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Bildschirmzeit

Wen Kindergartenkinder traurig oder wütend sind, lassen sie sich meist schnell mit einem Tablet beruhigen. Welche Folgen kann das haben?

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Kinder bis circa dem Schulalter noch nicht über die Fähigkeit verfügen, ihre Gefühle selbstständig zu regulieren. Das Gehirn entwickelt sich in Etappen. Der Bereich, der für Impulskontrolle und Beruhigung zuständig ist, reift erst über viele Jahre hinweg. Wenn Kinder weinen, wütend oder verzweifelt sind, brauchen sie daher in erster Linie Co-Regulation, also die Unterstützung eines (ruhigen) Erwachsenen.

Schnelle Beruhigungsmittel
Digitale Medien wirken sehr verlockend und können kurzfristig beruhigend wirken, da sie das Gehirn stark ablenken. Bilder, Geräusche und schnelle Reize überdecken unangenehme Gefühle wie Wut, Traurigkeit oder Frustration. Das Problem dabei ist nicht das Tablet an sich, sondern die Funktion, die es übernimmt! Wird es regelmäßiger genutzt, um Gefühle „abzustellen“, bekommt das Kind keine Möglichkeit, diese Gefühle wahrzunehmen, auszuhalten und zu verarbeiten. Langfristig kann das dazu führen, dass Kinder weniger Zugang zu ihren eigenen Emotionen entwickeln oder schneller nach äußerer Ablenkung suchen, statt innere Strategien aufzubauen.

Bewusster Medieneinsatz
Gefühle verschwinden so nicht. Sie werden lediglich verschoben. Oft zeigen sie sich später in anderen Situationen umso intensiver. Das bedeutet jedoch nicht, dass Eltern sofort alles falsch machen, wenn sie in akuten Momenten zum Tablet oder Handy greifen.
Entscheidend sind die Regelmäßigkeit und die Haltung dahinter. Wird das Tablet zur dauerhaften Beruhigungsstrategie, ersetzt es wichtige Entwicklungsschritte. Wird es hingegen bewusst und begrenzt eingesetzt, ergänzt durch Nähe, Worte und Begleitung, kann ein Tablet im Alltag auch mal zum Einsatz kommen. Medien können Teil des Familienalltags sein. Sie sollten jedoch nicht die Aufgabe übernehmen, Gefühle zu regulieren. Diese Fähigkeit entsteht vor allem dort, wo Kinder erleben: Meine Emotionen werden gesehen, gehalten und begleitet.

Marie von der Kuhlen ist Psychologin und systemische Beraterin. Sie ist zweifache Mutter und begleitet Eltern in den frühen Entwicklungsjahren ihrer Kindern, @psychologin.marie

Dieser Artikel ist zuerst in Family erschienen.