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Taschengeld

Spätestens mit der Einschulung bekommen die meisten Kinder ihr erstes Taschengeld. Doch wie lernen die Kleinen einen guten Umgang mit Geld? Wie verstehen sie, was sparen oder spenden bedeutet?

Die Einführung des Taschengeldes ist eine ideale Gelegenheit, um Kindern praktisch zu zeigen, wie Geld im Alltag funktioniert und wie wir damit gut umgehen können. Besonders anschaulich wird das durch ein Taschengeldsystem, das sich aus vier unterschiedlichen Bausteinen zusammensetzt:

Münzen auf vier Zwecke aufteilen
Beim Taschengeldsystem darf das Kind sein wöchentliches Geld auf vier Bereiche verteilen:
Portemonnaie: für alles, was es direkt ausgeben möchte
Sparen: für größere Wünsche
Investieren: für langfristiges Sparen, bei dem es „Zinsen von Mama“ gibt
Spenden: als Zeichen dafür, wie gut es uns geht und dass wir etwas davon abgeben können

Warum diese vier Bereiche? Weil Geld im Leben nicht nur für das Ausgeben da ist. Kinder lernen auf diese Weise spielerisch, dass man sich Wünsche erfüllen kann – aber eben nicht alle sofort. Sie verstehen dadurch auch, dass Geld (durch Zinsen) arbeiten kann und dass durch Teilen ein gutes Gefühl entsteht.
Hilfreich ist die Regel, dass das Taschengeld jedes Mal auf alle vier Bereiche aufgeteilt werden muss. Keiner der Zwecke darf ausgelassen werden. Wie viel wohin kommt, entscheidet das Kind jedoch selbst. Bei unserem jetzt siebenjährigen Sohn hat sich das mit der Zeit stark verändert. In der Anfangszeit floss fast alles in das Portemonnaie. Der Reiz, sich sofort etwas zu kaufen, war am größten. Inzwischen ist das Investieren sein Favorit. Er hat schnell verstanden: Wenn das Geld dort bleibt, wächst es durch die Zinsen, die ich alle drei Monate auszahle. Diese kleinen Zinszahlungen sind nicht nur ein Anreiz, sondern auch ein kindgerechter Einstieg in ein späteres Finanzverständnis: Geld kann arbeiten, sei es später auf dem Tagesgeldkonto oder an der Börse.

Marmeladengläser gestalten
Mein Tipp für den Einstieg ist, zunächst mit zwei bis drei Euro pro Woche zu starten. Damit lässt es sich gut aufteilen und ausprobieren. Kinder lieben es, Geld sichtbar aufzuteilen – aus diesem Grund nutzen wir dafür Gläser. Das funktioniert zum Beispiel mit Marmeladengläsern gut. Außerdem gibt es ein Portemonnaie, in welches nur das Geld kommt, welches das Kind nach Lust und Laune ausgeben darf, ohne dass wir Eltern dazwischenfunken. Die Gläser  können auch gemeinsam gestaltet werden. Das ist kreativ und bringt Gespräche ins Rollen: Wofür sparen wir? Wem könnten wir mit dem Geld helfen? Was bedeutet langfristig? Was sind denn überhaupt Zinsen?
Ja, anfangs wird das meiste Geld vermutlich in Produkte aus dem Süßigkeitenregal investiert werden. Aber genau da steckt das Lernpotenzial. Fehler? Gibt es nicht! Es gibt nur Erfahrungen. Hier lohnt es sich, geduldig zu bleiben. Das Taschengeld ist ein tolles Übungsfeld für das echte Leben. Wenn Kinder erleben, dass Geld viele verschiedene Aufgaben hat – ausgeben, sparen, vorsorgen, teilen – entwickeln bereits die Jüngsten Stück für Stück einen gesunden und selbstverständlichen Umgang damit. Und das ist in meinen Augen eines der schönsten Geschenke, das wir ihnen fürs Leben mitgeben können.

Deborah Scarpino-Helle ist Mutter von zwei Kindern und Gründerin von „Die Finanzkomplizin“. Sie zeigt Frauen, wie sie Ordnung in ihre Finanzen bringen und mehr aus ihrem Geld machen. www.diefinanzkomplizin.de

Der Artikel ist zuerst in der Zeitschrift Family erschienen.