ums Mitschunkeln gar nicht herum. Wir haben uns tolle Aktionen ausgesucht, die wir mit zwei kleinen Kindern prima mitmachen können. Doch dann kommt plötzlich meine Oma ins Krankenhaus. Schnell ist klar, dass die Zeit des Abschieds gekommen ist. Als ganze Familie stellen wir einen Schichtplan auf, damit die Oma zu keinem Zeitpunkt mehr alleine sein muss. Das ist es dann für mich mit dem Feiern.

Pragmatischer Umgang

Mir ist die Freude vergangen. Stundenlang sitze ich bei meiner Oma und begleite sie in ihren letzten Tagen. Mit meinem Mann vereinbare ich, dass die Kinder nicht zu kurz und zu ihrem Karnevalvergnügen kommen sollen. Das fällt den Kindern  nicht schwer. Sie gehen ganz pragmatisch mit dem Thema Tod um: „Toll, dann kann Uroma mit Jesus eine Party im Himmel feiern“, „Was passiert mit Uromas Sachen, wenn sie tot ist?“, „Wird Uroma nicht ganz schmutzig, wenn sie unter der Erde liegt?“ … und wenden sich schnell wieder dem Thema Karneval zu. Ich kann das Thema Tod nicht so einfach unter die Füße bringen und suche Trost bei den älteren Mitgliedern der Familie und bei meinen Freundinnen. Mir wird zugehört, Bibelverse werden zur Ermutigung zugesprochen, Hilfe im Alltag angeboten. Doch den besten Trost spricht mir meine fünfjährige Tochter zu. Als ich eines Abends weinend vom  Sterbebett meiner Oma heimkomme, läuft sie mir freudestrahlend entgegen. Sie stockt, als sie sieht, dass ich sie nicht so fröhlich wie gewohnt begrüße, nimmt mich in den Arm und sagt: „Mama, eigentlich war mein Tag richtig schön, aber jetzt, wo ich sehe, dass du traurig bist, bin ich es auf einmal auch, und ich weiß gar nicht, warum.“ Erneut kommen mir die Tränen, diesmal vor lauter Rührung. Rührung, dass meine Große ihr Mitgefühl entdeckt hat.

Erst fühlen, dann reden

Ihr Mitgefühl gibt mir den besten Trost: Ich bin traurig, weil du traurig bist. Ganz einfach! Diese Worte, ganz pur, ganz ehrlich, haben mich inspiriert, dass Trost nicht mit vielen Worten, passenden Bibelversen und vergleichbaren Erlebnissen gespickt sein muss. Trost ist Mitgefühl. Seit diesem Tag bemühe ich mein Hirn nicht mehr um auswendig gelernte Verse, wenn ich um Rat gefragt werde,  überlege nicht sofort, ob mir schon mal etwas Vergleichbares widerfahren ist, wovon mein Gegenüber vielleicht profitieren kann, sondern höre erst mal in mich hinein, was ich gerade fühle. Denn ich habe von meiner Tochter gelernt, dass Trost und Anteilnahme ganz simpel daher kommen dürfen, und sei es, dass ich sage: „Ich bin sprachlos, ich weiß gar nicht, was ich jetzt sagen kann, damit es dir besser geht.“ Alles andere kann ich bei Bedarf immer noch hinterherschieben.

Von Vanessa Weirich