Einzelkind

Sind Familien mit Einzelkindern unvollständig? Oder ist das nur ein Klischee?
Familien mit zwei Kindern bilden die größte Gruppe unter den Familien mit Kindern und sind maßgeblich für die Wahrnehmung in unserer Gesellschaft. Obwohl Familien mit einem Kind die zweitgrößte Gruppe darstellen, halten sich negative Klischees zu Einzelkindern weiterhin sehr hartnäckig. Dazu zählt zum Beispiel, dass Einzelkinder weniger sozial seien oder sich egoistischer verhalten, was damit erklärt wird, dass sie ohne Geschwister nicht richtig teilen lernen könnten. Auch werden Einzelkind-Eltern von der Annahme verunsichert, dass ihre Kinder einsam seien, sowohl in jungen Jahren als auch im späteren Erwachsenenleben in Bezug auf die Pflege oder Trauer um ihre Eltern.

Gut eingebunden
Diese Klischees lassen sich jedoch nicht belegen. Tatsächlich sind die Vorurteile gegenüber Einzelkindern schon seit den 1980er-Jahren widerlegt. Denn Einzelkinder wachsen in vielen Bereichen gar nicht so viel anders auf als Kinder mit Geschwistern. Sie haben ab dem frühen Kleinkindalter die Möglichkeit, mit anderen Kindern in der KITA oder bei einer Tagesmutter zu spielen. Sie verbringen Zeit gemeinsam mit Gleichaltrigen auf dem Spielplatz oder in Eltern-Kind-Kursen. Ihre sozialen Fähigkeiten scheinen in einem Punkt sogar stärker ausgeprägt zu sein: Sie wissen um die Bedeutung von Freundschaft und zeigen hier ein hohes Maß an Geduld, Nachsicht und die Fähigkeit zu Kompromissen. Auch wenn wir uns heute mit unseren kleinen Kindern nicht vorstellen können, dass sie eines Tages erwachsen und selbstständig sind, dürfen wir uns darauf verlassen, dass sie gut eingebunden sein werden. Nämlich in das soziale Netzwerk, dass sie sich aus Partnern, Freundinnen und Kollegen geschaffen haben. Sie werden nicht allein sein, wenn ihre Eltern sterben.

Eine richtige Familie!
Leider fühlen sich Familien mit einem Kind nicht selten als Eltern zweiter Klasse. Sie sind die, die noch keine richtige Familie sind. Diejenigen, die es sich mit „nur“ einem Kind leicht machen. Es sind die, die egoistisch sind, weil sie ihrem Kind kein Geschwister schenken. Familie, Freunde, Arbeitskollegen oder Bekannte gehen häufig davon aus, dass auf ein erstes Kind auf jeden Fall ein weiteres folgen wird – und zwar so selbstverständlich, wie auf das Einatmen ein Ausatmen folgt. Viele Eltern lassen sich verunsichern, wenn das Gegenüber überrascht darauf reagiert, dass sich eine Familie mit einem Kind komplett fühlt. In einem solchen Fall hilft es, für sich klar zu wissen, warum man sich für dieses Familienmodell entschieden hat.
Die guten Gründe für mehr als ein Kind liegen zum Beispiel nicht mehr so selbstverständlich auf der Hand, wie es in der Vergangenheit mal war. Unser modernes Leben stellt sehr hohe Anforderungen an Familien. Außerdem gibt es zahlreiche individuelle Gründe, bei einem Kind zu bleiben – für keinen davon muss man sich rechtfertigen! Eltern dürfen sich also nicht nur die Frage stellen, was besser für ihr Kind ist, sondern sollten sich fragen, was sich gut für ihre Familie anfühlt. Durch diese Frage wird deutlich, was es für alle Familienmitglieder bedeuten würde, wenn ein weiteres Kind hinzukommt. Und diese Frage ist entscheidend, damit Eltern sich bewusst machen, was sie für sich persönlich wollen.

Anna Hofer ist Autorin des Buches „Mein fabelhaftes Einzelkind. Warum Kinder auch ohne Geschwister glücklich groß werden“ (Kösel) und arbeitet als Familienberaterin. www.anna-hofer.de

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.

Family FIPS 5/25: Bibel-Kreativ-Tipp „Jakob und Esau – Alles wieder gut?“

Hintergrund
Die Ausgabe 5/25 von Family FIPS setzt die Geschichte der Zwillinge Jakob und Esau fort. In der vorherigen Ausgabe haben wir gehört, wie Jakob seinen Bruder um das Erstgeburtsrecht und den Segen des Vaters betrogen hatte. Und doch war Gott auch auf seiner Flucht vor dem Bruder bei Jakob. Diesmal erzählt der Bibeltext aus 1. Mose 30 – 33 davon, wie sich Jakob und Esau wieder versöhnen.
Ich bin mir sicher, dass Gott euch und euren Kindern immer wieder Versöhnung schenken möchte, was auch immer die Ursache eines Streits gewesen sein mag. Gott hilft dabei, dass auch in eurer Familie alles wieder gut werden kann.

Herz-Versöhnungs-Kekse
Backt zusammen Butterplätzchen in Herzform. Beim Dekorieren (zum Beispiel mit buntem Zuckerguss oder Streuseln) könnt ihr darüber sprechen, wie schön es ist, wenn man sich nach einem Streit wieder liebhat – so wie Jakob und Esau.

Ich empfehle dieses Rezept unserer Oma:
• 500 g Mehl
• 250 g Margarine
• 2 Eier
• 200 g Zucker
• 1 Vanillezucker
• 1 Prise Salz
• Nach Bedarf zum Verzieren: Lebensmittelfarben, Streusel, Puderzucker und Zitronensaft
• Außerdem: Backpapier, Wellholz, Ausstechform Herzen, Messer, Backpinsel

Aus den Zutaten einen Knetteig herstellen und etwa einen halben Zentimeter dick ausrollen. Herzen ausstechen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Bei 180 bis 200 Grad Celsius etwa 15 Minuten auf der mittleren Schiene backen. Gegen Ende der Backzeit die Herzen mit einem Messer halbieren. (Das übernehmen große Geschwister oder Erwachsene!) Die gebackenen Herzen können noch im warmen Zustand mit der Puderzucker-Zitronen-Mischung glasiert und mit Streuseln verziert werden. Am besten werden immer zwei Hälften gleich dekoriert. Beim gemeinsamen Verzehr gilt es dann, die passenden Hälften zu finden.

Kuschliger Versöhnungsort
Baut mit Decken, Kissen und Kuscheltieren eine „Versöhnungsecke“ – einen Ort, an den man sich zurückziehen kann, um wieder Frieden zu schließen. Wie Jakob, der Esau viele Geschenke bringt, kann jedes Kind etwas Kleines mitbringen, um die Ecke freundlich zu gestalten (z. B. ein Bild oder ein Kuscheltier).
Ihr braucht:
• Kissen
• flauschige Decken
• Kuscheltiere, Stifte und Papier oder auch Bücher für gemeinsame Spiel-, Kuschel- und Versöhnungsmomente

Gemeinsam geht’s besser!
Wie Jakob und Esau, die sich nach langer Zeit wieder begegnen und versöhnen, erleben die Kinder bei diesem Spiel: Wir möchten zusammen unterwegs sein. Auch, wenn das manchmal Herausforderungen mit sich bringt. Gemeinsam schaffen wir alles!
Ihr braucht:
• Tuch oder Schal
• langes Seil oder Straßenkreide
• Gegenstände, um einen Parcours aufzubauen

Die Beine von einem nebeneinanderstehenden Paar werden jeweils am inneren Bein locker mit einem Tuch oder Schal zusammengebunden (Drei-Bein-Lauf).
Ziel ist es, gemeinsam einen kleinen Parcours oder eine Strecke zu meistern – mit Kurven, Hindernissen oder Aufgaben (z. B. ein Kuscheltier gemeinsam holen, über eine Linie balancieren, etwas gemeinsam tragen). Der Parcours kann mit einem langen Seil gelegt oder mit Straßenkreide aufgemalt werden. Mit Stühlen, Kartons oder anderen Gegenständen können Hindernisse aufgebaut werden, die die Kinder überqueren oder umlaufen müssen.
Vor dem Start sagen sich die Kinder einen Freundschaftssatz, z. B.: „Wir schaffen das zusammen!“ oder „Ich bin froh, dass wir ein Team sind!“ – „Streit trennt, Versöhnung verbindet!“

Ich-mag-dich-Steine
Die Kinder bemalen kleine Steine mit bunten Farben und Symbolen (z. B. Herz, Sonne, Regenbogen, zwei Hände). Wer kann und mag, kann auch (mit Hilfe) Wörter wie „Frieden“ oder „Freunde“ draufschreiben. Die Steine können als Versöhnungssteine verschenkt oder getauscht werden – als Zeichen für einen Neuanfang, so wie bei Jakob und Esau.

Ihr braucht:
• Steine
• Filzstifte (möglichst deckend)
• weiße Acrylfarbe zum Grundieren für die Großen und Wasserfarben zum Verzieren für die Kleinen
Für das Trocknen der Farben ist Geduld gefragt, und die war auch bei Jakob und Esau nötig. Die Brüder hatten sich viele Jahre nicht gesehen, bis es endlich zur Umarmung kam. Sprecht in der Zwischenzeit als Familie darüber, wie Versöhnung leichter gelingen kann.

Ich wünsche euch, dass ihr mit euren Kindern immer wieder Versöhnung feiern könnt und dass es dafür nicht so lange dauern muss. Wir dürfen feiern, dass Gott uns täglich und überall begleitet und uns auch bei anstehenden Versöhnungen helfen kann.

Katrin Grieco ist Sozialpädagogin und Kinderbuchautorin. Sie schreibt, damit Kinder entdecken können: Ich bin wertvoll und werde gesehen. Sie liebt es, biblische Geschichten für Kinder lebendig werden zu lassen und das wird in ihren Kinderbüchern in verschiedenen christlichen Verlagen erlebbar.